Raum Gnarrenburg könnte Modellregion für klimaschonende Landwirtschaft werden / Ermutigung aus Franken Beim Moorschutz in einem Boot

Die „Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore“ will die Region um Gnarrenburg möglichst erhalten. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Landwirte. Sie könnten durch den geplanten Moorschutz der Landesregierung unter Druck geraten. Der Initiative schwebt deshalb vor, die Landwirte finanziell zu fördern, wenn sie auf intensive Nutzung ihrer Agrarflächen verzichten. Ein Modell im Frankenwald ist für sie zum Vorbild geworden. Am Mittwochabend stellte ein beteiligter Landwirt das Projekt „Weidewelt – Vieh(l)falt im Frankenwald“ in Kuhstedt vor.
13.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen

Die „Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore“ will die Region um Gnarrenburg möglichst erhalten. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Landwirte. Sie könnten durch den geplanten Moorschutz der Landesregierung unter Druck geraten. Der Initiative schwebt deshalb vor, die Landwirte finanziell zu fördern, wenn sie auf intensive Nutzung ihrer Agrarflächen verzichten. Ein Modell im Frankenwald ist für sie zum Vorbild geworden. Am Mittwochabend stellte ein beteiligter Landwirt das Projekt „Weidewelt – Vieh(l)falt im Frankenwald“ in Kuhstedt vor.

Johannes Fehn gibt es offen zu: „Wir waren sehr skeptisch, als die Naturschützer das erste Mal bei uns auf dem Hof standen.“ Jetzt sagt der Landwirt aus dem Frankenwald: „Es war das Beste, was uns passieren konnte.“ Fehn gehört zu einer Gruppe Landwirten, die sich auf ein Naturschutzprojekt eingelassen hat, das den Erhalt von typischen Wiesen mit hoher Artenvielfalt zum Ziel hatte. Das sei erreicht worden, erklärte Fehn bei einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend in der Gaststätte Ahrens in Kuhstedt.

Die „Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore“, die Gemeinde Gnarrenburg und das Landvolk hatten Fehn eingeladen. Seine Ausführungen sollten als Vorbild dienen, hofften die Organisatoren. Das Thema stieß auf Interesse. Rund 150 Interessenten waren gekommen. Das Projekt im Frankenwald weise in die richtige Richtung, so die Initiative. Und mehr noch: „Wir können der hohen Nachfrage nach unseren Produkten nicht mehr nachkommen.“ Landwirte, Anwohner, Naturschutz und Verbraucher seien zufrieden, so Fehn. Das macht Hoffnung, dass Ähnliches auch in der Moorregion um Gnarrenburg gelingen könnte.

Nach dem mutmaßlichen Ende weiteren Torfabbaus im großen Stil ergibt sich die Frage, wie es in der Region weitergehen soll. „Das Land Niedersachsen hat in Aussicht gestellt, die Region zum Modellprojekt für klimaschonende Landwirtschaft zu machen“, erinnerte Gnarrenburgs Bürgermeister Axel Renken (SPD). Dabei stehe aber nicht allein der Schutz von Moor und Torf im Blickpunkt. Jetzt gelte es, entsprechende Projekte zu entwickeln und Akteure zu finden, die es umsetzen – auf freiwilliger Basis, wie Renken betonte.

Landvolk pocht auf Freiwilligkeit

Denn eines dürfte klar sein: Klimaschutz in Moorregionen bedeutet auch, Landwirtschaft weniger intensiv zu betreiben. Ein anwesender Landwirt spitzte es auf zwei Worte zu: „Flächen stilllegen.“ So hart wird es zwar wohl nicht kommen. Landwirte werden sich aber anpassen müssen. Der Vorsitzende des Landvolks Bremervörde Heinz Korte hob deshalb auch die Freiwilligkeit bei einem Modellprojekt hervor. „Wir sind bereit mitzumachen“, versicherte er. Aber: Wer es wolle, müsse auch weitermachen können wie bisher. Korte versprach: „Wir werden das bewerten.“

Das nordbayrische Modell wird den Niedersachsen allerdings kaum als Vorbild dienen können. Zu unterschiedlich sind die Ziele und Ausgangslagen. Im Frankenwald standen etwa 600 000 Euro zur Verfügung. Sie stammen hauptsächlich aus Mitteln des bayerischen Naturschutzfonds, einer Stiftung des Freistaats Bayern, welche Naturschutzverbände, Vereine und Kommunen finanziell unterstützt. Fehn: „Die waren zur Projektfinanzierung gedacht.“ Die teilnehmenden Landwirte wurden damit aber nicht direkt unterstützt. Laut Fehn nehmen sie nur die üblichen bestehenden Fördermittel in Anspruch.

Axel Renken nahm diesen Fakt zum Anlass, laut gewordene Ideen zu hinterfragen. Der Ruf nach finanzieller Absicherung für 40 bis 80 Jahre durch Förderung ist für ihn fraglich. Korte konterte: „Wir müssen uns auch nicht zu billig verkaufen.“ Seines Wissens stünden zehn Millionen Euro für vier Modellregionen in Niedersachsen zur Debatte. Theoretisch gehe es für Gnarrenburg also um mindestens ein Viertel davon.

Inhaltlich ist das Projekt im Frankenwald zwar ebenfalls kaum vergleichbar. Für Renken hat es aber einen hohen Motivationswert: Es zeige, was erreicht werden kann, wenn alle Beteiligten zusammenhalten.

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