Experten warnen vor Zecken Biss mit Folgen

Sie haben acht Beine, zwei Kieferklauen, einen Saugrüssel, sind gerade mal drei Millimeter groß – und gehören zu den gefährlichsten Tieren in Deutschland: Zecken.
08.07.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Irene Niehaus und Onno Kutscher

Sie haben acht Beine, zwei Kieferklauen, einen Saugrüssel, sind gerade mal drei Millimeter groß – und gehören zu den gefährlichsten Tieren in Deutschland: Zecken. Sie können auf Menschen Krankheitserreger übertragen, die eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns, die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), oder Borreliose auslösen.

„Je höher die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit, umso aktiver sind die Zecken“, berichtet Heinz-Hermann Holsten, Vorsitzender der Zevener Jägerschaft und pensionierter Tierarzt aus Tarmstedt.

Als FSME-Risikogebiet gelte die Region nicht, weiß Carmen Menzel, Amtsärztin beim Landkreis Rotenburg. In Süddeutschland, aber auch in Südskandinavien und im Baltikum ist die Situation dagegen prekärer. Wer dort lebe oder Urlaub mache, dem empfiehlt Menzel eine Impfung. FSME greift das zentrale Nervensystem an und kann bei schwerem Verlauf zu Langzeitschäden wie Lähmungen der Extremitäten oder auch Hörverlust führen.

In früheren Jahren traten im Kreis Rotenburg nur vereinzelt und ganz selten mal FSME-Erkrankungen auf. „Vielleicht hatten die Betroffenen vorher Urlaub im Süden gemacht“, mutmaßt Heinz-Hermann Holsten.

Körper regelmäßig untersuchen

Holsten, der sich regelmäßig in Wald und auf Wiesen aufhält, rät, Zeckenbisse nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Gefahr, an Borreliose zu erkranken, sei gegeben. „Bei Borreliose ist Deutschland bundesweit ein Risikogebiet“, so Ärztin Menzel. Holsten kennt Jäger, die daran erkrankten. Die Erkrankung kann sehr unterschiedliche Symptome verursachen. An der Stelle des Zeckenbisses kann sich nach Tagen bis Wochen eine ringförmige Rötung ausbilden, deren Durchmesser zunimmt. Im weiteren Verlauf kommt es manchmal zu Nervenschmerzen, Lähmungen, Entzündung von Hirnhäuten aber auch des Rückenmarks und peripherer Nerven. Eine Impfung gibt es nicht.

Wer sich viel in der Natur aufhält, im hohen Gras an Büschen entlang wandert, sollte mit Zecken rechnen, erzählt Holsten. In diesen Tagen kommt er nicht selten mit Dutzenden der Parasiten nach Hause. „Der beste Schutz ist, die Kleidung und den Körper gründlich abzusuchen.“ Bei seinem Hund setzt er auf ein anderes Mittel: der Vierbeiner trägt ein Halsband mit Langzeitschutz und einem Wirkstoff gegen Zecken. Von ihnen gebissen worden ist Holsten aber auch schon. „Wenn man häufig in der Natur ist, kann man das nicht verhindern.“ Dann nimmt Holsten schnell seine Zeckenzange und entfernt das Biest. „Ein paar Tag lang beobachte ich dann die Stelle.“

Ob die Zecken-Population in den vergangenen 30 Jahren in der Region stark angestiegen ist, wie so mancher glaubt, mag Holsten nicht bestätigen. Im Moment seien viele unterwegs, aber das hänge von den Temperaturen ab. Auch viele Rehe seien momentan massiv befallen. „Und wenn es viele Rehe gibt, gibt es auch viele Zecken.“ Um zu verhindern, dass die Parasiten in die Haut eindringen, empfiehlt Holsten, bei Waldspaziergängen lange Hosen, lange Ärmel und festes Schuhwerk zu tragen. Außerdem ist helle Kleidung sinnvoll, denn darauf können Zecken schneller entdeckt werden.

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