Reif fürs Landleben Ackerhelden feiern ersten Saisonabschluss

Das Feld ist bestellt: Die Timmersloher Ackerhelden feiern ihren ersten Saisonabschluss. Gemüse satt und handfestes Zupacken auf dem Lande lockte Stadtmenschen ins Grüne.
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Von Petra Scheller

Borgfeld. Ein Zaun trennt das Feld von den umliegenden Wiesen. Herbstlich bunt glitzern regenfeuchte Gemüseblätter, dunkle Salate sowie Korn- und Ringelblumen im milden Sonnenschein um die Wette. Kartoffeln, Fenchel, Kohlrabi und Schnittlauch, Petersilie, rote Beete und Mangold wurden hier im Sommer und Herbst geerntet. Nun geht die erste Saison der Ackerhelden in Timmersloh zu Ende.

Petra und Ingo Stelljes-Subarew besitzen Ackerfläche aus Familienbesitz. Im Frühjahr haben sie einen Teil dieser Fläche erstmals an ein Essener Start-up-Unternehmen, die „Ackerhelden“, vermietet. Die wiederum bieten die Bioflächen in Parzellenformat an Städter und Menschen ohne eigenen Garten an. Die können hier den Traum vom eigenen Nutzgarten verwirklichen und Gleichgesinnte treffen. Das kommt an. „Zumal diese Flächen auch schon in den 50iger Jahren als Parzellen von Lilienthalerinnen genutzt wurden“, weiß Ingo Stelljes-Subarew aus Erzählungen von Nachbarn zu berichten.

Urban Garding nennt sich dieser Trend und ist an den Rändern großer Städte längst großflächig gesät worden. Um es gleich vorweg zu nehmen. Die Ackerhelden streichen noch keine Gewinne mit ihrer grünen Idee ein. Jedenfalls keine monetären. Für Gartenfreaks wie Volker Hendrich aus Bremen ist die kleine Parzelle hingegen „ein riesiges Los und das größte Sommerglück“. Gemeinsam mit seiner Freundin hat der Ingenieur hier so manches Abendessen geerntet. Seine Eltern haben einen Hof auf dem Lande, doch der Weg dahin sei im Alltag zu weit. Die Parzelle in Timmersloh hingegen sei nach der Arbeit gut mit dem Rad zu erreichen. „Wir haben so viel geerntet, da hatten Kollegen und Freunde auch gleich etwas davon“, schwärmt Hendrich vom neuen Hobby. Bestellt wurde seine zwei mal 20 Meter große Ackerfläche im Frühjahr bereits von den Stelljes-Subarews. Tomaten, Gurken, Kürbisse und Karotten hat Hendrich später nachgesetzt oder vorgezogen. Tütchen mit Saat gab es von den Ackerhelden aus Essen zugeschickt. Auch Tipps für biologische Schädlingsbekämpfung lagen im Starter-Paket. „Das ist eine tolle Sache, man kriegt nach der Arbeit den Kopf frei. Stets die Pflanzen und die Ernte vor Augen“, schwärmt Hendrich vom Konzept. Den Acker habe er per Zufall bei einem Gewinnspiel gewonnen. Würde er so eine Parzelle auch für rund 300 Euro pro Saison mieten? „Vom Prinzip her ja“, sagt Hendrich zögerlich und lässt offen, ob er den grünen Helden auch in der kommenden Saison treu bleiben wird.

Vorn am Eingang in Timmersloh steht ein Schild mit der Aufschrift des Start-up-Unternehmens. Petra Subarew und ihr Mann haben es extra ein wenig zurückgesetzt, damit sich die Nachbarn nicht daran stören. Rund drei Morgen Land besitzt die Familie insgesamt. Nach und nach könnten die Flächen für Ackerhelden wie Hendrich und 20 weitere Nutzer bereitgestellt werden. Das Land als Bioacker zu nutzen passe in ihre Weltanschauung, sagt das junge Timmersloher Paar. Der Installateur- und Heizungsbaumeister und die Kauffrau Subarew betreiben einen landwirtschaftlichen Nebenerwerb und züchten Schafe. Auf ihren Feldern sei garantiert alles Bio, also ohne künstliche Düngemittel oder Pestizide, versichern sie. Der Acker nebenan wird bereits für die kommende Saison vorbereitet. Ingo Stelljes-Subarew freut sich über die Saat und piekst mit einer Harke in den Boden.

Gurken, Tomaten, Salate oder Brokkoli entziehen dem Feld im Verlauf des Jahres bestimmte Nährstoffe, die sie zum Wachsen und zur Fruchtbildung benötigen, erklärt Stelljes-Subarew. „Diese Nährstoffe müssen dem Boden zurückgegeben werden.“ Eine besonders gute Methode dazu sei die Gründüngung. „Mit der Gründüngung kann man dem abgeernteten Boden bereits im Herbst und Winter etwas Gutes tun.“ Bestimmte Pflanzen, die im Herbst als Nachsaat auf freie Flächen ausgebracht werden, geben dem Boden neue Kraft für das nächste Frühjahr. Perserklee, Gelbe Lupine und Phacelia hat der Hobbylandwirt bereits ausgesät. Diese Pflanzen wachsen sehr schnell, bedecken den Boden, lockern mit ihren Wurzeln die Erde auf und können nach wenigen Wochen bereits abgeschnitten und in den Boden eingearbeitet werden.

Im Beet der Hendrichs herrscht Ordnung: Kornblumen und Ringelblumen bäumen sich noch einmal gegen den Herbstwind auf, eine Tomate will unbedingt noch geerntet werden. Bei den Nachbarn wächst Grünkohl. Am Rand der Gemeinschaftsparzelle steht eine große Truhe mit Gerätschaften und Gießkannen, eine Wasserpumpe steht bereit, und auch Kissen zum Unterlegen können hier geliehen werden. „Große Geräte wie Harken oder Spaten können von allen genutzt werden“, erklärt Petra Subarew den Gemeinschaftssinn.

Ob sie im kommenden Jahr weiter machen? „Auf jeden Fall!“, erklären die Timmersloher einhellig. „Es gibt so viele Menschen, die daran Freude haben“, sagen sie. Und fügen hinzu: Äcker sind kein standardisierbares Industrieprodukt, Pflanzen können nur langsam wachsen. „Das Feld fürs kommende Jahr ist bestellt“, sagen die Stelljes-Subarew.

Weitere Informationen gibt es unter www.ackerhelden.de und unter der Rufnummer 02 01 / 74 94 36 66.

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