Carsharing in Tarmstedt Auto teilen soll einfacher werden

Zur Verbesserung der Mobilität in ländlichen Kommunen wie der Samtgemeinde Tarmstedt soll vor allem das vorhandene private Carsharing-Angebot verbessert werden.
15.11.2017, 17:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Tarmstedt. Gute fünf Monate ist das nun her, dass im Tarmstedter Rathaussaal die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie Carsharing und Mitfahren in der Samtgemeinde Tarmstedt vorgestellt wurden. Mittlerweile scheint sich herauszukristallisieren: Zur Verbesserung der Mobilität auf dem Land soll vor allem das vorhandene private Carsharing-Angebot verbessert werden. Samtgemeindebürgermeister Frank Holle wird für Donnerstag, 30. November, die Mitglieder der örtlichen Carsharing-Initiative, des Samtgemeinderates und Vertreter des Regionalmanagements der Börde Oste-Wörpe einladen, um die Ergebnisse der Studie zur Weiterentwicklung des Angebotes zu besprechen. Gesprochen wird dabei auch über Mitfahrangebote. „Wir werden unterstützend tätig“, umschrieb Holle die Rolle der Kommune nach dem einstimmigen Beschluss des Samtgemeinderats am Dienstag.

Sechs nagelneue, rein elektrisch angetriebene Carsharing-Autos mit 200 bis 300 Kilometer Reichweite pro Akkuladung gibt es in der Samtgemeinde Tarmstedt. „Aber kein Carsharing“, sagt Marcel Bonse. Der Mann, der mit seiner Agentur Spurwechsel die Carsharing-Machbarkeitsstudie erarbeitet hat, meint das nicht böse. Er benennt die Schwachstellen: Es gebe „keinen Auftritt am Markt“, der potenziellen Nutzern den Weg zu dem Angebot weise. Dieses sei gut gemeint, müsse aber professionalisiert werden, um von den Nutzern wahrgenommen zu werden. Erforderlich sei beispielsweise eine 24-Stunden-Schlüsselübergabe unabhängig von der persönlichen Anwesenheit des Autobesitzers.

Schon bei der Vorstellung der Studie hatte Bonse erklärt, dass der Bekanntheitsgrad des Angebots gering sei, Buchung und Abholung seien nicht jederzeit möglich. Potenziale zur Verbesserung sieht er in einem elektronischen Buchungssystem ohne Buchungszentrale, das etwa 100 Euro im Jahr kosten würde. Hinzu kämen allerdings die Kosten für ein Kartensystem oder einen Schlüsseltresor. Noch teurer, aber komfortabler wäre ein Online-Buchungs- und Abrechnungssystem mit Buchungszentrale, was auch ein externer Anbieter erledigen könnte. Dass es bisher keinen Internetauftritt und keine Buchungshotline gebe, sei ein Hemmnis. Wegen der Kosten haben die Carsharing-Anbieter in Wilstedt, Tarmstedt, Bülstedt, Buchholz und Vorwerk bisher darauf verzichtet. Möglicherweise könnten Teile des Projekts durch öffentliche Zuschüsse gefördert werden. „Das kommt unter anderem auf die Laufzeit des Carsharing-Projekts an“, so Bonse, der über seine Agentur „Land und Wandel“ in Quelkhorn zum Regionalmanagement der Börde Oste-Wörpe gehört. Grundsätzlich sei die Ausgangslage sehr gut: „Es gibt sechs Autos, die sich jeder ausleihen kann. Normalerweise läuft Carsharing umgekehrt, da tun sich Nutzer zusammen und schaffen erst mal einen gemeinsamen Wagen an.“

Bei der Umfrage zur Studie haben 100 von 338 Teilnehmern angegeben, dass sie Carsharing nutzen würden, wenn es Fahrzeuge in ihrer Ortschaft gäbe. Rund 80 Prozent ist die Buchung über eine Online-Plattform wichtig oder sogar sehr wichtig, 77 Prozent wünschen eine Buchungsmöglichkeit per Telefon, eine 24-Stunden-Hotline für Notfälle finden rund 67 Prozent wichtig bis sehr wichtig, und einen Ansprechpartner vor Ort wünschen sich etwa 60 Prozent der Teilnehmer. Die Kosten für eine Fahrt von 30 Kilometer sollten nicht mehr als zehn Euro betragen, sagen rund 38 Prozent. 14 Prozent halten höchstens sieben Euro für akzeptabel. 87 Teilnehmer aus Tarmstedt und 42 aus Wilstedt könnten sich vorstellen, auf ihren Zweitwagen zu verzichten.

Traugott Riedesel, Mitglied des Samtgemeinderates, Arzt und Bürgermeister in Wilstedt und gleichzeitig als Privatmann Halter zweier Carsharing-E-Autos, freut sich auf die Zusammenkunft am 30. November: „Das ist ein guter Weg, um unser Angebot weiterzuentwickeln.“ Es tue sich sehr viel auf dem Gebiet der Mobilität, so würden auch in Deutschland schon autonom fahrende Kleinbusse auf öffentlichen Straßen getestet. Als Vorbild für elektrisches Carsharing verwies Riedesel auf die Gemeinde Klixbüll. Der Bürgermeister der 1000-Einwohner-Gemeinde in Nordfriesland ist wie Riedesel elektrisch unterwegs. Das „Dörpsmobil“ teilt er sich mit 19 weiteren Mitgliedern des Klixbüller Carsharing-Projektes, das von einem Verein getragen wird.

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