Sophienhof betreibt „solidarische Landwirtschaft“, indem er seine Erzeugnisse gegen Planungssicherheit tauscht

Bio-Bauer versorgt 100 Anteilseigner

Holste. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb „Sophienhof“ in Oldendorf wurde jetzt gefeiert. Bei Hof- und Tierführungen sowie bei Feldrundfahrten mit dem Trecker, beim Pferdereiten oder in gemütlicher Runde bei vielen leckeren Speisen gab es Aktion, Spaß und viel Informationen und Gespräche rund um Hof, Tiere und eine etwas andere Landwirtschaft.
03.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Luise Bär

Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb „Sophienhof“ in Oldendorf wurde jetzt gefeiert. Bei Hof- und Tierführungen sowie bei Feldrundfahrten mit dem Trecker, beim Pferdereiten oder in gemütlicher Runde bei vielen leckeren Speisen gab es Aktion, Spaß und viel Informationen und Gespräche rund um Hof, Tiere und eine etwas andere Landwirtschaft.

Vor zwei Jahren kaufte die Familie Schweighöfer/Pohlmann den Hof, der zehn Jahre lang leer gestanden hatte, um seither Landwirtschaft nach biologisch-dynamischen Richtlinien zu betreiben. Gemeinsam mit dem ebenfalls biologisch-dynamisch arbeitenden Gärtnerhof Oldendorf bildet der Sophienhof zudem eine Hofgemeinschaft. Diese wiederum ist ein Unternehmen ganz besonderer Art, welches unter dem Namen „solidarische Landwirtschaft“ (Solawi) auf einer weltweiten Bewegung basiert, zu der mittlerweile rund 100 Höfe und Gärtnereien in Deutschland zählen. Das Konzept dabei: Die Verbraucher finanzieren mit erworbenen „Ernteanteilen“ die vom Landwirt kalkulierten Betriebskosten für die Erzeugung festgelegter Grundnahrungsmittel. Dafür gibt es pro Ernteanteil jede Woche frisch vom Hof und Feld: Gemüse, Kartoffeln, Eier, Brot und ab und zu Fleisch.

Die Landwirte und Gärtner haben so wirtschaftliche Sicherheit, die sie unabhängig macht von Weltmarktpreisen, Vermarktungsnormen oder den Preisdiktaten der Großabnehmer. Die Verbraucher bekommen frische und gesunde Nahrungsmittel aus der Region; sie unterstützen damit eine vielfältige, kleinbäuerliche und nach ökologischen Gesichtspunkten ausgerichtete Landwirtschaft, in der der Boden als lebender Organismus sorgfältig gepflegt wird und wo Nutztiere ihre artgemäßen Bedürfnisse ausleben können.

Viele der Besucher beim jüngsten Hoffest sind bereits Mitglied im neu gegründeten Verein Solidarische Landwirtschaft Oldendorf, der zurzeit rund 100 Mitglieder zählt. Die Hofgemeinschaft könnte aber noch mehr Menschen ernähren, das Ziel liegt bei 150 bis 200 Ernteanteilen. „Es geht immer einen Schritt weiter“, stellte der gelernte Landwirt Marc Schweighöfer in seiner Begrüßungsrede die Veränderungen im vergangenen Wirtschaftsjahr vor. Als neuer Betriebszweig wurden zuletzt eine Hofbäckerei eingerichtet und die Hühnerhaltung auf 150 Hennen ausgeweitet. Die Nachzucht wird aus eigenen Eiern ausgebrütet; die weiblichen Tiere werden später die Eier legen und die männlichen Tiere nach einem halben Jahr geschlachtet.

Das nächste Projekt ist bereits in Arbeit: Für die Wintervorräte wird gerade eine neue Lagerhalle gebaut. Mit dem Trecker und Anhänger ging es jetzt zu einer Rundfahrt hinaus zu den Feldern und Weiden des Sophienhofs. Stolz wies Schweighöfer auf ein wogendes Roggenfeld mit heranreifendem Korn; das Getreide soll später zu Schwarzbrot verbacken werden. In der biologisch-dynamischen Landwirtschaft werde eine siebenjährige Fruchtfolge eingehalten, erklärte Schweighhöfer. So erhalte der Boden seine Fruchtbarkeit und werde nicht ausgelaugt. Gedüngt wird mit Rindermist und in den Boden eingearbeiteten Zwischenfrüchten.

Wenn auf den hofnahen Weiden der erste Aufwuchs als Heu abgeerntet ist, halten danach 200 Gänse das Gras kurz. Sie wachsen von Mai bis Dezember zu Weihnachtsbraten heran. Erst wenn die Weiden kaum noch etwas hergeben – und für den feinen Fettansatz – gibt es vom hofeigenen Hafer eine Extraportion in die Futtertröge. Die Legehennen werden unterdessen ebenfalls auf den Weiden im Freilauf gehalten. Ihr Stall ist das „Hühnermobil“, ein umgebauter Bauwagen, mit dem sie an leicht an neu Stellen versetzt werden können.

Die zehn Mutterkühe mit ihren Kälbern, dem Welsh-Black-Bullen und der Nachzucht aus dem vergangenen Jahr verbringen die Saison von Frühjahr bis zum Winter auf weiter entfernt liegenden Weiden, die Schweighöfer aus Zeitgründen jetzt nicht angefahren konnte. Die insgesamt 32 robusten Rinder stehen auf recht kargen Flächen, die teilweise unter Naturschutz stehen; als gute Futterverwerter finden sie dort dennoch ausreichend Nahrung – auch für die Kälbermilch.

Für das laufende Anbaujahr werden noch neue Mitglieder aufgenommen, die dann wöchentlich ihre Lebensmittel im Hofladen oder in Depots zwischen Bremen, Bremervörde und Beverstedt abholen können. Möglich sei auch eine Schnuppermitgliedschaft zum Ausprobieren, erklärte Uwe Kesy, Vereinsvorstand der solidarischen Landwirtschaft Oldendorf. Interessierte erfahren Näheres bei Uwe Kesy unter Telefon 04 21 / 45 26 33 oder per E-Mail an vorstand@hofgemeinschaft-oldendorf.de sowie bei Marc Schweighöfer unter Telefon 0 47 48 / 9 47 82 32 und E-Mail an post@sophienhof-oldendorf.de.

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