Beverstedt macht Abflussrohre zum Regenwasserkanal dicht / 23 Grundstückseigentümer betroffen Appelner Sammelgruben müssen künftig abgepumpt werden

Appeln. Die Gemeinde Beverstedt wird die Abflussrohre aus Appelner Kleinkläranlagen (KKA) in den Regenwasserkanal ab Ende März dicht setzen. Die betroffenen Haushalte müssen dann ihre zu abflusslosen Sammelgruben umfunktionierten Kleinkläranlagen abpumpen lassen und einer Abwasserreinigung zuführen.
05.03.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Luise Bär

Die Gemeinde Beverstedt wird die Abflussrohre aus Appelner Kleinkläranlagen (KKA) in den Regenwasserkanal ab Ende März dicht setzen. Die betroffenen Haushalte müssen dann ihre zu abflusslosen Sammelgruben umfunktionierten Kleinkläranlagen abpumpen lassen und einer Abwasserreinigung zuführen. Ein entsprechendes Schreiben der Beverstedter Verwaltung haben die 23 betroffenen Grundstückseigentümer erhalten.

Vor über eineinhalb Jahren stellte die Wasserbehörde des Landkreises Cuxhaven Nitritwerte im Appelner Dorfgraben fest. Als „Verursacher“ wurde der einmündende Regenwasserkanal aus der Ortschaft fest gestellt, den auch ein Teil der Appelner Haushalte als Ablauf aus ihren Kleinkläranlagen nutzen.

Der Landkreis reagierte prompt und verschloss den Dorfgraben mit einem Damm, damit das verunreinigte Wasser nicht weiter in die Lune fließt und die Gewässergüte negativ beeinflusst. Seitdem pumpt die Gemeinde das Wasser ab und lässt es zur Reinigung in das zentrale Klärwerk fahren. Kein Zustand auf Dauer, weder zu finanzieren noch ökologisch sinnvoll, hatte Bürgermeister Ulf Voigts (parteilos) noch einmal in seinem Anschreiben an die Appelner betont. Bei Regenfällen entstehen Kosten von rund 30 000 Euro pro Monat.

Die Gemeinde hatte die in der Vergangenheit gemachten „Zusagen und Zustimmungen“ für die Einleitung in den Regenwasserkanal bereits zum 31. Dezember 2014 auf gehoben und die Bewohner aufgefordert, den Kleinkläranlagen-Abfluss bis dahin zu verschließen. Nun soll die bisher nicht befolgte Aufforderung in die Tat um gesetzt werden. Damit solle geklärt werden, ob das Abwasser aus den Kleinkläranlagen wirklich die Ursache der Verschmutzung sei, teilte Voigts den Appelner in seinem Schreiben mit. Erst danach solle über einen Anschluss an die zentrale Kläranlage oder andere Alternativen entschieden werden.

Ein „Abklemmen“ der privaten Einleiter und Ursachenforschung fordert auch die SPD / Grünen / Dieck-Gruppe im Rat, allerdings begrenzt auf zwei Monate. Der Umweltausschuss hatte im Sommer des vergangenen Jahres einen Kanalanschluss (Kosten: 1,7 Millionen Euro) für alle Appelner als „sinnvollste Lösung“ befürwortet und vorsorglich für dieses Jahr die Finanzmittel in den Haushalt eingestellt. Im Moment sei die Meinungslage in der Politik so einzuschätzen, dass es keinen Kanal geben werde, äußerte sich Voigts.

Das entspricht der Meinung der Appelner, die weiterhin auf eine dezentrale Abwasserentsorgung setzen. Kürzlich hatte ein Ingenieurbüro ein von der Gemeinde beauftragtes Gutachten vor gestellt, nach dem es in Appeln genügend geeignete Flächen für Versickerung des Abwassers gebe. Dazu müssten die Haushalte mehrere anzulegenden Versickerungsmulden gemeinsam betreiben (wir berichteten).

Die Dorfgemeinschaft, die sich in einem Arbeitskreis Abwasser (AKA) zusammen geschlossen hat und demnächst einen Verein gründen will, ist über das „Diktat des Bürgermeisters“ überrascht und verärgert. Das sei ein Affront gegen die Appelner Bürger. Sie hatten auf eine Einleitungsverlängerung bis zum Jahresende gehofft. Bis zum Monatsende seien machbare Alternativen nicht um zu setzen und den Bürgern würden weitere Kosten „auf gedrückt“. Die Reinigung und Abfuhr in die zentrale Kläranlage wird mit rund 51 Euro pro Kubikmeter berechnet.

Das gemeindliche Ziel, ohne diese Einleitungen die vorgeschriebenen Werte für die Regenwassereinleitung einzuhalten, werde nicht erreicht werden, vermuten die Sprecher aus dem Appelner Arbeitskreis. Dann müsse die Gemeinde das Regenwasser auch weiterhin abfahren – auf ihre Kosten.

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