Vortrag der Biologischen Station Osterholz im Heimathaus Ströhe Auf den Spuren der Graukraniche

Von Peter von Döllen
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Von Peter von Döllen

Hambergen. Ausgerechnet der steigende Maisanbau, den Naturschützer im Allgemeinen sehr skeptisch betrachten, kommt dem Kranich gerade recht. In Deutschland war der imposante Vogel schon auf der roten Liste gefährdeter Tiere zu finden. Jetzt hat sich das Blatt gewendet, eröffnete Gunnar Siedenschnur von der Biologischen Station Osterholz (Bios) den Zuhörern. "2008 wurden in Deutschland 7000 Paare gezählt", sagte Siedenschnur. In Niedersachsen waren es mehr als 600 Kranichpaare. Und die Zahlen der Kraniche, die hier auf ihrem Weg zu den Überwinterungsplätzen rasten, nehme ständig zu.

Der Kranich erobert seinen Platz auch in Deutschland zurück. Das war eine der guten Botschaften des Vortrags über die Rast von Kranichen in der Teufelsmoorregion im Heimathaus in Hambergen Ströhe.

Siedenschnur hat seine Diplomarbeit über dieses Thema geschrieben und nimmt regelmäßig an Zählungen teil. Er beschränkte seine Ausführungen weitestgehend auf diese Aspekte. Ihm ging es weniger um allgemeine Informationen über den Kranich, der eine Spannweite von 2,20 Meter erreichen kann. 60 Unterarten gibt es. Im Vortrag ging es um den Graukranich, der hier beobachtet werden kann. "Mitte Oktober haben wir den höchsten Bestand", erklärte Siedenschnur. Letztes Jahr wurden 13000 rastende Kraniche gezählt. Inzwischen bleiben die Vögel teilweise auch über Winter hier. Die meisten rastenden Kraniche in der Teufelsmoorregion kämen aus Mecklenburg-Vorpommern, aber auch aus Skandinavien.

Die hiesige Region ist aber nicht nur Rastplatz. Auch die Zahl der hier brütenden Paare nehme wieder zu, informierte der Referent. Zwei Gebiete sind das Günnemoor und das Huvenhoopsmoor. Das Günnemoor biete eine wiedervernässte Fläche und Grünflächen, die als Vorsammelplätze dienen. "Hier finden Komforthandlungen statt, bevor die Kraniche zu den Schlafplätzen wechseln", sagte Siedenschnur. Darunter versteht er Fiederpflege und Kommunikation. Die positive Entwicklung führt Siedenschnur auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen bieten die Maisfelder Nahrung für die Kraniche. Sie fressen neben Mais Insekten, Larven, Würmer, Kartoffeln und andere Dinge. Eine große Rolle spiele das Moorschutzprogramm, dass den Kranichen Lebensräume eröffne. Auch die Tatsache, dass Kraniche nicht gejagt werden, habe Einfluss. Außerdem sei zu beobachten, dass Kraniche ihr Verhalten änderten. Sie nutzen auch nicht optimale Gebiete, die sie aus Scheu früher nicht nutzten.

Die Fluchtdistanz bezifferte Siedenschnur auf 200 bis 300 Meter. Siedenschnur gab einen kurzen Einblick in seine Arbeit, stellte Beringungskonzepte, die Praxis der Zählungen und Verfolgung mit Sendern vor. "Auf der Homepage www.icora.de kann jeder die Sichtung von beringten Kranichen eingeben", erzählte er.

Die Rastplätze ziehen natürlich auch viele Interessierte an. Die Naturschützer freuen sich natürlich über das Interesse an der Natur. Aber die Vögel sollen nicht gestört werden. Siedenschnur gab Hinweise für Beobachtungen. Die Bios in Osterholz-Scharmbeck führt Kranichtouren durch und helfe auch bei Fragen.

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