Die Tarmstedter Autorin Grete Hoops legt ihr 13. Buch vor / Glossar mit 300 Vokabeln

Auch das Plattdeutsche geht mit der Zeit

Keine Frage, die plattdeutsche Sprache gehört zu den großen Leidenschaften von Grete Hoops. Unter dem Titel „Kiek wiet, snack platt un höög Di“ ist jetzt das 13.
29.10.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Keine Frage, die plattdeutsche Sprache gehört zu den großen Leidenschaften von Grete Hoops. Unter dem Titel „Kiek wiet, snack platt un höög Di“ ist jetzt das 13. Büchlein der Tarmstedter Autorin erschienen. Johannes Heeg sprach mit ihr.

Frau Hoops, schon wieder ein Buch von Ihnen?

Grete Hoops: Ja, es gibt so vieles zu erzählen. Auch im neuen Buch sind wieder Geschichten enthalten, die mir zugetragen wurden. Diesmal sind zwei Döntjes von meinem Vater dabei.

Hat er ihnen die Geschichten selber erzählt, als sie klein waren?

Nein, ein Mann aus der Samtgemeinde Tarmstedt hat sie mir erzählt. Neulich erst, vor einem halben Jahr. Er ist etwa so alt wie ich und hatte beruflich mit meinem Vater zu tun.

Wie immer schreiben Sie auf plattdeutsch. Warum?

Plattdeutsch ist meine Muttersprache. Es ist eine schöne Sprache, weich und warm. Als ich in der einklassigen Schule in Ostertimke eingeschult wurde, konnten die anderen sieben Kinder auch kein Hochdeutsch. Wir haben uns prima verstanden. Plattdeutsch ist für mich ein Stück Kultur, und ich möchte, dass die Sprache erhalten bleibt. Man kann manches auf plattdeutsch deftiger ausdrücken, ohne dass es gleich verletzend wirkt.

Wenn man die Geschichten im neuen Buch liest, fällt auf, dass durchaus hochdeutsche Begriffe vorkommen. Zum Beispiel das Wort Busen. Dabei gibt es doch für die weibliche Brust die wunderbare Übersetzung Böskasten.

Das stimmt. Der Busen kommt in dem Gedicht „Dat Klassendrepen“ vor. Die hochdeutsche Version habe ich hier verwendet, weil mir damit das Reimen leichter gefallen ist. Mit Böskasten hätte ich mich mehr anstrengen müssen. Das liegt an den vielen Selbstlauten und Umlauten, die fürs Plattdeutsche typisch sind.

Ist es so, dass sich die plattdeutsche Sprache mit technischen Errungenschaften unserer Zeit schwer tut?

Nicht unbedingt. Es gibt ganz tolle Übersetzungen, denken Sie nur an den „Huulbessen“ für Staubsauger. Oder den „Klöterkasten“ fürs Telefon. Ihren Fernsehapparat nennen manche „Kiekschap“, und das Handy heißt in manchen Familien „Ackerschnacker“. Ich habe auch schon plattdeutsche Wörter erfunden.

Sicherheitshalber enthält Ihr Buch ein Glossar mit Übersetzungen.

Wat de Wöör bedüürt sollen die Leser schon wissen. Diesmal habe ich etwa 300 Wörter erklärt, die in den Texten vorkommen. Ich habe diesmal viele Redewendungen eingebaut, die man nicht mehr so oft hört. Bei meinen Lesungen kommen immer mal Nachfragen, was das eine oder andere Wort bedeutet.

Plattdeutsch wird doch in jedem Dorf anders gesprochen. Woher wissen Sie, wie die Wörter geschrieben werden?

Die Texte müssen lesbar sein. Ich verwende die Version, die in Tarmstedt üblich ist. In der Tat gibt es feine Unterschiede: Für „wir“ sagen die Tarmstedter „wi“, im acht Kilometer entfernten Ostertimke hingegen heißt es „we“.

Genau wie im Englischen.

Richtig. Daran sieht man wieder, dass es Kindern absolut nicht schadet, Plattdeutsch zu lernen. Im Gegenteil, es erleichtert ihnen das Erlernen von Fremdsprachen.

Werden Sie denn oft in Schulen und Kindergärten eingeladen?

Nicht sehr oft, leider. Das Interesse dieser Einrichtungen hält sich in Grenzen. Früher war das anders.

Wer bekommt Ihre Geschichten als erster zu sehen?

Mein Sohn Peter, der kann perfekt platt und sagt mir, wenn etwas unrund klingt oder unverständlich ist. Dann habe ich eine liebe Nachbarin, die meine mit Kugelschreiber auf Papier gekritzelten Döntjes in den Computer eintippt. Auch sie sagt mir, wenn Stellen unklar oder unvollständig sind, obwohl sie nicht plattdeutsch spricht. Sie kann die Sprache aber lesen und verstehen.

Ihr 14. Buch ist schon in Arbeit?

Jedes Mal, wenn ein Buch von mir erscheint, sage ich, das ist das letzte. Aber ich mache mir ständig Notizen, wenn ich lustige oder auch nachdenkliche Geschichten höre oder wenn mir interessante Gedanken durch den Kopf gehen. Manchmal wache ich sogar nachts davon auf. Daher habe ich immer Stift und Zettel griffbereit.

Zur Person: Grete Hoops (79) veröffentlicht seit 2001 Bücher mit plattdeutschen Geschichten. Die gelernte Hauswirtschafterin stammt aus Ostertimke und lebt seit 1963 in Tarmstedt.

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