300 Jahre Findorff Die Vermessung des Landes

Jürgen Christian Findorffs, der Kopf hinter der Besiedlung des Teufelsmoores, hat das Land genau vermessen. Wie das ohne GPS möglich war, erklärt eine Ausstellung in der Osterholzer Museumsanlage.
23.09.2020, 14:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulf Buschmann

Jürgen Christian Findorff – die Geburt des Mannes, der als Kopf hinter der Besiedlung des Teufelsmoores gilt, jährt sich 2020 zum 300 Mal, er wurde am 22. Februar 1720 geboren. Ihm und seinem Wirken widmet sich eine Ausstellung in der Museumsanlage Osterholz-Scharmbeck. Sie wurde zu seinem Geburtstag eröffnet. Doch die Coronakrise und die Schließung des Museums verhinderten zunächst einen Besuch der Allgemeinheit. Wir stellen die Ausstellung und ihre Inhalte in einer kleinen Serie vor. Heute: die Findorff-Karte(n).


Osterholz-Scharmbeck. Wilhelm Berger betrachtet das Werk eindringlich. Dabei wirkt das, was er da anschaut, für den interessierten Laien eher nebensächlich – kein Wunder, steht es doch daneben. Gleichwohl sind die Zahlen, auf die Berger hinweist, wichtig: Es sind Nebenrechnungen von Jürgen Christian Findorff. Der Mann, der als Moor-Kommissar in die Geschichte eingegangen ist, hat viel mehr geleistet, als nur das Teufelsmoor zu kultivieren. Findorff hat der Region durch seine umfangreichen kartografischen Arbeiten ein Gesicht gegeben. Damit beschäftigt sich die Ausstellung in der Museumsanlage, die Berger und Lutz Bernsdorf auf die Beine gestellt haben. Die erste von Findorff erstellte Karte stammt aus dem Jahr 1756, eine zweite folgte 1773. Anders als heute konnte sich damals natürlich niemand bequem per Global Positioning System (GPS) leiten lassen. Im Gegenteil, die Landschaft zu vermessen, war schwer und entbehrungsreich. Davon künden historische Quellen in den Archiven. Hinzu kam der Umstand, dass es im Gegensatz zu heute keine einheitlichen Maßeinheiten gab – im Kurhannoverschen galt das Calenberger Maßsystem.

Veränderliche Einheiten

So erfährt der Besucher der Ausstellung zum Beispiel, dass die hiesigen Maßeinheiten Zoll, Fuß und Rut(h)e waren. Vor 1765 entsprach 1 Zoll genau 2,3879 Zentimeter. 1 Fuß wiederum waren 12 Zoll oder 28,655 Zentimeter. Und 1 Rut(h)e entsprach 16 Fuß oder 4,5848 Meter. In der Zeit von 1765 bis 1836 entsprach 1 Zoll dann aber 2,4279 Zentimeter, 1 Fuß waren in dieser Zeit zwar noch immer 12 Zoll, allerdings ergaben sich daraus 29,135 Zentimeter. Auch der metrische Wert für die Rut(h)e war länger: 4,6616 Meter.

„Es war immer das Bestreben, der Fürsten, das Land zu vermessen“, sagt Berger beim Gang durch die Ausstellung. Den Grund dafür schiebt er gleich hinterher: Die Karten hätten Bedeutung für das Militär und für die Erhebung der Steuer gehabt. Wie das Vermessen vor sich ging, zeigt ein Modell aus dem Herzogtum Sachsen: Anno 1721 wurde für die Vermessung der dortigen Postmeilensäulen ein sogenannter geometrischer Wagen verwendet. Die Kutsche war mit einem Gestänge ausgestattet, das die Umdrehungen des Hinterrades auf ein Zählwerk im Wageninneren übertrug. Für unbefahrbare Wege bedienten sich die Menschen einer Messkarre.

Wie genau Findorff seine Vermessungen vornahm, darüber geben die vorliegenden Quellen laut Berger und Bernsdorf wenig Auskunft. Immerhin kann sich der Ausstellungsbesucher einen kleinen Einblick anhand der Exponate verschaffen: Findorff bediente sich bei seinen Arbeiten der Messkette, eines Winkelgeräts, eines Messtisches mit Diopterlineal und Bussole und eines Kompasses. Von ihm liegen zwar keine Höhenmessungen vor, wohl aber Aufrisse von Gebäuden, wie zum Beispiel der Ziegelei und der St.-Marienkirche.

Bevor sich Findorff an die Vermessung des Fleckens Osterholz machte, war er bereits in der Region gewesen – so etwa 1754/55 zur Vermessung von Pennigbüttel und Teufelsmoor. Und aus dem Jahr 1753 ist bekannt, dass Osterholz über 59 sogenannte Feuerstellen verfügte. In der ersten offiziellen Karte des Fleckens hebt sich der Ortskern hervor. Jedoch, so die Erkenntnis von Findorff: Die Siedlungsflächen nahmen wenig Raum ein. Findorff rechnete aus, dass es 144,9 Morgen Saatland, 183,6 Morgen Wiesen, 227,5 Morgen Weiden sowie 7,2 Morgen Gartenland gibt. Unterm Strich sind dies 562,3 Morgen oder rund 142 Hektar.

Weitere Informationen

Die Ausstellung in der Museumsanlage ist jeweils zu den Öffnungszeiten sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Auch telefonische Vereinbarungen sind möglich. Weitere Informationen gibt es unter der 04791/ 131 05 sowie im Internet unter www.museumsanlage-osterholz-scharmbeck.de.

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