Künstler restaurieren verwüstete Sitzgelegenheiten / Sofas waren Teil eines Jugendprojektes

Auferstanden aus der Zerstörung

Osterholz-Scharmbeck. Groß war der Frust bei Jungkünstlern aus Marokko, Polen und Deutschland. Sie hatten im vergangenen Jahr bei einem trilateralen Projekt des Jugendhauses Pumpelberg alte Sofas neugestaltet, die anschließend im Außenhof des Campusgeländes als Sitzgelegenheit dienten.
07.09.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Pfeiff

Osterholz-Scharmbeck. Groß war der Frust bei Jungkünstlern aus Marokko, Polen und Deutschland. Sie hatten im vergangenen Jahr bei einem trilateralen Projekt des Jugendhauses Pumpelberg alte Sofas neugestaltet, die anschließend im Außenhof des Campusgeländes als Sitzgelegenheit dienten. Nachdem die zunächst mit Gips und Zement stabilisierten Sitzmöbel mit Street-Art-Motiven und Graffitis verziert worden waren, wurden sie im Sommer des verganangenen Jahres auf dem Campusgelände in Osterholz-Scharmbeck aufgestellt. Dort fielen sie jedoch schon bald Randalierern zum Opfer. Die Sitzgelegenheiten wurden zum Großteil zerstört.

Dies wollten und konnten die Initiatoren des dasmaligen Projekts nicht auf sich sitzen lassen. Sie initiierten ein entsprechendes Restaurationsprojekt für die Sitzgelegenheiten, das unlängst mit einer kleinen Einweihungsfeier auf dem Campusgelände seinen Abschluss fand. „Die Jugendlichen waren damals ganz schön über diesen Akt der Zerstörung ihrer Werke gefrustet“, berichten Christine Struthoff und Abdelhafid Catruat. Die beiden sind Mitarbeiter des Jugendhauses am Pumpelberg. Dort hatte das trilaterale Kunstprojekt seinen Anfang genommen.

Auch die Campusleitung bedauerte diese Zerstörungswut: „Die Sofas wurden von vielen Nutzern und Besuchern gern als Sitzgelegenheiten genutzt, ihre Zerstörung vielerorts bedauert“, so Campusmanagerin Ulrike Baumheier.

Mit der Restauration der zerstörten Sofas wurden jetzt allerdings Profis beauftragt: Nachdem die modifizierten Sitzmöbel zunächst durch die Hausmeister des Campus im Boden verankert worden waren, um erneuten Vandalismus schon im Vorfeld ausschließen zu können, nahm sich zunächst Rolf Bomas der strukturellen Wiederherstellung der Möbel an. Anschließend übernahm der Bremer Künstler Siko Ortner die optische Verzierung.

Von der ursprünglichen Airbrush-Optik mit Street Art- und Graffiti-Elementen blieb am Ende nicht allzu viel übrig. Stattdessen entschied sich der Bremer Künstler Siko Ortner, den trilateralen Ursprungsgedanken des Projekts auf eine andere Weise grafisch umzusetzen: Die Sitzmöbel zieren nun Landschaftsmotive aus allen drei Ländern. Neben einer Festung in einer marokkanischen Wüstenlandschaft findet sich ein Abbild der polnischen Masuren sowie ein deutsches Landhaus inklusive Jahreszeiten-Szenarien.

Im Übrigen: Beide Künstler stellten ihr Können und ihr Wissen unentgeltlich zur Verfügung. Beide arbeiteten lediglich für Spesen und Materialkosten: „Mich faszinierte an dem Projekt der Grundgedanke gelebter interkultureller Toleranz beziehungsweise die gelebte Interkulturalität an sich“, erklärt Siko Ortner.

Obwohl die alten Sofas des Originalprojekts somit in optischer Hinsicht völlig neue Bezüge erhalten haben, sind alle Beteiligten mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Einig waren sich Initiatoren wie Künstler darüber, dass der interkulturelle Grundgedanke des Ursprungsprojekts mehr denn je ersichtlich sei. Im Rahmen einer Feierstunde mit Schülern der neunten Klassen und einer Festansprache von Stadträtin Bettina Preißner wurden die neuen, alten Sitzmöbel auf dem Campusgelände sogleich ausgiebig getestet.

Bei diesen außergewöhnlichen Sitzmöbeln allein soll es laut Baumheier auf absehbare Zeit indes nicht bleiben: „Das Campusgelände soll ein ansprechender Ort werden, an dem man sich auch in der Freizeit gerne aufhält. Bis dies soweit ist, liegt allerdings immer noch ein wenig Arbeit vor uns.“

„Die Jugendlichen waren über die Zerstörung ihrer Werke stark gefrustet.“ Christine Struthoff und Abdelhafid Catruat
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