Gesundheitsexperten geben Tipps

Bei trockener Hitze hilft ein heißer Tee

Osterholz-Scharmbeck. Immer mehr Patienten suchen in Arztpraxen und Krankenäusern Rat, wie sie sich gegen die Hitze schützen können. Vor allem Ältere und kleine Kinder können schnell unter den Folgen von Austrocknung leiden.
14.07.2010, 05:50
Lesedauer: 3 Min
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Bei trockener Hitze hilft ein heißer Tee
Von Brigitte Lange

Osterholz-Scharmbeck. 'Das Wetter ist sehr belastend für unsere Patienten - und das Personal.' Die Zimmer auf den Stationen seien nicht klimatisiert, erklärt Jürgen Heuser, Chefarzt auf der Inneren-Abteilung des Kreiskrankenhauses Osterholz.

Besonders heftig sei der Montag gewesen, an dem die Temperaturen locker die 30 Grad-Marke übersprungen hatten und die Feuchtigkeit zum Greifen war. Heuser: 'Wenn Sie dann auch noch Fieber haben.' Einzige Ausnahme im Kreiskrankenhaus seien die Operationsräume und die Zimmer auf der Intensivstation. 'Die sind klimatisiert', versichert der Mediziner.

Die Hitzewelle, die - mit einer kurzen Pause - den Norden seit Tagen fest im Griff hält, hat das Wartezimmer der Inneren bisher aber noch nicht mit Patienten überflutet. Die Zahl der Patienten, die kommen, halte sich im Rahmen, meint Heuser. Zwei bis drei Menschen, die täglich Hilfe bei ihnen suchten, litten allerdings durchaus unter Austrocknungserscheinungen. Meist handele es sich um ältere Menschen. Sie würden den zusätzlichen Flüssigkeitsbedarf nicht schaffen. 'Ältere verspüren weniger Durst; ihr Trinkantrieb ist weniger ausgeprägt als bei jüngeren Menschen', erklärt Heuser. Kurz, sie sind nicht so durstig.

Auch Neugeborene und Kleinkinder bis sechs Monate könnten austrocknen, weil sie nicht genug Flüssigkeit zu sich nehmen. Kopfschmerzen und Probleme beim Sehen seien Symptome einer beginnenden Austrocknung des Gehirns, erzählt Heuser. Bei den Patienten, die er und seine Kollegen in den vergangenen Tagen behandelt haben, war die Austrocknung meist weiter vorangeschritten. Heuser: 'In fast allen Fällen mussten wir die Patienten für zwei bis drei Tage im Krankenhaus behalten.' Sie mussten Infusionen bekommen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

'Vor vier bis fünf Jahren, als wir einen ähnlichen Sommer hatten, bin ich mit dem Notdienst von einem Kreislaufkollaps zum nächsten gefahren', erinnert sich Dr. Detlef Risch, Sprecher der Kreisstelle Osterholz der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Dieses Jahr habe er noch nichts Vergleichbares erlebt. 'Zwei Patienten mit Austrocknungserscheinungen hatte ich in meiner Praxis', so Risch. Auch sie waren älter. Kreislaufprobleme könnten aber auch junge Menschen bekommen, betont er. Kritisch werde es immer, wenn Partys gefeiert und Alkohol getrunken werde. Selbst Sport treiben sei bei diesen Temperaturen nicht ungefährlich, gibt er zu bedenken - sportliche Aktivitäten sollten auf die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Bei den hohen Temperaturen würden sich die Gefäße weiten und der Blutdruck absacken. Dadurch könnten selbst Menschen, die sonst normalen Blutdruck hätten, Kreislaufprobleme bekommen. 'Mittags zu joggen, ist daher ziemlich leichtsinnig', sagt Risch. Aber auch die Folgen solchen Verhaltens habe er in seiner Praxis schon behandeln müssen.

'Alkohol erweitert die Gefäße zusätzlich', gibt die diplomierte Ökotrophologin und Fachbereichsleiterin Gesundheit bei der Volkshochschule in Osterholz-Scharmbeck, Gabriele Haar, zu bedenken. Im schlimmsten Fall könnte das zu einem Hirnschlag führen. Sie rät deshalb davon ab, in dieser Hitze Prozentiges zu trinken. Mineralwasser und mineralstoffreiche Gemüsesäfte sind ihre Favoriten. Diese würden nicht nur die Flüssigkeit ersetzen, sondern auch Salze, die der Körper beim Schwitzen verliert. Es müssten nicht immer kalte Getränke sein. 'Bei trockener Hitze ist es wichtig, dass der Körper schwitzt', erklärt Haar. So würde er sich abkühlen. Mit kalten Getränken gelinge ihm das nicht so gut wie mit warmen. 'Nehmen Sie sich ein Beispiel an den Völkern, die in Wüsten mit trockener Hitze leben. Dort wird heißer Tee serviert', sagt Haar.

Gitta Schnelle, Ernährungsberaterin bei der AOK in der Kreisstadt, ist ebenfalls gegen eiskalte Getränke. 'Wenn die zu schnell hinuntergeschüttet werden, können sie zu Kreislaufproblemen führen.' Für den Körper sei das ein Schock. Die Arterien im Magen würden sich zusammenziehen. Übelkeit wäre eine der Folgen. Wer Kühles genießen wolle, sollte dies in kleinen Schlucken tun. Wichtig sei nur, dass viel getrunken werde. Eine Regel, die aber nicht für alle Menschen gilt, wie sie einräumt. 'Bei Nieren- oder Herzerkrankungen muss mit dem Hausarzt Rücksprache gehalten werden', betont Schnelle. Diese Patienten dürften eventuell nur begrenzte Mengen trinken.

Wer die schwül-warmen Tage gut überstehen will, der sollte außerdem viele kleine und leichte Mahlzeiten zu sich nehmen, sagt die Ernährungsexpertin. Je fettiger die Gerichte, desto mehr werde der Verdauungstrakt belastet und um so länger würde Blut vom Gehirn abgezogen. Das belaste den Kreislauf zusätzlich, sagt Schnelle. Ihre Empfehlung: Frisches Obst, Quarkspeisen und Salate. Letztere sollten ohne Eier zubereitet werden - wegen der höheren Salmonellen-Gefahr.

Haar rät außerdem, möglichst viel Gemüse mit Carotinoid - etwa Karotten, Tomaten und Paprika - zu essen. 'Das baut den Hautschutz auf', erinnert sie an die Sonnenstrahlen. Da das allein nicht reicht, empfehlen alle vier Befragten den Osterholzern, große Kopfbedeckungen zu tragen - damit sie die Bullenhitze ohne Sonnenbrand und Hitzschlag überstehen.

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