Grünes Licht für Edeka-Bau in Lilienthal Auch die Fledermäuse werden versorgt

Investor Siegfried Schausberger kann am Jan-Reiners-Weg in Lilienthal einen größeren Edeka-Markt bauen. Er muss aber für die dort lebenden Fledermäuse ein neues Jagdrevier in der Nähe schaffen.
25.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke

Investor Siegfried Schausberger kann am Jan-Reiners-Weg in Lilienthal einen größeren Edeka-Markt bauen. Er muss aber für die dort lebenden Fledermäuse ein neues Jagdrevier in der Nähe schaffen.

Wer hätte das gedacht? Auf den Wiesen hinter dem Jan-Reiners-Weg und dem alten Aktivmarkt weiden in wärmeren Jahreszeiten nicht nur Schafe. Fünf Fledermausarten jagen dort nach Nahrung, Langohr und Abendsegler, Zwergfledermäuse und zwei Arten, die auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten stehen: Rauhhaut- und Breitflügelfledermäuse.

Die Neubau-Pläne von Siegfried Schausberger gefährdet das nicht. Er kann den neuen größeren und moderneren Edeka-Markt wohl bauen, muss aber in der Nähe ein neues Jagdrevier für Fledermäuse schaffen. Im Bauausschuss legten die Politiker dem Investor keine Steine in den Weg. Einstimmig votierten sie am Dienstagabend für das neue Edeka-Center an der Falkenberger Landstraße.

2900 Quadratmeter, Bäckerei und Shops

Ein Vollsortimenter ist der frühere Aktivmarkt am Rand des Lilienthaler Zentrums jetzt schon, er spielt eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs. Eine entsprechend hohe Bedeutung schreiben Fachgutachter dem geplanten Neubau zu: Es gehe darum, den Standort langfristig zu sichern, betonen die Wirtschaftsexperten. 2400 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet der alte Markt. Der neue Verbrauchermarkt, der an den hinteren Rand des heutigen Betriebsgeländes rücken soll, wird 2900 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten, dazu eine Bäckerei auf 150 Quadratmetern und andere Shops auf 200 Quadratmetern.

Die Fassade des 50 Meter langen und 9,50 Meter hohen Edeka-Centers wird auf dem hinteren Streifen des heutigen Parkplatzes aufragen. Dahinter wird sich der neue Markt über den Jan-Reiners-Weg hinaus ins Wiesengelände dehnen. Dafür muss der viel befahrene Radweg verschwenkt werden: Er knickt vor dem Verbrauchermarkt ab und führt hinten am Neubau vorbei, in einem Abstand von zwei Metern.

Das sei das Mindeste, forderte der Grüne Jörg Flömer. „Ein Radweg direkt an der Hauswand, das geht gar nicht.“ Auch müsse der Jan-Reiners-Weg so breit bleiben wie er jetzt sei. Der CDU-Politiker Axel Miesner, der den Vorsitz im Bauausschuss führt, pflichtete Flömer bei. Beides steht schon im Bebauungsplan für das neue Edeka-Center: Die zwei Meter Abstand sind darin ebenso festgeschrieben wie die drei Meter Breite für den beliebten Fuß- und Radweg.

Der Jan-Reiners-Weg sei ein sehr stark genutzter Weg und dazu Schulweg für Kinder und Jugendliche, argumentierte Flömer. Vor dem Bau des Marktes müsse der Jan-Reiners-Weg fertig sein, damit die Radler während der Bauphase nicht quer über den Parkplatz zur Falkenberger Landstraße kurven müssten. Stephen Riemenschneider, Fachbereichsleiter für Baudienste im Rathaus, will mit dem Investor darüber reden. Der Sozialdemokrat Kurt Klepsch plädierte für „eine nette öffentliche Toilette“ im neuen Edeka-Markt. Das Klo müsse während der Öffnungszeiten auch Nichtkunden offen stehen, forderte Klepsch. Denn öffentliche Toiletten seien rar in Lilienthal. Auch darüber will Riemenschneider mit dem Investor reden.

Alter Aktiv-Markt wird abgerissen

Den Bebauungsplan-Entwurf fürs Edeka-Center hat das Bremer Institut für Stadt- und Raumplanung (Instara) vorgelegt. In der Bauausschusssitzung im Rathaussaal informierte die Planerin Susanne Thein die Politiker über das Konzept. Der alte Aktiv-Markt soll abgerissen werden. Das würde mehr Platz für Autos bedeuten. Die Zahl der Stellplätze soll von 140 auf 180 erhöht werden. Es wären noch deutlich mehr drin gewesen, doch enge Parklücken soll es nicht mehr geben. „Sehr breit“ würden die neuen Stellplätze, erklärte Thein, 2,70 bis 2,85 Meter.

Für die Erweiterungsfläche müssen 25 Bäume gefällt werden. Also muss Schausberger als Ausgleich 25 neue pflanzen. Die will er auf das Parkgelände setzen. Das macht sich optisch gut und sorgt im Sommer für Schatten. Ein breiter Fußweg soll von der Falkenberger Landstraße mit der Straßenbahnhaltestelle über den Parkplatz zum Eingang des Edeka-Centers führen. Die Ein- und Ausfahrt bleibt wo sie ist. Sie reicht nach den Berechnungen der Experten auch bei steigenden Kundenzahlen aus.

Beidseitig begrünte Schallschutzwände sollen Nachbarhäuser vor hohen Lärmbelastungen bewahren. Eingrünen muss der Investor auch die neue Trasse des Jan-Reiners-Wegs mit einer Hecke. Dazu sollen alle paar Meter Laubbäume gepflanzt werden. Ob man denn die Fledermäuse so einfach umquartieren und ihr Jagdgebiet verlegen könne, wollte der Querdenker Claus Tietjen wissen. Das sei möglich, antwortete die Planerin Susanne Thein, jedenfalls nach den Aussagen des Fledermaus-Gutachtens von Fachleuten. Ein Obstbaum mit mehreren Höhlen bleibt auf dem Wiesengrund stehen, in der näheren Umgebung sollen neue Bäume, Hecken und Gehölze den Eingriff in den Lebensraum der nachtaktiven Jäger kompensieren.

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