Neben Amtmann-Schroeter-Haus starten Erdarbeiten / Mauerwerk der Wohnanlage soll bis September fertig sein Baubeginn mit Verzögerung

„Ich bin sehr froh, dass dieser Wartezustand endlich vorbei ist.“ Jochen Kempff, Stiftungsvorsitzender Lilienthal.
20.05.2016, 00:00
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Baubeginn mit Verzögerung
Von Timo Sczuplinski

In letzter Zeit sei er ab und zu ins Grübeln gekommen, sagt Jochen Kempff. Ob er es wohl noch miterlebe, dass die geplanten Seniorenwohnungen auf der Wiese neben dem Amtmann-Schroeter-Haus einmal fertig würden, hat sich der Vorsitzende der Stiftung gefragt. „Solche Gedanken muss man sich in meinem Alter ja durchaus mal machen“, sagt der 79-jährige Kempff.

Das hing aber auch damit zusammen, dass die Arbeiten für das Bauprojekt in zweiter Reihe entlang der Zinckestraße nun erst etwas später beginnen konnten als ursprünglich geplant. Eigentlich sollte der grüne Bagger, der am Dienstag mit den Erdarbeiten begonnen hat, bereits Anfang Mai anrollen. Doch es gab Verzögerungen bei der Baugenehmigung durch den Landkreis Osterholz. Es ging um den Abfluss des Regenwassers. Laut Kempff hatte man dem Landkreis im ersten Antrag vorgeschlagen, das Wasser über Rigolen loszuwerden. Das sind kleine unterirdische Speicher, die Regenwasser erst aufnehmen und aus denen es dann versickert. Der Landkreis bevorzugte nach den Worten von Kempff dagegen oberirdische Mulden. „Allerdings hätte es da das Problem gegeben, dass sich später Pfützen in den Mulden gebildet hätten. Und das hätte Mücken angelockt“, erklärt Kempff. Das wollte er den künftigen Anwohnern ersparen. Man einigte sich später doch auf den Ursprungsvorschlag mit den Rigolen, die das Regenwasser künftig abführen sollen. Zwei Wochen waren da bereits vergangen, der eigentlich vorgesehene Baustart war nicht mehr zu halten. „Wir liegen nicht im Plan, aber wir liegen noch in der Zeit“, sagt Jochen Kempff, der die Verzögerung als nicht allzu dramatisch einstuft. Doch die Sache mit dem Regenwasser war nicht das einzige Problem, das sich auftat. Eine weitere Hürde gibt es aktuell beim Thema Stromversorgung für die künftigen Wohnungen. Die ist nämlich über die Anschlüsse an der Zinckestraße gar nicht möglich. Es muss also eine andere Lösung her. So sollen die Stromleitungen zu den neuen Wohnungen auf dem Stiftungsgelände nun vom Trafohäuschen im Kaffeepad aus vorbei am kleinen Park gelegt werden. Dafür sind weitere Erdarbeiten nötig, die bisher nicht eingeplant waren. Der 6000-Euro-Ansatz – das hätte der normale Stromanschluss durch die Gemeinde Lilienthal gekostet – sei somit nicht mehr zu halten, sagt Kempff.

Dort, wo jetzt der Bagger arbeitet, sah es im vergangenen Jahr noch anders aus. Der idyllische Park, der im Gegensatz zum mehr als 200 Jahre alten Fachwerkhaus des Lilienthaler Amtmanns und Astronomen Johann Hieronymus Schroeter nicht unter besonderem Schutz steht, wurde um ein gutes Stück verkleinert. Die Grünfläche war über viele Jahre nicht gepflegt worden, einige Bäume drohten bei Sturm sogar umzufallen. So geschehen im Winter 2015.

Wo Anwohner nun noch einen uneingeschränkten Blick auf das freie Grundstück und den kleinen Park dahinter genießen, werden sie künftig auf ein gut neun Meter hohes Wohnhaus für Senioren blicken. Deshalb hatte es auch viele Proteste der Anrainer gegen das Bauvorhaben gegeben, die mittlerweile aber kein Thema mehr seien, sagt Jochen Kempff. Es solle eine hochwertige Wohnanlage entstehen, samt Mauerwerk und Ziegeldach. Die Wohnungen – eine davon barrierefrei – sollen zwischen 47 und 52 Quadratmeter groß werden. Erd- und Obergeschoss des Gebäudes werden mit einem Fahrstuhl verbunden.

Die Wohnungen sollen die Stiftung Amtmann-Schroeter-Haus durch Mieteinnahmen langfristig am Leben halten. Denn die Einnahmen gehen seit Jahren zurück. Eigentlich lebt eine Stiftung von den Zinserträgen ihres Kapitals. Aber durch die niedrigen Zinssätze sind die Einnahmen zuletzt drastisch zurückgegangen. Zur Sicherung des Kapitals musste also eine langfristige Lösung her: die Wohnanlage.

Wenn es nun ohne Probleme weitergehe, dann könne das Mauerwerk bis September bereits stehen, die Zimmermänner sollen danach anrücken, sagt Kempff. Im April 2017, so seine Vorstellung, könnte der Neubau, der schätzungsweise 1,5 Millionen Euro kostet, fertig sein.

„Ich bin sehr froh, dass dieser Wartezustand endlich vorbei ist“, gesteht Jochen Kempff. Die alten Wurzeln, die der Bagger auf der Baustelle gerade aus dem Boden reißen muss, seien da vergleichsweise nur noch Kleinigkeiten. Nun stehe wieder die Vorfreude im Mittelpunkt, so der Vorsitzende der Stiftung.

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