Christian Haake erhält Paula-Modersohn-Becker-Preis / Sonderpreis für Splettstößer Annäherungen an die Realität

Landkreis Osterholz. Das Spiel von wirklicher und erinnerter Realität hat die Jury bei der Verleihung des "Paula Modersohn-Becker Kunstpreises" überzeugt. Die Auszeichnung war vom Landkreis Osterholz ausgelobt worden und wurde gestern in dieser Form erstmalig vergeben. Der Hauptpreis ging an Christian Haake, der Nachwuchspreis an Johann Büsen. Als Sonderpreisträger wurde der Worpsweder Künstler Peter-Jörg Splettstößer gewürdigt, der ab 12. Dezember seine Werke im Barkenhoff zeigen wird.
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Von Cornelia Hagenah

Landkreis Osterholz. Das Spiel von wirklicher und erinnerter Realität hat die Jury bei der Verleihung des "Paula Modersohn-Becker Kunstpreises" überzeugt. Die Auszeichnung war vom Landkreis Osterholz ausgelobt worden und wurde gestern in dieser Form erstmalig vergeben. Der Hauptpreis ging an Christian Haake, der Nachwuchspreis an Johann Büsen. Als Sonderpreisträger wurde der Worpsweder Künstler Peter-Jörg Splettstößer gewürdigt, der ab 12. Dezember seine Werke im Barkenhoff zeigen wird.

In der Großen Kunstschau in Worpswede gab Landrat Dr. Jörg Mielke gestern die Preisträger des Kunstpreises bekannt, der aus drei Einzel-Auszeichnungen besteht. Nach der Preisverleihung begaben sich die geladenen Gäste in die Worpsweder Kunsthalle, um sich die Werke der 16 Künstler anzusehen, die sich für die Endrunde qualifiziert hatten; Kuratorin Susanne Hinrichs führte dort durch die Ausstellung.

Auch für aufmerksame Ausstellungsbesucher ist es nicht ganz einfach, die Installation von Christian Haake sofort zu entdecken. Muss der Kunstinteressierte doch zuerst seinen Blick in die Höhe zu einem Oberlicht richten: Zwischen Staubkörnern zappelt eine Motte, die - dort gefangen - um ihr Überleben zu ringen scheint. Was als scheinbar reale Situation anmutet, ist Teil eines Kunstwerks, und auch die Motte ist kein lebendiges Tier, sondern mit Hilfe von Computertechnik inszeniert.

Für Christian Haake, der gleich mit zwei Werken in der Ausstellung in der Worpsweder Kunsthalle vertreten ist, spielen die Räume, in denen er seine Kunst positioniert, eine wesentliche Rolle. Besonders sei ihm die wohnliche Atmosphäre des Hauses aufgefallen. Die Idee, Bewegung und Leben in einem Oberlicht für seine Kunst zu nutzen, hat Haake schon immer interessiert. "Die größtmögliche Annäherung an die Wirklichkeit ist mein Ziel", so Haake.

Anlass und Inspiration für seine Kunst gewinnt er aus einer vorgefundenen Situation. So auch bei seinem zweiten Werk, in dem er das berühmte Bild von Carl Spitzweg "Der arme Poet" als kleinen dreidimensionalen Raum nachbaut. Jedoch verzichtet darauf, den Namensgeber zu zeigen. "Mit Spitzwegs Bild, das eigentlich jeder kennt, wird ein Bild vom armen und mittellosen Künstler transportiert", sagt Haake und spielt mit seinem Titel "Der gefangene Floh" auf die Handhaltung des hier nicht vorhandenen Dichters an.

Inspiriert vom World Wide Web

Haake, der in Bremerhaven geboren wurde und in Bremen zunächst Kunstwissenschaft, Philosophie und später Freie Kunst studierte, freut sich über den mit 7500 Euro dotierten Kunstpreis ebenso wie Johann Büsen. Für Büsen ist die virtuelle Welt des World Wide Web eine unerschöpfliche Quelle an immer neuem Bildmaterial.

Auf seinem Computer speichert er unablässig Motive für seine per Digitaldruck entstandenen Bildwelten. Sein Bilderkosmos setzt sich aus Bildfragmenten, Comics, Zeitungsartikeln und Kunstzitaten zusammen. In der Ausführung wird der Betrachter oft an den Siebdruck erinnert. "Die per Digitaldruck entstandenen Werke sind allerdings Unikate", sagt der Nachwuchspreisträger.

Johann Büsen hat Anfang dieses Jahres sein Kunststudium in Bremen beendet und wohnt seit kurzem in Berlin. Die Jury empfand das sein Werk als einfallsreich, technisch brillant und ungewöhnlich; der Künstler habe großes Potenzial, sich innerhalb der vielfältigen Kunstlandschaft durchzusetzen, heißt es in der Urteilsbegründung.

Der für den Sonderpreis nominierte Peter-Jörg Splettstößer wurde von der Jury wegen seiner Kontinuität und hohen künstlerischen Qualität ausgewählt. "Eine Wahnsinnsgeschichte", meint der Worpsweder Künstler, der lange Zeit auf dem Barkenhof gelebt hat und während der Ausstellungsdauer dort auch wieder wohnen wird. Vernissage ist am Sonntag, 12. Dezember.

Bei den Ausstellungsbesuchern fanden gestern jedoch nicht nur der Werke der drei Preisträger Anklang. Die Vielfalt der künstlerischen Positionen überzeugte ebenso wie die Eigenständigkeit der Künstler, die formenreich und vielfältig ein Stück zeitgenössische Kunst auf hohem Niveau sichtbar machen - ähnlich wie es die Namensgeberin des Preises, Paula Modersohn-Becker, in ihrer Kunst getan hat, deren eigenständige künstlerische Haltung hier als Referenz zitiert wird.

In der Worpsweder Kunsthalle sind die Werke des Paula-Modersohn-Becker-Kunstpreises bis 30. Januar zu besichtigen.

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