Kleine Anfrage im Bundestag bestärkt Bürgerinitiative B-74 Gegner bleiben skeptisch

Osterholz-Scharmbeck. Ein Kreisel hier, eine neue Linksabbiegerspur dort. Solche Kleinigkeiten könnten die Verkehrssituation in Scharmbeckstotel und Ritterhude relativ kostengünstig entschärfen.
04.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter von Döllen

Ein Kreisel hier, eine neue Linksabbiegerspur dort. Solche Kleinigkeiten könnten die Verkehrssituation in Scharmbeckstotel und Ritterhude relativ kostengünstig entschärfen. Davon ist Detlef Lambertus überzeugt. Wie seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative „B-74 Nein Danke“ fürchtet der Scharmbeckstoteler, die Hoffnung auf diese kurzfristig machbaren Lösungen könnten schwinden. Grund ist der neue Bundesverkehrswegeplan der Bundesregierung, für den auch die Ortsumgehung Ritterhude nominiert wurde. „Eine Aufnahme dürfte Alternativpläne auf lange Sicht verhindern“, bemerkt der Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens (Die Linke). Die Aufnahme würde keineswegs eine schnelle Realisierung des Projektes garantieren. Die so genannte Y-Trasse stehe beispielsweise schon seit 23 Jahre auf der Liste. Behrens: „Solange werden die Bewohner vertröstet.“

Die Nominierung hat 2014 zu der Bürgerinitiative geführt. Eigentlich ist es eine Wiederbelegung. Schon vor mehr als 20 Jahren zogen Anwohner gegen das Verkehrsprojekt zu Felde. Realisiert wurde es bis heute nicht. Seit der Planung hat sich viel verändert, argumentieren die Gegner. Eine kleine Anfrage im Bundestag durch die Linke sollte deshalb zeigen, wie aktuell die Ansätze überhaupt noch sind. „Die Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium hat nichts Weltbewegendes erbracht“, so Behrens. Sie enthielt aber unter anderem Zahlen zu Verkehrsaufkommen. Bürgerinitiative und Behrens kommen zu dem Schluss, dass die Entlastung nicht so hoch seien. Sie rechtfertigen ihrer Meinung keine Investition in Höhe von 28 Millionen Euro. Zwar könnte Scharmbeckstotel laut Prognose mit 46 Prozent weniger Fahrzeugen rechnen. Für Ritterhude gehen die Experten aber von einer Entlastung um 17 Prozent aus. „Ohne Ortsumgehung wird für 2025 mit 16 600 bis 18 500 Fahrzeugen am Tag gerechnet Mit der Umgehung wären es 13 300 bis 18 500 Fahrzeuge“, zitiert Behrens aus der Antwort.

„Ich bezweifel diese Zahlen. Offenbar gehen die Prognosen immer noch von einer Verkehrszunahme aus“, sagt Lambertus. Der demografische Wandel und der Trend zum Wohnen in Städten werde eher das Gegenteil herbeiführen. Die Zahlen fußten zudem auf der Zählung eines Tages. „Das erscheint uns dünn. Eine Momentaufnahme reicht nicht für die Hochrechnung eines solchen Projektes“, meint Behrens.

Und noch etwas stört den Bundestagsabgeordneten. „Andere Dörfer an der B-74 würden nicht entlastet. Sandhausen wird beispielsweise nicht thematisiert“, führt er aus. Und: Geschätzte 11 000 Fahrzeuge müssten dann täglich zusätzlich über die Wümmebrücke. Dabei staue sich der Verkehr dort jetzt schon. Ein Rückstau in Richtung Ritterhude sei programmiert. Verkehr müsste zunächst vermieden werden. Dann könne über Umleitungen und Verbesserungen nachgedacht werden. Aber auch die Kostenfrage stellen die Gegner infrage. Die Umgehungsstraße müsste im Moor gebaut werden. Und da reichten Standards nicht aus. Zudem müsste eine Brücke mit einer lichten Weite von 90 Meter und ein Stauraum für Wasser errichtet werden, was hohe Kosten verursache.

Weiter bleiben Kritikpunkte, wie höhere Lärmbelastung oder Umweltaspekte. „Die Umgehung wäre eine Katastrophe für einen relativ geschützten Bereich. Das wurde uns von der Bios bestätigt“, sagt Behrens. Die kleine Anfrage hat die Gegner der Umgehungstrasse bestärkt.

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