Filmemacher Eike Besuden und vier Schauspieler stellen neuen Film in den Ritterhuder Lichtspielen vor

Berührende Begegnung

Ritterhude. Eine Kinovorstellung der besonderen Art, die Begegnung mit Regisseur und Schauspielern inbegriffen, haben Zuschauer im voll besetzten Ritterhuder Kuschelkino erlebt. „Sie sind das erste Testpublikum.
23.01.2017, 00:00
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Von Ilse Okken
Berührende Begegnung

Kevin Alamysah, Eike Besuden, Melanie Socher, Anna Jaeger und Frank Grabski (von links) haben die Lichtspiele besucht.

Ilse Okken

Ritterhude. Eine Kinovorstellung der besonderen Art, die Begegnung mit Regisseur und Schauspielern inbegriffen, haben Zuschauer im voll besetzten Ritterhuder Kuschelkino erlebt. „Sie sind das erste Testpublikum. Die DVD des Films ist seit vorgestern fertig“, verkündete Regisseur Eike Besuden, der vier Schauspieler mitgebracht hatte, um im Hamme-Forum seinen neuen Film „All inclusive“ vorzustellen.

Besondere Produktionsbedingungen und besondere Schauspieler sind die Eigenart der Komödie „All inclusive“. Während der Dreharbeiten des Spielfilms, an dem Menschen mit und ohne Behinderung vor und hinter den Kulissen beteiligt waren, entstand gleichzeitig eine Dokumentation der Arbeiten.

Inhaltlich geht es um den behinderten jungen Mann Ricky (Kevin Alamysah), der das „Hotel Weserlust“ in Bremen von seiner Mutter Rosa (Doris Kunstmann) erbt. Schrittweise lernt er, mit dieser Situation zurechtzukommen, was für ihn, seinen Freundeskreis, das Hotelpersonal und einen Immobilienmakler nicht immer reibungslos vonstattengeht. Die Heiterkeit und Leichtigkeit, mit der die Begegnung behinderter und nicht behinderter Menschen in diesem Film geschildert wird, beeindruckte das Publikum. Filmemacher und Schauspieler wurden mit lang anhaltendem Beifall belohnt. Geduldig, charmant und locker gaben der Regisseur und die vier Schauspieler nach der Vorführung Auskunft über die Entstehung des Films.

Wenn Eike Besudens Pläne aufgehen, wird „All inclusive“ der Pilotfilm für eine Fernseh-Serie. Er soll die Grundlage bilden, wenn er demnächst mit öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sendern über die Fortsetzung der Geschichte in Serienform verhandeln wird. Das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit dem erfahrenen Bremer Autor David Safier („Berlin, Berlin“).

In der Dramaturgie der Geschichte werden viele Spuren gelegt, die sich weiter verfolgen lassen. Die Länge lässt sich auf TV-Formate wie 45 Minuten oder zweimal 30 Minuten anpassen. Auch ein sogenannter Cliffhanger in Form eines im Abspann kurz gezeigten Küchenbrandes fehlt nicht. „Ich wollte auf humorvolle Weise das Thema Inklusion aufgreifen. So kann man damit am Besten im Fernsehen umgehen“, findet der Filmemacher, der bereits für „Verrückt nach Paris“ viel Lob erhielt.

„Wie und wo sind Sie auf diese wundervollen Menschen aufmerksam geworden?“, wollte ein Zuschauer wissen. Für Eike Besuden antwortete Frank Grabski, der den nörglerischen Rollstuhlfahrer Wolfgang spielt. Der Kontakt sei über das Bremer Blaumeier-Atelier zustande gekommen (www.blaumeier.de). In der dortigen Theatergruppe und im „Chor Don Bleu“ seien viele der beteiligten Schauspieler aktiv.

Melanie Socher habe dort schon bei „Carmen“, „Elisabeth“ und in Shakespeares „Sturm“ „auf blaumeierisch“ mitgewirkt. In „All inclusive“ spielt sie Pippa, eine der Köchinnen. Nach dem Unterschied von Bühnen- und Filmpräsenz befragt, sagte sie: „Film ist natürlicher. Hast du beim Theater eine Rolle, spielst du sie groß und rockst die Bühne.“ Beim Film müsse man Mimik und Gestik mehr zurücknehmen. Der Vorteil sei, dass man beim Film immer Textproben habe und die Szenen bei Bedarf wiederholen könne. Das reduziere das Lampenfieber.

Anna Jäger ist Frank Grabskis Betreuerin und begleitete ihn täglich zu den Proben. Ihm hat sie ihre Statistenrolle zu verdanken. Jeden Tag fragte er mit freundlicher Penetranz erneut bei Eike Besuden an, ob nicht eine kleine Rolle für Anna drin wäre. Und er hatte Erfolg. Sie durfte die untreue Ehefrau von Dominique Horwitz mimen. „Die Dreharbeiten waren sehr entspannt, ganz ohne Stress und Zeitdruck“, so die Schauspielerin, die auch beim Schnürschuh-Theater auftritt. Es sei wichtig, die „besonderen“ Darsteller (so nennt Besuden seine Schauspieler) genau zu kennen. Nur dann könne man sie mit ihren speziellen Fähigkeiten „abholen“ und ermessen, ob sie für eine Rolle einsetzbar seien. „Die bringen ihre eigenen Ideen ein. Darauf muss man sich einlassen können“, schildert er seine Arbeitsweise – was gleichzeitig Eingriffe seitens der TV-Sender schwierig mache. „Man braucht kräftige Fingernägel, um an allen Türen kratzen zu können“, bemerkte Eike Besuden, als er auf die Finanzierung des Films angesprochen wurde. Die „Low-Low-Budget-Produktion“ habe circa 300 000 Euro gekostet. Allein auf die Entscheidung des Antrags bei der „Aktion Mensch“, die für zwei Drittel der Kosten aufkommt, habe er ein Jahr lang warten müssen. Über Stiftungen und Institutionen aus Bremen sei das restliche Drittel finanziert worden. Parallel dazu habe er schon das Drehbuch geschrieben und mit den ersten Proben begonnen.

Nach dem Crowdfunding-Rezept – viele Spender mit kleinen Beträgen – und unter Beteiligung der Filmförderung seien unterdessen die Kosten für die „All-inclusive“-Dokumentation namens „Weserlust-Hotel“ zusammengekommen. Sie soll im Herbst in die Kinos kommen und später auch im Hamme-Forum zu sehen sein.

Eigentlicher Anlass für das besondere Kino-Erlebnis in Ritterhude, das sich jetzt 85 Zuschauer nicht entgehen ließen, war der „Programmpreis“, mit dem das Kino von der Nordmedia ausgezeichnet worden waren (wir berichteten). Die Prämie spendeten die Filmfreunde der Lichtspiele für die Dokumentation „Weserlust Hotel“. Auch „All inclusive“ soll noch einmal im Kino des Hamme-Forums gezeigt werden.

Eike Besuden war am Freitag zu einer weiteren Sneak Preview in den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Osterholz-Scharmbeck zu Gast, um sich den Fragen der Schüler zu stellen. Mehr dazu gibt es im Internet unter http://allinclusive-der-film.de.

„Ich wollte auf humorvolle Weise das Thema Inklusion aufgreifen.“ Eike Besuden, Filmemacher
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