Landkreis eröffnet Musterhaus in der Kreisstadt / Handwerker und Sponsoren zeigen Umbaumöglichkeiten

Anschauungsobjekt fürs Wohnen im Alter

Mit Türbreite und Treppenlift, mit Rampen und Schwellen sollten sich Haus- und Wohnungseigentümer befassen, so lange sie noch gut zu Fuß sind. Dieser Gedanke steckt in der Einrichtung des Musterhauses "Wohnen mit Zukunft", das gestern eingeweiht wurde.
03.07.2013, 05:00
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Anschauungsobjekt fürs Wohnen im Alter
Von Bernhard Komesker
Anschauungsobjekt fürs Wohnen im Alter

Sophia Bertram auf dem Treppenlift im neuen Musterhaus hat den sogenannten Ageman-Overall angezogen. Wer ihn trägt, spürt am eigenen Leibe die körperlichen Einschränkungen, mit denen sich Menschen im Alter oft früher oder später konfrontiert sehen.

Fotos: Christian Valek

Mit Türbreite und Treppenlift, mit Rampen und Schwellen sollten sich Haus- und Wohnungseigentümer befassen, so lange sie noch gut zu Fuß sind. Dieser Gedanke steckt in der Einrichtung des Musterhauses "Wohnen mit Zukunft", das gestern eingeweiht wurde.

Landkreis Osterholz. Bahnhofstraße 51a in 27711 Osterholz-Scharmbeck: Das ist die Postanschrift für das neue Musterhaus "Wohnen mit Zukunft", das der Landkreis Osterholz gestern eingeweiht hat. Vertreter aus Politik und Verwaltung, Handwerk und Seniorenarbeit stießen mit Förderern und Sponsoren auf die neue Einrichtung an, die als Anschauungsobjekt für altersgerechten Wohnungsumbau dienen soll.

"Es ist ein Haus der Möglichkeiten", sagte die Erste Kreisrätin Heike Schumacher. Das Ausstellungsgebäude sei nicht von oben bis unten bezugsfertig und nach High-Tech-Maßstäben ausgerüstet worden; vielmehr beherberge es alltagsnahe Einrichtungsvarianten, die sich in Haus und Garten auch schrittweise umsetzen ließen – je nach Anspruch und Bedürfnis. Ein Teil der Immobilie befindet sich auch im nicht-barrierefreien Ursprungszustand. Dies solle das Vorstellungsvermögen der Besucher anregen; von Bauweise und Baujahr her gebe es kreisweit viele vergleichbare Häuser, die noch auf einen Umbau warten. "Das Projekt ist für uns nicht zu Ende", betonte die Verwaltungschefin.

Künftig mittwochs geöffnet

Ziel sollte es sein, so der stellvertretende Landrat, Professor Tim Jesgarzewski, dass man auch mit Einschränkung und Handicap in der angestammten Umgebung wohnen bleiben kann, solange man will. Das Haus sei dazu ein Musterbeispiel. Künftig sollen dort eigens geschulte, ehrenamtliche Wohnberater Jung und Alt mit entsprechenden Tipps und Anregungen versorgen: mittwochs von 16 bis 18 Uhr.

Nikolaus Teves, Geschäftsführer der Handwerkskammer Mannheim, bekräftigte: "Es ist wichtig, sich rechtzeitig mit der Frage zu befassen, ob die eigenen vier Wände für den Lebensabend eingerichtet sind." Die Kammer in Baden-Württemberg schult im Auftrag des Bundes die Wohnberater in Deutschland; etwa 800 sind es bisher, davon 15 im Kreisgebiet.

Nachdem der Landkreis mit dem Musterhaus-Projekt einen Bundeswettbewerb gewonnen hatte, konnte die Kreissparkasse überzeugt werden, das Gebäude gleich beim Hauptsitz mietfrei zu überlassen. Vom Preisgeld des Bundesfamilienministeriums (50000 Euro) sowie mit weiteren Zuschüssen von Bausparkasse und Kreditinstitut wurde das Arbeitsmaterial finanziert, das 17 Handwerksfirmen nach den Vorgaben von vier ehrenamtlichen Architekten unentgeltlich verbaut haben. Die Details werden in einer 30-seitigen Dokumentation erläutert, die im Musterhaus ausliegt.

Für die Betriebe ist das Gebäude nun so etwas wie eine Visitenkarte zum Eintritt in neue Arbeitsfelder, so der Geschäftsführer der Kreishanderkerschaft, Eginhard Engelke. "Es muss gar nicht immer gleich perfekt und kostspielig sein", sagte er. Das Handwerk biete das Know-how, die Technologie und die Qualität.

Lothar Busch vom Landes-Sozialministerium zeigte sich erfreut, dass in der Kreisstadt "ein Projekt zum Anfassen" entstanden ist. Buschs Abteilung befasst sich mit der Städte- und Wohnungsbauförderung sowie dem Wohngeld. Gerade Umbauten im Bestand seien mit Blick auf den demografischen Wandel ein Zukunftsthema, so der Mann aus Hannover.

Sparkassen-Vorstand Werner Hampel bekannte, zunächst habe man das Haus abreißen lassen wollen. Inzwischen sei er froh, dass sich die Schaffung neuer Parkplätze als unwirtschaftlich erwiesen habe. So konnte ihn der Landkreis überzeugen, den komplizierteren Weg zu wählen. Besichtigungstermine können ab sofort bei der Beschäftigungsgesellschaft Pro-Arbeit unter Telefon 04791/930343 vereinbart werden, die auf der anderen Straßenseite ansässig ist. Am Sonntag, 7. Juli, findet von 10 bis 18 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Dann kann auch der Alterssimulationsanzug "Ageman" ausprobiert werden und es wird über die Vortragsreihe informiert, die fürs zweite Halbjahr 2013 geplant ist. Da geht es dann um Hausnotrufsysteme oder Finanzierungsfragen, um Pflege, Demenz oder handwerklich-technische Lösungen. Näheres im Internet unter www.landkreis-osterholz.de/musterhaus.

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