ADVENT, ADVENT: NOCH 7 TAGE BIS ZUM FEST BWL-Student ist als Weihnachtsmann unterwegs

Was tut ein Weihnachtsmann, wenn sein Auto nicht anspringt? Jedenfalls nicht bei der Familie klingeln, die er eben besucht hat. Dort hatte er den Kindern erzählt, er sei mit dem Rentierschlitten unterwegs. Da ließe sich wohl schwer erklären, warum er nun ein Überbrückungskabel für den Motor braucht.
17.12.2010, 05:00
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ADVENT, ADVENT: NOCH 7 TAGE BIS ZUM FEST BWL-Student ist als Weihnachtsmann unterwegs
Von Undine Zeidler

Was tut ein Weihnachtsmann, wenn sein Auto nicht anspringt? Jedenfalls nicht bei der Familie klingeln, die er eben besucht hat. Dort hatte er den Kindern erzählt, er sei mit dem Rentierschlitten unterwegs. Da ließe sich wohl schwer erklären, warum er nun ein Überbrückungskabel für den Motor braucht.

Sebastian Monsees und seine Schwester Maren Monsees, die den Weihnachtsmann chauffierte, blieben gelassen. Sie klingelten bei den Nachbarn und erhielten nach deren erster Verblüffung Hilfe. Seit fünf Jahren ist der 25-jährige BWL-Student im Nebenberuf Weihnachtsmann. Nicht jeder weiß darum.

Neffe Lennart, der die erste Klasse besucht, soll vom Doppelleben des Onkels nichts wissen. Er glaubt noch an den Weihnachtsmann und diese Illusion soll er nach dem Wunsch von Mutter Maren noch eine Weile behalten.

Sebastian Monsees älterer Bruder ist seit zehn Jahren als Weihnachtsmann im Einsatz. "Da rutscht man halt auch rein", erzählt der Jüngere schmunzelnd. Die Freude des Bruders steckte ihn an und von Jahr zu Jahr wurden es mehr Buchungen, die Maren Monsees managte. Irgendwann reichten diese für zwei und mit 20 Jahren fühlte sich Sebastian Monsees reif genug für den Weihnachtsmann. Die Stimme passte und er konnte sich "alt bewegen".

Trotzdem litt er vor seinem ersten Besuch unter Lampenfieber. Doch am Ende des Abends wünschte er: "Ich hätte gerne noch ein paar mehr Familien." Inzwischen hat Sebastian Monsees sich zur Tradition gemacht, nach seinem Dienst am 24. Dezember noch Freunde zu überraschen. Er erzählt lächelnd von einem Besuch auf einem Hof im Teufelsmoor.

Die Großeltern der Freunde erlebten dort zum ersten Mal in ihrem Leben einen Weihnachtsmann und hatten Tränen in den Augen. Maren Monsees nickt, da "glauben" auch alte Menschen wieder an den Weihnachtsmann, wenn er plötzlich in der Tür steht.

Nicht minder ergriffen geht es bei den Kindern zu, die Monsees besucht. Mit der weiß behandschuhten Hand und dem großen roten Weihnachtsmannring am Finger öffnet er das Goldene Buch. Darin stehen alle guten und schlechten Taten der Mädchen und Jungen - dank präziser Vorgespräche mit den Eltern. Die Rute habe er noch nie vom Gürtel abgemacht, gesteht er. Sebastian Monsees lobt lieber. Die Weihnachtsmannsaison beginnt am 1. Dezember. Sobald die Kinder die Türchen öffnen und der erste Schnee fällt, buchen Eltern den Weihnachtsmann und die Zeit der Betriebsweihnachtsfeiern beginnt. Monsees freut sich, wenn ihn dabei Bekannte hinter Bart und Plüschmantel nicht erkennen. Am Heiligen Abend besucht er sieben bis acht Familien in Osterholz-Scharmbeck und im Landkreis. Etwa eine halbe Stunde verbringe er in jedem Haus.

Seine Rolle spielt er auch außerhalb der Wohnungen. "Ich bin der Weihnachtsmann", sagt er über den Moment, in dem er in das Kostüm schlüpft - mit weißem Rauschebart, Rute am Gürtel, Glocke, goldenem Buch und Jutesack. Dann winke er den Autofahrern an der Kreuzung und einmal hatte er als Weihnachtsmann ein altes Ehepaar davon überzeugen können, auf den Kirchenbesuch zu verzichten - die Straßen waren spiegelglatt. An ein Ende als Weihnachtsmann mag Monsees nicht denken. Er will sich noch oft verkleiden, "die nächsten Jahrzehnte bestimmt". Zu erreichen ist er unter der Weihnachtsmann-Telefonnummer 0173/6406684.

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