Regiobusse Thema beim Infoabend am 11. Februar "Abgestimmt wird mit den Füßen"

Fahren die Regiobusse von Zeven und Worpswede demnächst nicht mehr zum Bremer Hauptbahnhof, sondern kehren bereits am Falkenberger Kreuz um? Mit dem Thema befasst sich die UWG Worpswede bei einem Infoabend.
10.02.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Michael Schön

Fahren die Regiobusse von Zeven und Worpswede demnächst nicht mehr zum Bremer Hauptbahnhof, sondern kehren bereits am Falkenberger Kreuz um? Einigen Politikern in Lilienthal wäre das nicht unlieb, weil sie sich davon eine bessere Auslastung der Linie 4 versprechen. Mit dem Thema befasst sich die UWG Worpswede in einem Infoabend am Donnerstag, 11. Februar, 19.30 Uhr im Worpsweder Moma-Café.

Rolf Stelljes war sein ganzes Berufsleben lang Pendler. Er fuhr zwischen seinem Wohnort Schlußdorf und dem Arbeitsplatz nahe der Bremer Domsheide hin und her. Inzwischen genießt der frühere Bankkaufmann schon einige Jahre den verdienten Ruhestand und muss nicht mehr täglich in die Hansestadt fahren. Doch die plötzlich aufgekommene Debatte über die Buslinienführungen in den Bremer Hinterlandgemeinden wühlt ihn trotzdem auf. „Wenn es tatsächlich dazu kommt, dass am Falkenberger Kreuz Endstation für die 670 und die 630 ist, wäre das für die Pendler aus den Dörfern eine unzumutbare Situation.“ Dass ein Fahrgast, der auf dem Berufsweg nach Bremen ist, in Falkenberg in die Linie 4 umsteigt, nachdem er mit einigem Aufwand den Bus erreicht hat und mit diesem Verkehrsmittel schon längere Zeit unterwegs gewesen ist, glaubt er eher nicht. Und mit dieser Meinung steht er keineswegs allein da.

Die überraschend niedrigen Fahrgastzahlen für die Linie 4 lassen manche Politiker im Lilienthaler Rat zu dem Schluss gelangen, die Gemeinde leiste sich einen teuren Parallelverkehr. Denn auch nach derVerlängerung der Bahnstrecke von Borgfeld zum Falkenberger Kreuz fahren die Regiobusse 670 und 630 von Worpswede beziehungsweise Zeven im Stundentakt zum Bremer Hauptbahnhof. Der 670er fährt von Worpswede über Worphausen, Lüninghausen und Lilienthal nach Bremen, der 630er von Zeven über Tarmstedt, Grasberg und Lilienthal nach Bremen. Die daraus resultierende und laut ausgesprochene Überlegung, mit dem Kappen der Buslinien am Falkenberger Kreuz könnte die Bahn neue Kunden gewinnen, hat wiederum für Aufregung in Grasberg, Worpswede und Tarmstedt gesorgt. „Die dazu veröffentlichten Meinungen machen vielen Menschen Sorgen“, glaubt Eva Bunn, Vorstandsmitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft Worpswede (UWG).

Lieber aussteigen als umsteigen?

Die Worpsweder UWG hat daher für Donnerstag, 11. Februar, zu einem Informationsabend eingeladen, der um 19.30 Uhr im Caféhaus Moma in Worpswede beginnt. Eva Bunn: „Im Rahmen unseres regelmäßigen Austauschs mit Mitgliedern und interessierten Bürgern soll diesmal die Situation des öffentlichen Nahverkehrs Schwerpunkt der Diskussion sein.“ Nachdem in Lilienthal diskutiert wurde, ob die Buslinie zur besseren Auslastung der Straßenbahnlinie 4 eventuell am Falkenberger Kreuz endet, möchte die UWG im Gespräch mit Bürgern herausfinden, ob dies für sinnvoll gehalten wird beziehungsweise welche Nachteile es für Worpsweder Bürger haben könnte.“ Mit der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Verkehrsverbund Bremen /Niedersachsen (VBN) befasst sich auch die Worpsweder Senioren-Union der CDU ihrer Sitzung am Mittwoch, 17. Februar, 15 Uhr in der Cafeteria des Worpsweder Hallenbades. Dazu hat sie einen Vertreter der Eisenbahnen- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) eingeladen. Der Kreistagsabgeordnete Jochen Semken (Grüne) hält den Plan, das Falkenberger Kreuz zur Regio-Bus-Endstation zu machen, für „keine gute Idee“. Pendler würden eher nicht vom Bus in die Bahn umsteigen, sondern ganz aus dem öffentlichen Nahverkehr aussteigen und mit dem Auto nach Bremen fahren. „Das bedeutet mehr Individualverkehr mit den bekannten Folgen vor allem für die Umwelt.“

Für die Grasberger Bürgermeisterin Marion Schorfmann stehen die aktuellen Linienführungen überhaupt nicht zur Disposition. In den Gesprächsrunden vor dem Start der Linie 4 sei vereinbart worden, dass an dem bestehenden Busangebot für zumindest drei Jahre nicht gerüttelt werden dürfe.

Und auch danach könne allenfalls eine Feinjustierung erfolgen. „Umsteigen mögen die Menschen nicht. Die Pendler sind schließlich die ersten, die morgens zur Arbeit fahren und die letzten, die am Abend wieder heimkommen.“ Schorfmann: „Abgestimmt wird mit den Füßen.“ Der 630er sei trotz erhöhter Taktfrequenz morgens immer rappelvoll und für den direkten Weg zur Universität und das um sie herum gruppierte Gewerbe unverzichtbar. „Die Lilienthaler sollten sich auf die Fahrgastzahlen in der eigenen Gemeinde konzentrieren und versuchen, sie zu verdoppeln.“

Wolfgang Konukiewitz, Verkehrsexperte, Seelsorger und Autor eines Buches über die Findorffdörfer, hält es zwar umweltpolitisch für vernünftig, wenn am Falkenberger Kreuz die Bahn den Bus ablöst. Dieser Wechsel solle den Menschen aber nicht aufgezwungen werden. „Wenn die Busse immer proppenvoll sind und die Fahrgäste stehen müssen, sollten sie doch von alleine darauf kommen, dass sie in der Bahn bequem sitzen können.“ Allerdings: „Die Anschlüsse müssen passen.“

Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke vertritt ebenfalls die Auffassung, dass die Buslinien unattraktiv werden, wenn sie am Falkenberger Kreuz „gebrochen“ werden. Dass die

Fahrgäste der Linien 670 und 630 in die Linie 4 einsteigen und so für eine bessere Auslastung der Straßenbahn sorgen, hält er für eine „Milchmädchenrechnung“. Auch Tarmstedts Samtgemeindebürgermeister Frank Holle positioniert sich schon mal im Widerstand gegen Lilienthaler Vorstellungen, die auf eine Verkürzung der Linien aus dem Bremer Hinterland hinauslaufen. „Die 630 ist unsere Hauptschlagader.“ Auch Holle verweist darauf, dass die Busse über die Uni zum Hauptbahnhof fahren. Mit der Straßenbahn würde die Fahrt zur Hochschule mit Umsteigen anderthalb Stunden dauern.

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