Betrug beim Internet-Handel Abzocke im Fake-Shop

Das Polizeikommissariat Osterholz berichtet, dass die Betrugsfälle beim Online-Handel deutlich zunehmen. Die Täter kassieren zwar Geld, schicken aber keine oder gefälschte Waren
18.08.2020, 10:00
Lesedauer: 4 Min
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Abzocke im Fake-Shop
Von Patricia Brandt

Landkreis Osterholz. Manchmal sind selbst Polizisten nicht vor Betrügern gefeit. Lars Röben, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes des Polizeikommissariats Osterholz, spricht aus leidvoller Erfahrung. Er hatte über das Internet Trikots für seine Söhne bestellt und war alles andere als zufrieden mit dem, was dann bei ihm zu Hause ankam. Warenkreditbetrug ist nach Angaben der Polizei eine seit Jahren populäre Betrugsmasche von Tätern, die zum Teil weltweit agieren.

Mit 98 Prozent shoppt laut Polizei fast jeder Internetnutzer auch online. Nie war der Wettbewerb größer zwischen den Onlineshops als heute. Regelmäßig tauchen im Internet aber auch Schnäppchen-Angebote von Betrügern auf. „Das Phänomen Warenkreditbetrug ist eines, das uns unheimlich viel Arbeit macht“, sagt Lars Röben. Angelockt von günstigen Preisen falle den Käufern nicht auf, dass bei dem Preis etwas nicht stimmen kann.

Der Präventionsbeauftragte und Kriminalhauptkommissar Joachim Kopietz von der Polizeiinspektion Verden/Osterholz stellt fest, dass es die Käufer den Betrügern oft zudem sehr einfach machen: „Die Leute handeln meiner Meinung nach fahrlässig, wenn sie vierstellige Beträge ins Ausland überweisen." Andererseits werde von den Tätern auch Druck aufgebaut: „Dann heißt es, dass nur noch ein Einzelstück da ist.“

Ziel der Internetkriminellen ist es nach Darstellung der Beamten, die zum Verkauf angebotene Ware nach Eingang der Bezahlung per Vorkasse nicht zu liefern. Gerade bei Internetauktionen und Verkaufsplattformen wie Ebay gehe viel schief: „Die Täter kriegen das Geld, schicken die Ware dann aber einfach nicht.“ Zum Teil würden auch überteuerte Produkte verkauft. Bei Privatverkäufen rät der Chef des Kriminal- und Ermittlungsdienstes deshalb: „Lieber hinfahren und die Sachen selbst abholen.“

Dass der Warenkreditbetrug eine beliebte Betrugsmasche ist, zeigen auch die Zahlen des Landeskriminalamts. Die Zahlen der Betrugstaten übers Internet sind seit Jahren steigend. In der niedersächsischen Kriminalitätsstatistik 2016 tauchen 16 883 von 31 544 Betrugsfällen auf, in denen der Handel über das Internet abgeschlossen wurde. 2018 waren es bereits 18 971 Internet-Betrugsfälle von insgesamt 30 652 Betrugsfällen. Dabei sind in der Statistik nur die Fälle berücksichtigt, bei denen der Tatort in Niedersachsen liegt. „Häufig agieren die Täter aus dem Ausland“, so Nevin Ayyildiz, Pressesprecherin des Landeskriminalamts Niedersachsen.

Wege werden verschleiert

Internetbetrug sei ein weites Feld, meint auch der Chef des Kriminal- und Ermittlungsdienstes Osterholz. "Das Problem im Internet ist, Sie wissen nie, mit wem Sie es zu tun haben“, so Lars Röben. Die Kontaktadressen oder die Bankverbindungen der Täter befänden sich häufig im Ausland, dienen laut Polizei meist außerdem lediglich als kurze Zwischenstation für Waren oder Geldtransfers. Durch zum Beispiel vor Ort angeworbene Finanz- oder Paketagenten würden Überweisungen oder Postsendungen schnell weiter verschickt, um Postwege zu verschleiern und Rücküberweisungen zu verhindern.

Das Thema Identitätsdiebstahl gewinnt dabei laut Landeskriminalamt ebenfalls immer mehr an Bedeutung. Die Facetten, wie Täter an die entsprechenden Daten gelangen, um sie zu missbrauchen, seien vielfältig. Sie reichten von Hackerangriffen auf den PC bis hin zur analogen Datenerforschung. Die erlangten Daten würden dann von den Tätern vornehmlich beim Waren- und Warenkreditbetrug eingesetzt.

Joachim Kopietz vom Präventionsteam empfiehlt gerade beim Zahlungsverkehr im Internet, auf Datensicherheit zu setzen. „Das fängt schon mit der Frage an: Habe ich ein vernünftiges Passwort?“ Auch rät er, auf Online-Shops mit Gütesiegel zu achten. Wie Nutzer erfahren, ob ein solches Gütesiegel von einem Online-Shop rechtmäßig verwendet wird, erklärt die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage. Der Kunde könne das Siegel per Mausklick auf das Siegel-Emblem prüfen. Ist alles in Ordnung, landet er auf der Internetseite des Gütesiegelbetreibers, wo das gültige Prüfzertifikat angezeigt wird. Dieses Zertifikat müsse ausdrücklich auf den Shop Bezug nehmen, von dem aus verlinkt wurde, so die Verbraucherschützer.

Generell rät der Präventionsbeauftragte Joachim Kopietz, im Internet auf Rechnung einzukaufen. Paypal, ergänzt sein Kollege Lars Röben, sei eigentlich ein sicherer Onlinebezahldienst. „Wenn richtig damit umgegangen wird“, schränkt der Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes ein. „Benutzen Sie nie Paypal for Friends bei Fremden, weil Sie dann keinen Käuferschutz mehr haben.“ Vonseiten der Verkäufer werde zwar häufig darauf gedrängt, Paypal for Friends zu nutzen, um die Gebühren für das herkömmliche Paypal zu sparen. Lars Röben: „Aber die Gebühr ist marginal.“

Besonders günstige Angebote stammen oft von sogenannten Fake-Shops. Fake-Shops sind gefälschte Onlineshops namhafter Markenhersteller etwa von Bekleidung, Schmuck oder auch Unterhaltungselektronik. Die Täter kopieren Bilder und Beschreibungen der Shops und stellen sie ins Internet. Immer ähnelt der Domainname der gefälschten Internetseite dem Originalnamen der Firma. Oft machen nur Nuancen – wie etwa ein Sonderzeichen oder die Endung „info“ statt „de“ – den Unterschied aus. Wie echt Fake-Shops wirken können, zeigt das Beispiel aus dem Polizeikommissariat Osterholz. „Ich bin selbst mal auf einen Fake-Shop reingefallen“, sagt Lars Röben.

Er hatte für seine beiden Jungen zu Weihnachten American-Football-Trikots kaufen wollen. Im Internet fand er die gesuchten Trikots in einem angeblichen Schweizer Shop für 40 statt 120 Euro. „Es hieß, sie seien aus dem Vorjahr, das hat meine Bedenken zum Preis zerstreut. Zum Teil waren die Trikots auch schon regulär für 80 Euro zu finden.“ Das, was die Post brachte, sei jedoch eine Riesen-Enttäuschung gewesen: „Es waren zwei T-Shirts billigster Art und Weise. Das hatte mit Trikots nichts zu tun.“

Doch als der Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes sich bei dem Händler beschweren wollte, stellte er fest, dass es zu spät war: „Die Seite gab es plötzlich nicht mehr.“

Info

Zur Sache

So schützen Sie sich:

▪ Achten Sie auf Fake-Shops

▪ Wer sicher ist, betrogen worden zu sein, sollte versuchen, die Zahlung bei der Bank rückgängig zu machen

▪ Sollte es zu einer ungewöhnlich langen Lieferzeit kommen, dem Verkäufer schriftlich Lieferfristen setzen oder vom Kauf zurücktreten.

▪ Belege für die Online-Bestellung (Kaufvertrag, Bestellbestätigung, E-Mails und ein Screenshot des Angebots) aufheben.

▪ Im Zweifel Unterlagen von der Verbraucherzentrale prüfen lassen und Strafanzeige bei der Polizei oder Onlinewache der Polizei Niedersachsen stellen.

Weitere Informationen

Mit der Serie „Die Tricks der Täuscher“ haben wir in den vergangenen Wochen unterschiedliche Betrugsmaschen in der Region vorgestellt. Mit dem heutigen Teil über Warenkreditbetrug endet die Serie.

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