Landkreis Osterholz Bildungsinitiative gegen Schulabbrecher beginnt

Landkreis Osterholz. Bis 2015 soll die Zahl der Schulabbrecher im Landkreis Osterholz um 1,5 Prozent sinken. Dies ist eines der Ziele, die sich die Mitglieder der Qualitätsinitiative 'Beste Bildung' gesetzt haben.
14.08.2010, 08:00
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Bildungsinitiative gegen Schulabbrecher beginnt
Von Brigitte Lange

Landkreis Osterholz. Bis 2015 soll die Zahl der Schulabbrecher im Landkreis Osterholz um 1,5 Prozent sinken. Dies ist eines der Ziele, die sich die Mitglieder der Qualitätsinitiative 'Beste Bildung' gesetzt haben. Eine entsprechende Zielvereinbarung haben sie Donnerstag unterzeichnet. Ein Novum, wie Landrat Dr. Jörg Mielke bemerkte: Zum ersten Mal hätten sich Schulen und der Landkreis Osterholz - in Kooperation mit allen Kreis-Gemeinden - zu solcher Verbindlichkeit entschieden.

'Bildungskonferenzen gibt es schon länger im Landkreis', sagt Dr. Markus Ströhl vom Bildungsamt des Landkreises Osterholz. Dass im Landkreis das Thema Bildungsqualität schwer wiege, sei ebenfalls bekannt. Neu dagegen sei, dass Schulen, Kommunen und Landkreis in dieser Angelegenheit gemeinsam auftreten und mit einer Stimme sprechen. Vor allem die Verbindlichkeit der getroffenen Absprachen hat eine neue Qualität. 'Es gab vorher viele interessante Projekte', erklärt Ströhl. Aber deren Ziele seien nie verbindlich gewesen. Nun wollen sie schul- und gemeindeübergreifend daran arbeiten, 'die Kompetenzen zum lebensbegleitenden und selbstgesteuerten Lernen sowie die fachlichen und sozialen Kompetenzen der Schüler messbar zu verbessern'.

Die Teilnahme an der Initiative ist für die Schulen freiwillig. Und so zücken Donnerstag nicht 49, sondern zehn Schulleiter aus vier von sieben Kreis-Gemeinden ihre Kugelschreiber, um die Vereinbarung mit dem Landkreis zu signieren. 'Alle 49 werden wir nie an einen Tisch bekommen', ist sich Ströhl sicher. Doch der aktuelle Teilnehmerkreis werde wachsen. 'Ich glaube, dass eine ganze Reihe von Schulen auf dem Sprung ist', stimmt ihm Jörg Fanelli-Falcke, Erster Stadtrat von Osterholz-Scharmbeck, bei.

Ein Grund, warum nicht alle Schulen mit von der Bildungs-Partie sind, vermutet Ströhl in der allgemeinen Belastung der Lehrerkollegien. Sie würden vor weiteren Aufgaben zurückscheuen. 'Die Rahmenbedingungen der Schulen sind schwierig, daher kann ich ihre vorsichtige Abwehr verstehen', sagt er.

Die Grundschule Ritterhude hat daraus den Umkehrschluss gezogen. Leiterin Heidrun Ehrhardt-Froese erinnert die Anwesenden, dass Schulen längst zum Qualitätsmanagement verpflichtet seien. Die Selbst- und Fremdbewertung ihrer Arbeit (Evaluation) - die die Teilnahme an der Bildungsinitiative mit sich bringe - gehöre daher bereits zu den Aufgaben der Kollegien. 'Aber durch die Bildungsinitiative ?Beste Bildung? bekommen wir Unterstützung', sagt sie. Die Leiterin der Grundschule Ritterhude betrachtet die Initiative als eine Chance. Sie und ihre Kollegen beteiligen sich daher und haben Ziele erarbeitet, die sie bis zum 31. Juli 2013 erreichen wollen. Zu diesen Zielvereinbarungen gehört zum Beispiel, dass 'die Schüler ... am Ende des vierten Schuljahres in der Lage sind, mit oder ohne Hilfe anderer ihren Lernbedarf festzustellen, ihre Lernziele zu formulieren, menschliche und materielle Lernressourcen zu ermitteln, angemessene Lernstrategien auszuwählen und umzusetzen und ihre Lernergebnisse

zu beurteilen'. Können die Schüler am Ende der Grundschule selbstständig ein Referat halten, sei dies ein Beweis dafür, dass diese Zielsetzung erreicht wurde. 'Und wenn die Schüler das können, können wir sie guten Gewissens auf eine weiterführende Schule schicken', sagt Heidrun Ehrhardt-Froese.

Für die finanzielle Ausstattung der Bildungsinitiative sorgen die Gemeinden und der Landkreis. 'Die Bildungsqualität ist für uns ein ganz wichtiger Standortfaktor geworden', führt Lilienthals Bürgermeister Willy Hollatz als einen Grund dafür an.

Und so haben die Kommunen mit dem Kreis vereinbart, insgesamt 15000 Euro jährlich in einen Bildungsfonds zu zahlen. Die Beitragshöhe der einzelnen Gemeinden richtet sich nach der Einwohnerzahl. Kommunen ohne Schulbeteiligung müssen nicht zahlen. Die beteiligten Schulen ko-finanzieren das Projekt ihrerseits mit einem Euro je Schüler. Und auch der Landkreis ist mit 15000 Euro dabei. Daraus ergebe sich eine jährliche Grundausstattung des Fonds von bis zu 45000 Euro, teilt der Kreis mit.

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