Worpsweder Musikherbst

Bläsern die Flüstertöne beigebracht

Mit festlichen Bläserklängen hat das Finale des Worpsweder Musikherbstes aufgetrumpft. Die erstaunlichste Erkenntnis für die meisten Zuhörer: Die Blechinstrumente können auch herrlich flüstern.
02.12.2014, 00:00
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Von Donata Holz
Bläsern die Flüstertöne beigebracht

Ebenso farben- wie facettenreich: der Sound des Bläserquintetts „Schwerpunkt“ beim Worpsweder Musikherbst.

Hans-Henning Hasselberg

Mit festlichen Bläserklängen hat das Finale des Worpsweder Musikherbstes aufgetrumpft. Die erstaunlichste Erkenntnis für die meisten Zuhörer an diesem der Zeitgenössischen Musik gewidmeten Konzertabend in der Bötjerschen Scheune: Die Blechinstrumente können auch herrlich flüstern.

Im Jahre 2009 haben fünf Studenten der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover das Ensemble „Schwerpunkt“ gegründet. Seitdem ist das junge Bläserquintett international aufgetreten und mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet worden. Jetzt gestaltete es das letzte Konzert des diesjährigen Worpsweder Musikherbstes in der Bötjerschen Scheune und bescherte dem Publikum ein eindrucksvolles Klangerlebnis.

Das Ensemble präsentiert ein umfangreiches Programm, in dem es Traditionelles neu arrangiert, aber ebenfalls mit zeitgenössischen Komponisten zusammenarbeitet. Einer dieser Komponisten ist Eres Holz, dessen Werk „Vier Schatten 15“ an diesem Abend gespielt wurde. Dabei handelt es sich um eine Komposition, die der Berliner Senat direkt für das internationale Ensemble „Schwerpunkt“ in Auftrag gegeben hatte.

Luftgeräusche arrangiert

Am Beginn des Abends standen „Mutations from Bach“, mit denen das Quintett den Abend einrahmte und die Zuhörer schon bei den ersten Takten begeisterte. Im Verlauf des Konzertes setzten die Bläser immer wieder Akzente mit ganz ungewöhnlichen Tönen, die sie ihren Instrumenten zu entlocken vermochten. Matthew Sadler und Matthew Brown (Trompete), Cecile Marie Schwagers (Horn) sowie Mikael Rudolfsson (Posaune)und Janne M. Jakobsson (Tuba) bewiesen, dass die Blasinstrumente sowohl ganz leise Töne als auch Windgeräusche hervorbringen können. So in der Komposition des Finnen Jarrko Hartikainen, der mit dem Titel „Radix 11“ zurück zu den Wurzeln der Ursprungsinstrumente gehen will und diese Luftgeräusche arrangierte. Eine faszinierend variationsreiche Komposition, in der die Instrumente geradezu flüstern.

Einen Höhepunkt des Konzerts bildete die Komposition von Eres Holz, der an diesem Abend dabei war und im Vorfeld eine Einführung in sein Werk gab. Zu dem Titel „Vier Schatten 15“ wurde der junge Komponist durch die vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes inspiriert. Er baut das Stück als eine dramatische Reise in den Tod auf. In seiner Musik kommt es Eres Holz auf eine harmonische expressive Sprache an. Um eine poetische Wirkung zu erzielen, nimmt er sogar eine Dekonstruktion der Instrumente vor. So hat er an manchen Stellen den ersten Stimmzug der beiden Trompeten abgenommen Durch diese Art von Handwerk, verbunden mit seiner Dramaturgie, will der Komponist den Zuhörer besonders tief berühren. Das ist ihm gelungen, was der begeisterte Beifall bestätigte. So wie dieses Stück fand das gesamte Konzert große Zustimmungen bei der Gästen, so dass der Beifall den Eindruck vermittelte, es seien doppelt so viele Besucher in der Scheune. Man musste nicht unbedingt mit dieser Sparte der Musik vertraut sein, um mit den fünf Musikern und ihren Interpretationen einen ereignisreichen Abend zu verleben. Das Spektrum von Klangmöglichkeiten, die die jungen Künstler mit ihren Blasinstrumenten ausschöpften, beeindruckte.

Mit diesem Konzert endet der diesjährige Musikherbst, mit dem der Verein „Podium“ die zeitgenössische Kunst in Worpswede mit einer musikalischen Komponente ergänzen möchte. Während in den Museen die zeitgenössische bildende Kunst zu sehen ist, bietet der Musikherbst ein breites Repertoire neuer Musik mit etablierten Interpreten und einem abwechslungsreichen Programm. Ziel ist es dabei, so die Organisatorin Ursula Siefken-Schulte, ein Nischenprodukt „spannend zu vermitteln“. Dieser Ansatz beschert der Veranstaltung Förderungen vom Land Niedersachsen und der Stiftung Niedersachsen. Auch für den Herbst 2015 plant das Podium wieder ein neues Programm, auf das man gespannt sein darf.

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