Ritterhuder Fachausschuss spricht sich für Marktplatz-Bau an Riesstraße aus

Alle Hände hoch

„Nach neuen Marktanalysen braucht man so etwas.“ Susanne Geils, Bürgermeisterin Ritterhude.
27.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Brigitte Lange
Alle Hände hoch

Auf einer Fläche von rund 16 000 Quadratmetern soll das neue Herz von Alt-Ritterhude entstehen. Supermarkt, Discounter, Drogerie und Fachmärkte werden dort auf 4870 Quadratmetern künftig ihre Waren anbieten. Der Fachausschuss sprach sich nun für diese Planungen aus.

4870 Quadratmeter reine Verkaufsfläche sollen mit dem Ritterhuder Marktplatz-Projekt an der Riesstraße entstehen. Hinter dieser Zahl verbergen sich ein Supermarkt, ein Discounter, eine Drogerie und mehrere Fachmärkte sowie Gastronomieangebote. Dieses Gesamtpaket soll zum künftigen Herzen von Alt-Ritterhude werden, soll Käuferscharen an die Hamme führen, den Ortsteil aufwerten. Davon sind Politik und Verwaltung überzeugt. Auch die bereits existierenden Geschäfte würden vom Mitnahmeeffekt profitieren und mehr Kunden gewinnen, prophezeite Planer Lars Lemke von „baumgart und partner“ bei der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Umwelt.

„Ich bin froh, dass wir nun in den Startlöchern stehen“, sagte Bürgermeisterin Susanne Geils. An dieser Stelle eine Ortsmitte zu schaffen, habe schon viele Ritterhuder Bürgermeister vor ihr beschäftigt. So alt sei der Wunsch vieler alteingesessener Ritterhuder, betonte sie. „Aber klein und kuschelig – das funktioniert heute nicht mehr“, reagierte sie auf Bedenken anwesender Bürger, die Dimensionen des Markt-Komplexes seien zu groß gewählt. „Nach neuen Marktanalysen braucht man so etwas“, sagte Geils. Die Aufgabe der Politik sei es nun, die Bedenken abzuwägen. Dass die Mitglieder des Fachausschusses geschlossen den Bebauungs-Entwurf unterstützten, spreche für das Projekt, fand sie.

In Richtung Bürger fügte Jörn Rürup (Grüne) hinzu, dass die Märkte auch deshalb so groß würden, weil sie heute mit breiteren Gängen planten.

„Eigentlich macht es wenig Sinn, noch etwas zu sagen, da ja scheinbar alles beschlossen ist“, meldete sich Helga Hoffmann im Publikum trotzdem zu Wort. Ihre Befürchtung: Die Lebensmittelkette Rewe werde weiter oben an der Riesstraße einen neuen Leerstand schaffen. Der Konzern hat sich inzwischen entschieden, den Standort in Höhe des Dammgutes aufzugeben, um an den künftigen Marktplatz zu ziehen. In einer Presseerklärung versichert das Unternehmen allerdings, für Nachmieter zu sorgen. Ob ihm dies gelingen wird, stellte Hoffmann infrage. Ebenso kritisch äußerte sie sich zu einer möglichen Umsiedelung von Aldi oder Lidl aus dem Gewerbegebiet Deltastraße rüber an den neuen Marktplatz. Sie meinte, auch an der Deltastraße würden die Gebäude wohl leer bleiben.

Susanne Geils teilte diese Sorge nicht. Und selbst wenn, so sei ein Gebäude irgendwann abgeschrieben. Dann könne auch wieder etwas Neues entstehen. „So plant ein Investor“, sagte Geils. Außerdem sei Leerstand ein unternehmerisches Risiko, stellte sie fest. Dass Rewe versprochen habe, für Nachmieter zu sorgen, sei ein Vorteil für den Investor des alten Gebäudes. Und für Flächen im Gewerbegebiet gebe es immer viele Interessenten. Aber für die habe die Gemeinde keine Grundstücke. Eine Umsiedlung von Aldi oder Lidl an die Riesstraße bewertete sie daher positiv.

„Angst ist immer ein schlechter Ratgeber“, wandte sich Jürgen Kuck (SPD) an die Bürger im Ratssaal. Er erinnerte daran, dass die Pläne für die Ortsmitte lange vor dem ersten Kontakt mit dem heutigen Investor entstanden seien und auf verschiedenen Gutachten beruhten. Er sei kein Experte für Stadtentwicklung oder für den Einzelhandel, aber er vertraue „ein Stück weit“ dem Urteil der Fachleute. Sie als Politiker hätten die verschiedenen Beurteilungen zusammengetragen, um „das Bestmögliche für die Gemeinde“ auf den Weg zu bringen.

Wie das aussehen wird, hatte Planer Lars Lemke während der Sitzung einmal mehr mit Hilfe des Planentwurfs geschildert. Unter anderem wies er dabei darauf hin, dass am Ende der bebauten Fläche ein Gehölzstreifen gepflanzt werde und so der Übergang zu den Hammewiesen eingegrünt werde. Zudem werde die zu überplanende Fläche im Flächennutzungsplan als „Sondergebiet Einzelhandel“ ausgewiesen. So könne dort auch künftig nur Einzelhandel entstehen.

Das Konzept überzeugte den gesamten Ausschuss. Allein Jürgen Ahlers (Bürgerfraktion) blieb kritisch, hob aber ebenfalls seine Hand für den Entwurf, da er als einziger in seiner Fraktion Bedenken hegt. Voraussichtlich im Mai wird der Entwurf im nächsten Verfahrensschritt öffentlich ausgelegt, teilte die Verwaltung mit.

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