Lilienthal und Worpswede Auf dem Weg zur Kinderfeuerwehr

Lilienthal·Worpswede. Seinen zehnten Geburtstag hatte Christof Renken sehnlichst erwartet. Er beneidete den älteren Bruder um dessen Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr. Zehn Jahre ist dort das Aufnahmealter.
16.02.2010, 06:00
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Auf dem Weg zur Kinderfeuerwehr
Von Undine Zeidler

Lilienthal·Worpswede. Seinen zehnten Geburtstag hatte Christof Renken sehnlichst erwartet. Er beneidete den älteren Bruder um dessen Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr. Zehn Jahre ist dort das Aufnahmealter. Und, so erzählt Renken, noch an seinem Geburtstag sei er zum ersten Mal bei der Jugendfeuerwehr gewesen. Heute ist er immer noch Feuer und Flamme für den Brandschutz - nach 25 Jahren. Als Kreisjugendfeuerwehrwart setzt er sich für die Gründung von Kinderfeuerwehren ein.

309 Gruppen dieser Art gibt es laut Renken bereits in Niedersachsen. Der Landkreis Osterholz ist allerdings noch einer weißer Fleck auf der Landkarte. Das soll sich ändern. In Worpswede und Lilienthal stehen die Chancen laut Renken gut, noch in diesem Jahr bei den Ortsfeuerwehren Kinderabteilungen einzurichten. Dann müssen Kinder nicht mehr bis zu ihrem zehnten Geburtstag ausharren, um in die Feuerwehrwelt einzutreten. Ab sechs Jahren können sich Mädchen und Jungen der Feuerwehr und ihrer Arbeit spielerisch nähern. 'Miteinander als Gruppe Spaß haben' - so formuliert Renken das Ziel.

Nun resultiert sein Antrieb, sich für diese neue Form der Feuerwehr-Nachwuchsarbeit einzusetzen, weniger aus der eigenen Biografie als aus den bisherigen Erfahrungen mit der erfolgreichen Nachwuchsarbeit der Jugendfeuerwehren. Aus deren Reihen gehen nach Renkens Worten inzwischen die meisten späteren Kameraden der aktiven Wehren hervor. In Worpswede seien das gegenwärtig 40 von 49 Kameraden, sagt er.

Ohne den Nachwuchs sei 'das System der Freiwilligen Feuerwehr in der heutigen Struktur und Leistungsfähigkeit' gefährdet, fürchtet Renken. Die Nachwuchsprobleme bei der Jugend resultieren für ihn aus dem vielfältigeren Freizeitangebot, einem allgemeinen Interessenwandel und dem zunehmenden Leistungsdruck in den Schulen. Daher sei es sinnvoll, bereits jüngere Kinder, die noch relativ frei davon sind, für die Feuerwehr zu begeistern. Zumal bei den Fünf- bis Sechsjährigen noch der 'Blaulicht-Faktor' wirkt: Feuerwehrautos finden sie spannend und der Feuerwehrmann ist ein gefragter Berufswunsch.

Der Spaß soll für die Jüngsten im Vordergrund stehen, vermittelt durch Spielen, Basteln, Laternelaufen, Theateraufführungen und Ausflüge. All das lasse sich gut mit der Brandschutzerziehung verbinden. 'Was ist Feuer? Wie lösche ich das? Wie setze ich einen Notruf ab?" Das können laut Renken bereits Grundschulkinder lernen. Ein Blick nach Lüchow-Dannenberg bestätigt den Kreisjugendfeuerwehrwart in seiner Annahme. Dort hätten die Feuerwehren 'durchweg gute Erfahrungen' mit Kinderabteilungen gemacht, erzählt er. Von deren Wissen wollen die Worpsweder und Lilienthaler sich einiges abgucken.

'Die Feuerwehr ist die ganz klare Pflichtaufgabe der Gemeinde", sagt Renken. Die Wehren sind darum den Gemeinden unterstellt. Und es werde noch eine Satzungsänderung als Verwaltungsakt benötigt, bevor die Kinderfeuerwehren starten könnten. Dies soll nach Renkens Angaben zügig geschehen. Gruppenleiter werden noch gesucht. In Worpswede gebe es schon drei Interessenten, sagt er. Nach Renkens Vorstellungen könnte das jemand sein, der ein Gefühl für Kinder hat oder eine entsprechende berufliche Qualifikation mitbringt und dazu das notwendige 'Fingerspitzengefühl". Feuerwehrintern werden für die Leiter schon Ausbildungsseminare angeboten. Der Begriff Kinderfeuerwehr ist laut Renken vorerst ein Arbeitstitel. In der Region Lüchow-Dannenberg werden die Jüngsten 'Floriansgruppen' genannt. Auch 'Löschminis" sei eine Möglichkeit, sagt Renken.

Den Gruppen gemeinsam ist, dass sie langfristig den Nachwuchs für die Freiwilligen Feuerwehren sichern sollen - unter stärkerer Einbeziehung von Mädchen und von Kindern mit Migrationshintergrund.

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