Ehemaliges Deutsches Haus Bagger schafft Platz für Müller-Neubau

In Lilienthal haben die Abrissarbeiten für den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses begonnen. Noch fehlen Parkplätze. Doch einen Deal mit der Gemeinde gebe es nicht, schwört der Investor.
22.06.2017, 17:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke

Lilienthal. Der Abrissbagger schafft Platz für den Neubau von Ulrich Müller an der Ecke Hauptstraße/Konventshof. Er habe „Anfragen von Einzelhändlern ohne Ende“, sagt der Investor. „Seitdem die Banner da hängen.“ Die Banner mit der Kurzinfo über das Projekt spannen sich vom Deutschen Haus an der Hauptstraße bis zum Nachbarhaus am Konventshof, das zur Hälfte in Trümmern liegt. Seit dem Beginn der Abbrucharbeiten melden sich nach der Schilderung des Investors laufend Interessenten, darunter Textilhändler und Restaurantbetreiber. In Müllers Neubau an der markanten Straßenecke ist kein Platz mehr frei. Dort hat sich die Drogeriemarkt-Kette Rossmann das Erdgeschoss gesichert (wir berichteten). „Aber ich habe noch andere Projekte in Lilienthal“, sagt Müller. Er denkt dabei auch an einen Lebensmittelladen.

Doch es sind nicht die neuen Projekte, die den Lilienthaler an diesem Donnerstag in die Redaktion getrieben haben. Es ist der Bericht, der groß auf der Seite eins der WÜMME-ZEITUNG steht. Von einem Kuhhandel mit der Gemeinde ist da die Rede, von einem Deal unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Weil Müller für den Neubau des Wohn- und Geschäftshauses noch neun Parkplätze fehlen, soll die Gemeinde bereit sein, ein Stück vom Schulhof der Schroeterschule zu opfern oder gar das Turnerhaus des TV Lilienthal nebenan. Den bösen Verdacht haben die Linken und die Querdenker geäußert (wir berichteten).

Unglaublich findet der Geschäftsmann das. Ständig werde er in Lilienthal auf den Zeitungsbericht angesprochen. Die Vorwürfe seien völlig aus der Luft gegriffen, sagt Müller. „Ich finde es traurig, wie solche Dinge immer wieder konstruiert werden.“ Er habe den Bürgermeister zufällig in Lilienthal getroffen, ein, zwei Monate sei das her. „Ich hab' ihn gesehen und ihm gesagt: ,Ich hab hier ein Problem mit Parkplätzen.'“ Und Tangermann? „Der hat nur gesagt: ,Das ist im Haus bekannt'. Mehr nicht. Das war alles.“ Von den Gedankenspielen im Rathaus, am Rand des weitläufigen Schulgeländes Parkplätze für Ortskern-Besucher anzulegen, habe er überhaupt nichts gewusst, schwört der Investor.

Tatsache ist, dass er 60 Parkplätze nachweisen muss, um vom Landkreis die Baugenehmigung zu bekommen. 51 hat er, neun fehlen noch. Die Zahl 60 steht, und wenn Müller im September mit dem Bau beginnen will, muss er dem Landkreis 60 Stellplätze präsentieren. Er habe der Gemeindeverwaltung vorgeschlagen, die Anlage von neun neuen Parkplätzen zu finanzieren, wo, das könne die Gemeinde entscheiden. Die Stellplätze könnten dann zeitweise auch von anderen Autofahrern genutzt werden, und das wäre in Müllers Augen eine Win-Win-Situation, gut für beide Seiten.

Er wolle Lilienthal voranbringen, sagt der Investor. „Ich habe Ideen, wie man den Ortskern beleben und attraktiv machen kann.“ Vor dem neuen Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Hauptstraße/Konventshof wolle er „eine parkähnliche Situation mit Wasser“ schaffen. „Da wird auch lichttechnisch was passieren in meinem Glaskubus. Das wird ein Highlight in Lilienthal.“ Aus der Bevölkerung erfahre er viel Zustimmung.

Ein kleines Lebensmittelgeschäft will Müller auch ins Zentrum holen. Spruchreif sei noch nichts, er müsse noch Gespräche führen, sagt der Geschäftsmann. „Aber es gibt da eine Kette, die würde sich zutrauen, einen kleinen Laden einzurichten.“ Klingt gut. Doch im Neubau an der Hauptstraße wollte Müller auch mehrere kleine Läden unterbringen. Er dachte da an einen Herrenausstatter und einen Lebensmittelladen. Am Ende war es die Drogeriemarktkette Rossmann, die gleich das gesamte Erdgeschoss mit 900 Quadratmetern Verkaufsfläche mietete. „So ein Angebot konnte ich als Geschäftsmann einfach nicht ablehnen, bei so einem potenten Mieter und einem langfristigen Mietvertrag“, betont der Investor.

Lilienthal brauche neue Läden im Zentrum, sagt Ulrich Müller. Der Neubau der Kommunalen Wohnungsbau- und Entwicklungsgesellschaft (KWE) ist in seinen Augen ein krasses Negativbeispiel: „Da geht die KWE hin und baut eine Arztpraxis ins Erdgeschoss. Da gehört ein Laden rein. Die Arztpraxis gehört in den ersten Stock.“ Dabei sei Lilienthal durchaus attraktiv für Einzelhändler.

Zurzeit hat Ulrich Müller zwei Baustellen in Lilienthal. Auf der einen steht der Abriss des Deutschen Hauses unmittelbar bevor. Wenn die Bagger das Nachbarhaus am Konventshof, in dem früher Hifi-Geräte und Fernseher verkauft wurden, platt gemacht haben, tragen sie das Gebäude an der Hauptstraße ab, in dem zuletzt ein griechisches Lokal untergebracht war. Spätestens im September soll mit dem Neubau begonnen werden. Geplant sind eine Tiefgarage, Rossmann im Erdgeschoss sowie eine Arztpraxis, Physiotherapie und Pflegedienst im ersten Stock. In den zwei Geschossen darüber sollen 13 barrierefreie Seniorenwohnungen entstehen.

Seit einem Tag rumoren auch auf dem Nachbargrundstück der WÜMME-ZEITUNG die Bagger. „Gerade haben wir die Baugenehmigung bekommen“, sagt Müller der Redaktion. Geplant sind dort nach dem Abriss der Kneipe „Nach Fred“ und des Bungalows dahinter zwei Blöcke mit rund zwei Dutzend Seniorenwohnungen. „Die sind schon zu 70 Prozent verkauft, obwohl wir noch gar nicht aktiv in den Vertrieb eingestiegen sind“, sagt der Investor. Dafür habe das Bauschild gesorgt.

„Ich habe Ideen, wie man den Ortskern beleben und attraktiv machen kann.“ Investor Ulrich Müller
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