Weihnachtsgeschäft in der Gastronomie läuft auf Hochtouren / Wirte sehen manche Entwicklung auch kritisch An Gans und Ente kommt man kaum vorbei

Landkreis Osterholz. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise haben die Gastronomen im vergangenen Jahr deutlich zu spüren bekommen. Firmen, aber auch Privatleute gaben weitaus weniger Geld für Weihnachtsfeiern oder Familienessen an Feiertagen aus. Aber die Talsohle sei durchschritten, hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) festgestellt. Unsere Zeitung erkundigte sich bei Gastronomen in der Region, ob sie diesen Trend bestätigen können.
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An Gans und Ente kommt man kaum vorbei
Von Maren Beneke

Landkreis Osterholz. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise haben die Gastronomen im vergangenen Jahr deutlich zu spüren bekommen. Firmen, aber auch Privatleute gaben weitaus weniger Geld für Weihnachtsfeiern oder Familienessen an Feiertagen aus. Aber die Talsohle sei durchschritten, hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) festgestellt. Unsere Zeitung erkundigte sich bei Gastronomen in der Region, ob sie diesen Trend bestätigen können.

41,2 Prozent der im Dehoga-Bundesverband organisierten Unternehmen rechnen im Weihnachtsgeschäft mit höheren Umsätzen als im Vorjahr, 45,1 Prozent mit konstanten Einnahmen. "Die Advents- und Weihnachtszeit gehört für viele Gastronomen zur wichtigsten Zeit des Jahres", erklärt Dehoga-Präsident Ernst Fischer, insbesondere mit Blick auf das witterungsbedingt schlechte Sommergeschäft 2010.

Allerdings verhalten sich viele Kunden "sehr preisbewusst", wie Fischer es ausdrückt. Rund 60 Prozent der 1100 Betriebe, die die Dehoga in einer Blitzumfrage Anfang Dezember interviewt hat, vermuten, dass der durchschnittliche Umsatz pro Gast konstant bleibe. 27,5 Prozent sagten höhere Erträge voraus. Beliebt seien vor allem erlebnisorientierte Angebote wie Diner-Shows und Küchenpartys. Aber auch traditionelle Gerichte, allen voran der klassische Gänsebraten, stünden weiter hoch im Kurs.

Der Gast erwartet Tradition

Das bestätigt Ulrike Helmers vom Hotel Tivoli. "Wenn wir die traditionellen Gerichte nicht im Programm haben, bekommen wir Ärger", sagt die Assistentin der Geschäftsführung. Deswegen setze ihr Restaurant auch in diesem Jahr wieder auf eine gesunde Mischung aus Klassik und Moderne.

Im Tivoli wird den Gästen am 1. Weihnachtstag ein festliches Menü aufgetischt. Zudem gibt es zusätzlich am ersten und am zweiten Weihnachtstag ein Brunch-Angebot. "Über eine zu geringe Auslastung können wir uns nicht beklagen. Wir sind so gut wie für alle Termine ausgebucht", sagt Helmers. Nur für den zweiten Weihnachtstag gebe es noch wenige freie Restplätze. Bemerkenswert sei aber, so Helmers, dass Termine in diesem Jahr eher kurzfristig gebucht würden. "Vor fünf Jahren haben sich viele Menschen noch am Essen orientiert, heute spielt der Preis eine größere Rolle." Dennoch sei die Nachfrage besser als in 2009. "Die Stimmung ist besser", sagt Helmers. Den Grund darin sieht sie unter anderem in der langen Adventszeit und dem winterlichen Wetter.

Ähnliches weiß Kerstin Benecke von Tietjens Hütte zu berichten. Das Restaurant ist an beiden Weihnachtstagen restlos ausgebucht. Die Gäste können sich dort ihre Weihnachtsmenüs von bis zu vier Gängen aus unterschiedlichsten Speisen zusammenstellen: Neben den Klassikern Ente und Gänsebraten werden als Hauptgang unter anderem Wild oder Fisch serviert. Zum Nachtisch gibt?s karamelisierten Stollen. "Auch vor den Feiertagen werden Gans und Ente schon viel bestellt", sagt Benecke. "Das gehört eben dazu."

In Hülseberg ist Ronny Brundisch vom Restaurant "Zur alten Post" mit dem Weihnachtsgeschäft sehr zufrieden. "Ich habe keine Vergleichszahlen, weil wir hier erst am 1. Juni übernommen haben, aber die Resonanz war wirklich sehr groß." Die Adventskarte für Weihnachtsfeiern lässt Gruppen ab zehn Personen die Wahl unter anderem zwischen gespickter Rehkeule und Gänsebrust sowie Wildschweinbraten und Entenbrust. An beiden Feiertagen ist das Haus an der Dorfstraße ausgebucht.

Kritischer sieht Carsten Rohdenburg die Entwicklung. Der Kreisvorsitzende der Dehoga Osterholz hat von seinen Kollegen noch nicht viel Rückmeldung, dazu sei im Weihnachtsgeschäft auch keine Zeit übrig. "Die deutsche Restauration hat insgesamt viele Federn lassen müssen", bilanziert der Lilienthaler Hotelier, "und wir auf dem Land haben es dabei besonders schwer." Die vielen Geschäftsaufgaben sprächen eine deutliche Sprache, ältere Kollegen seien einfach müde und fänden keine Nachfolger mehr. Auch sein Kollege Kai Holthoff vom Worpsweder Bahnhof findet, da werde vieles "schöngeredet".

Beim Weihnachtsgeschäft im Hotel Rohdenburg in Trupermoor ist keine signifikante Veränderung feststellbar: "2009 war für uns besser als das Jahr zuvor, in diesem Jahr liegen wir wieder leicht unter den Vorjahres-Zahlen", sagt der Inhaber. Aber in kleineren Häusern reiche oft schon die Absage einer größeren Firmenfeier, um die Statistik nach unten ausschlagen zu lassen. "Es ist ja nie planbar, wie viele Gäste witterungsbedingt ihre Buchungen stornieren." Mit solchen Unwägbarkeiten müsse man eben leben, auch wenn es schwerfalle. "Die Zutaten sind bestellt und das Personal ist geordert." So bleibt Rohdenburg nur zu hoffen, dass ihm der Winter nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht.

Im Worpsweder Bahnhof sieht Kai Holthoff einen Trend zu leichterer Kost, auch wenn dort wie überall Gans und Ente ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen. Viele Gäste suchten aber nach vegetarischen Alternativen. Asiatische Einflüsse sowie fettarme Zubereitungen seien gefragt. Im Bahnhof verlaufe das Weihnachtsgeschäft konstant gut, sagt Holthoff, der aber weiß, dass dieser Trend nicht unbedingt repräsentativ ist. Was sich verändert habe, sei die Kurzfristigkeit der Buchungen; da müsse man heute flexibler agieren und könne weniger gut planen als früher.

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