Viel Arbeit bis 2015 Baustelle Barkenhoff-Garten

Der Garten des Worpsweder Barkenhoffs soll wieder jenem gleichen, den Jugendstilkünstler Heinrich Vogeler geplant hatte. Nach einer Unterbrechung von mehreren Monaten gehen die Arbeiten nun weiter - voraussichtlich bis März 2015.
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Von Michael Schön

Die Arbeiten auf dem Barkenhoff lagen lange brach, doch jetzt steht sie, die Finanzierung für die Renaissance des Gartens, der einst von Heinrich Vogeler als wesentlicher Bestandteil seines Gesamtkunstwerks entworfen worden war. „Es sind alle Bewilligungsbescheide eingegangen“, berichtete Arne Segelken, Vorstandsmitglied der Barkenhoff-Stiftung. Bereits in der kommenden Woche werde mit der Entschlammung der beiden Teiche begonnen. Mit dem Abschluss der Arbeiten sei jedoch vor März 2015 nicht zu rechnen.

Die Freitreppe hinauf zur Terrasse auf der Frontseite des Barkenhoff-Hauptgebäudes ist wieder eine freie Treppe. Links und rechts von ihr sind die Lebensbaum-Säulen verschwunden, genauso wie diverse andere Gehölze, die Hindernisse auf dem Weg zurück zu den Wurzeln des Vogeler-Gartens darstellten. Wie berichtet, soll die von wucherndem Grün bestimmte Umgebung des Haupthauses, das mit seiner von einem charakteristischen Giebel geschmückten Fassade zu einem der Wahrzeichen Worpswedes geworden ist, wieder in einen dem Vogeler-Konzept sich zumindest annähernden Zustand zurückversetzt werden. Etwas über 250 000 Euro stehen zur Realisierung des ambitionierten Vorhabens bereit.

Die Summe kommt aus dem Masterplan-Topf der Europäischen Union, vom Land, von den Kommunen und von Stiftungen. Dass für den Geldsegen mehrere Quellen angezapft werden konnten, hatte freilich einen Nachteil: Für die Gesamtfinanzierung mussten die einzelnen Bewilligungen aufeinander abgestimmt werden, was mehr Zeit als gedacht in Anspruch nahm. Eigentlich hatte der Garten noch im Jahr der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Beste-hen der Künstlerkolonie eingeweiht werden sollen. „Nun dauert es wohl bis Ende März“, kalkuliert Arne Segelken. Dann sollen auch die finalen Maßnahmen, die Neuanlage der Beete und Wege, abgeschlossen sein.

„Wildwuchs“ beseitigt

Einstweilen bietet der Barkenhoff-Garten einen relativ trostlosen Anblick. Bis auf einige Strauch- und Kletterrosen, die noch immer ihre farbige Pracht entfalten, breitet sich verblühte Flora über die Beete aus, in denen diverse Arbeiten ihre Spuren hinterlassen haben. Zur Vorbereitung der Garten-Restaurierung mussten sie bereits zu einem frühen Zeitpunkt in Angriff genommen werden. Segelken: „Es ist viel Wildwuchs beseitigt worden, was unter naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten nur im Frühjahr möglich war.“ Verschiedene Messungen und Überprüfungen duldeten ebenfalls keinen Aufschub.

Die Pläne zur Umgestaltung des am Osthang des Weyerberg gelegenen Areals stammen vom Landschaftsarchitekten Hans-Joachim Flemmig, der den „historischen Garten“ wiedererstehen lassen will. Dabei hat er das Bild vom berühmten „Sommerabend“ vor Augen, das Vogeler unter dem Titel „Das Konzert“ 1905 vollendete, ihn selbst als Cellisten halb verdeckt zeigend und seine Frau Martha zusammen mit dem russischen Windhund im Zentrum des großformatigen Gemäldes.

Da Flemmig auf dem „Sommerabend“ keine Lebensbäume neben der Freitreppe erspähen konnte, sorgte die von der Barkenhoff-Stiftung beauftragte Koryphäe zunächst einmal für ein Verschwinden der säulenartig empor strebenden Koniferen. Buchsbaumhecken und Rhododendronbüsche kamen im Vogeler-Garten ebenso wenig vor wie der mit Vogelers Pappeln auf der Insel im Teich konkurrierende Ahorn. So fand es Flemmig bei seinen Recherchen heraus, die er seit 2009 in öffentlich zugänglichen Archiven anstellte, aber auch in Sekundärliteratur. Briefe, Fotos und Skizzen lieferten ihm weitere belastbare Hinweise.

Insgesamt soll der Garten wieder viel luftiger werden, Sichtachsen sollen wieder hergestellt werden, vor allem jene von der Freitreppe hinunter zur Laube mit Sitzplatz und Pergola. Zudem soll auch wieder ein freier Blick vom Hauptgebäude auf den Birkenhain ermöglicht werden, der die tiefer liegende Ostendorfer Straße säumt. Die Birken waren schließlich die Namensgeberinnen für den Barkenhoff, den der Jugendstilkünstler 1895 als heruntergekommenen Bauernhof erwarb. Jetzt ist er mit jährlich etwa 30 000 Besuchern ein kultureller Hotspot Worpswedes, mit dem Garten als bedeutendem Bestandteil des Ensembles. „Er soll nicht mehr länger nur als Durchgang dienen, sondern wieder ein attraktiver Anziehungspunkt werden“, wünscht sich Segelken.

Als bestechender Blickfang präsentiert sich dabei die Freitreppe. Auch sie entspricht nicht mehr dem Original, wie sich herausstellte, als allerlei Gestrüpp um sie herum entfernt worden war. Da sich dabei außerdem Schäden offenbarten, die – so Segelken – durch die Verwendung ungeeigneter Materialien bei Ausbesserungsarbeiten in den 1970er-Jahren verursacht worden waren, sind nun ein kompletter Abriss der Treppe und der Neubau des Aufgangs zur Terrasse vorgesehen. Es soll nach der Entschlammung der Teiche der nächste Schritt bei der Restaurierung des Gartens sein.

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