Amtsgericht Osterholz

An ihnen führt kein Weg vorbei

An den Männern der Wachtmeisterei im Amtsgericht Osterholz führt kein Weg vorbei. Sie sind nicht nur für Kontrollen zuständig, sondern entschärfen auch brenzlige Situationen und geben Auskunft.
04.04.2018, 15:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust
An ihnen führt kein Weg vorbei

Die Justizwachtmeister Ralf Morisse und Norbert Lager (von links) transportieren den Durchsuchungsrahmen zur Kontrollstelle des Amtsgerichtes.

Armbrust

Osterholz-Scharmbeck. Mit einem lauten Klacken öffnet sich die Tür zum Hauptgebäude des Amtsgerichtes. Dahinter ist eine zweite Tür. Durch sie kommt der Besucher nur, wenn die Justizbeamten in der Wachtmeisterei ihn gründlich gemustert haben. „Präsenz zeigen“, lautet ein Grundsatz von Norbert Lager, Leiter der Wachtmeisterei.

Einen Einsatz-Gürtel mit Funkgerät, Pfefferspray, Handfessel, Teleskop-Schlagstock und Handschuhen tragen die Justizwachtmeister. Das Ganze wiegt etwa vier Kilogramm. „Zunächst geht es aber vor allem um Deeskalation durch Kommunikation im Konfliktfall“, sagt der Stellvertreter der Wachtmeisterei, Ralf Morisse. Der 52-Jährige ist außerdem Trainingsleiter und betreibt die Aus- und Fortbildung seiner Kollegen. Besonders übe er mit ihnen, mit Stress und Angst umzugehen, so der Beamte. Auch der Umgang mit Reichsbürgern und mit schwierigem Publikum muss trainiert werden. Interkulturelle Kompetenz steht ebenfalls auf dem Programm. 30 Stunden Fortbildung pro Jahr muss laut Morisse jeder Justizwachtmeister absolvieren. Einen weiteren Schwerpunkt bildet dabei die Selbstverteidigung.

„Das Spektrum unserer Arbeit ist groß“, sagt Norbert Lager. Vier Beamte und eine Angestellte kümmern sich beim Amtsgericht darum, dass die Sicherheit der Besucher, des Personals, Richter und Justizfachangestellte, wie Prozessbeteiligte gewährleistet ist. „Die Menschen sollen bei uns in Ruhe arbeiten“, ist Lager wichtig. Darüber hinaus geben die Wachtmeister Auskunft und unterstützen Besucher, die für sie richtige Anlaufstelle zu finden. In einem Haupt- und zwei Nebengebäuden verrichten Beamte und Angestellte ihre Arbeit. „Mit vier Beamten und einer Angestellten als Wachtmeister sind wir ganz gut aufgestellt“, sagt Lager.

Für die Amtsgerichte stellt das Landeskriminalamt eine Gefährdungsanalyse auf. Die Nähe zu Bremen falle dabei ins Gewicht. Nach dieser Analyse richten sich die anlassunabhängigen Einlasskontrollen. Zu den Aufgaben der Beamten gehört weiter, dass sie andere Gerichte in besonderen Fällen unterstützen. „Da kommen dann schon mal Fahrten nach Walsrode, Stolzenau, Verden, Celle und Lüneburg auf uns zu“, sagt Wachtmeister Morisse. Er und der 45-jährige Lager sind Quereinsteiger. Morisse ist gelernter Tischler, Lager gelernter Maurer.

Voraussetzung, um Justizwachtmeister zu werden, ist in Niedersachsen eine abgeschlossene Berufsausbildung. Über einen achtmonatigen Lehrgang muss sich der Anwärter qualifizieren. Am Ende steht eine theoretische wie praktische Prüfung. In der praktischen Prüfung geht es unter anderem um Selbstverteidigung. „Das ist nicht mehr so wie früher, dass wir nur Post machen“, sagt Lager. Wobei derzeit alles darauf hinauslaufe, die Post immer mehr elektronisch abzuwickeln. Zwischendurch wird nach seinen Worten immer mal wieder kontrolliert, ob nicht gefährliche Gegenstände oder Waffen wie zum Beispiel Messer mit ins Gebäude genommen werden.

Gefragt sei der Einsatz auch bei Familiensachen, weiß der Wachtmeister. Dabei handelt es sich unter anderem um Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht, Adoption oder häusliche Gewalt. „Wir mussten beispielsweise bei einer Scheidung präsent sein, weil der Noch-Ehemann mit einem Säureanschlag gedroht hatte“, erinnert sich Lager. „Da liegen manchmal die Nerven blank.“

Hin und wieder haben Jugendliche beim Amtsgericht Sozialstunden abzuleisten. Die müssen dabei von den Wachtmeistern beaufsichtigt werden. In gewissen Abständen stellen die Beamten den Durchsuchungsrahmen auf. Damit sollen mögliche Gefahrenquellen eingeschränkt werden. „In Nordrhein-Westfalen sind inzwischen in jedem Amtsgericht generelle Einlasskontrollen mit Durchsuchungsrahmen und Taschenscanner üblich“, sagt Lager. Wachtmeister blieben nicht von gefährlichen Angriffen verschont. Morisse erinnert sich an einen Fall im Februar 2009. „Da drang morgens ein Schuldner mit einem Kuhfuß in die Wache ein. Er zertrümmerte zwei Sicherheitsglastüren, drang in die Wache ein und versuchte auf mich loszugehen.“ Mit Pfefferspray und beherzten Zupacken gelang es ihm, den Mann außer Gefecht zu setzen und dingfest zu machen.

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