Schutz von Bodendenkmalen im Landkreis Osterholz

Archäologin berät den Kreis für vier weitere Jahre

Landkreis Osterholz. Seit 2006 berät die Diplom-Archäologin Meike Mittmann den Landkreis Osterholz ehrenamtlich in allen Fragen rund um den Schutz von Bodendenkmalen. Mittmann wird nun vier weitere Jahre die hauptamtliche Denkmalschützerin Katharina Specht unterstützen.
08.09.2010, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Rode

Landkreis Osterholz. In unmittelbarer Nähe zum Hünengrab in Osterholz-Scharmbeck ist vor einiger Zeit ein altes Haus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt worden. Als die Pläne dafür bekannt wurden, klingelten in der Unteren Denkmalschutzbehörde im Kreishaus die Alarmglocken. Sogar der Landesarchäologe rückte an, um nachzusehen, ob in direkter Nachbarschaft zur Grabstelle wertvolle Funde aus der Jungsteinzeit im Boden schlummern. Nach intensiver Begutachtung gab es Entwarnung: Die Fachleute fanden nichts, die Bauarbeiten konnten wie geplant voranschreiten.

Mit Fällen wie diesen befasst sich auch Meike Mittmann: Seit 2006 berät die Diplom-Archäologin den Landkreis Osterholz ehrenamtlich in allen Fragen rund um den Schutz von Bodendenkmalen, zu denen Wurthen, Deiche, Spuren alter Siedlungen aber auch Großsteingräber gehören. Mittmann unterstützt die hauptamtliche Denkmalschützerin Katharina Specht in ihrer täglichen Arbeit. Und das hat sie offenbar so zur Zufriedenheit aller Beteiligten getan, dass der Landkreis ihr ehrenamtliches Engagement nun um vier Jahre verlängert hat.

Denn um in dieser Form beraten zu dürfen, muss man vom Landkreis zur Wahrnehmung der Aufgaben offiziell bestellt werden. Für ihre Arbeit erhält die Fachfrau für Bodendenkmale eine Aufwandsentschädigung, die vom Land bezahlt wird. 'Eine hauptamtliche Kraft könnten wir uns nicht leisten', sagt Kreisdezernent Richard Eckermann.

'Bodendenkmale wirken auf den ersten Blick oft unspektakulär. Manchmal sind es nur Verfärbungen im Boden, die auf eine ehemalige Siedlung oder ein einzelnes Gebäude hinweisen. Diese Hinweise muss man erkennen und deuten können', berichtet Katharina Specht, die im Bauordnungsamt für den Denkmalschutz zuständig ist.

Meike Mittmann und Katharina Specht werden zum Beispiel aktiv, wenn Neubauten geplant sind und in diesem Bereich Funde aus der Vergangenheit zu erwarten sind. Bei der Einschätzung der Lage helfen den beiden Frauen das Kartenmaterial und die Informationen, die über ein spezielles Computer-Programm zur Verfügung gestellt werden. Dort sind alle Bodendenkmale im Landkreis Osterholz verzeichnet. Liegt ein geplantes großflächiges Neubauvorhaben wie eine Biogasanlage in der Nähe, gucken sich Meike Mittmann und Katharina Specht das Gelände an, ehe es ein Bagger zerwühlt. Niemand muss fürchten, dass dabei die Baustelle für Tage lahm gelegt wird.

Wenn Bodenarbeiten ohnehin anstehen, nutzen die Archälogin und die Denkmalpflegerin die Gelegenheit, einen Blick auf die Schichten unterhalb des Mutterbodens zu werfen. Das reicht für eine Einschätzung oft schon aus. Eine Grube von drei Metern Tiefe, so versichert Mittmann, muss jedenfalls nicht ausgehoben werden.

Es geht ums Bewahren

Mittmann und Specht wollen verhindern, dass wertvolle Zeugnisse der Vergangenheit für immer zerstört werden. Dabei setzen sie auf das Einvernehmen mit dem jeweiligen Bauherren. So kann im Zweifel gemeinsam überlegt werden, ob die geplante Biogasanlage nicht einige Meter entfernt errichtet werden kann, um so ein wertvolles Bodendenkmal zu schützen.

Nach den Erfahrungen von Meike Mittmann und Katahrina Specht sind die Bauherren in der Regel sehr daran interessiert, mehr über das Bodendenkmal auf ihrem Grundstück zu erfahren. Und auch umgekehrt sind die Gespräche mit den Eigentümern oft aufschlussreich für die Denkmalpflege: 'Gerade die Landwirte, denen die Flächen seit Generationen gehören, wissen viel über die Besonderheiten, Veränderungen und die möglichen Fundstellen', berichtet Meike Mittmann.

Anders als vielleicht vermutet geht es den Archäologen nicht darum, die alten Tonscherben, Siedlungsreste oder sonstige uralte Überbleibsel aus dem Boden herauszuholen. 'Alles, was sich im Boden befindet, gilt es zu schützen. Es geht ums Bewahren. Nur notfalls wird gegraben', berichtet Meike Mittmann.

Wer Fragen zum Denkmalschutz hat oder Hinweise auf Bodendenmale und Fundstücke loswerden möchte, kann sich an Katharina Specht von der Unteren Denkmalschutzbehörde wenden. Die Telefonnummer lautet 04791/930233.

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