Vogelkundliche Exkursion mit der Kinderakademie durchs Butendieker Gehölz und die Wümmewiesen

Blaukehlchen und Mittelspecht

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Aus diesem Grund startete die vogelkundliche Exkursion der Lilienthaler Kinderakademie für Kinder und Familien zu solch früher Stunde. Fast 20 Kinder und Erwachsene nahmen das frühmorgendliche Angebot von Dozent Michael Siedenschnur, Vögeln und deren Stimmen in verschiedenen Lebensräumen nachzuspüren, an.[AUTOR]
11.06.2012, 13:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine Von Der Decken

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Aus diesem Grund startete die vogelkundliche Exkursion der Lilienthaler Kinderakademie für Kinder und Familien zu solch früher Stunde. Fast 20 Kinder und Erwachsene nahmen das frühmorgendliche Angebot von Dozent Michael Siedenschnur, Vögeln und deren Stimmen in verschiedenen Lebensräumen nachzuspüren, an.[AUTOR]

Lilienthal. Mit Fahrrad, Fernglas und Vogelbestimmungsbuch ausgerüstet, machten sich die Hobbyornithologen auf den Weg in das Butendieker Gehölz zur ersten Attraktion des Morgens. Hier im schönsten Stück Natur Lilienthals, wie Michael Siedenschnur feststellte, hoffte er den Mittelspecht beobachten zu können. Noch war es früh am Morgen und die Sonne nur zu erahnen. Bis auf die vielen verschiedenen Vogelstimmen herrschte Ruhe im Butendieker Gehölz. „Wir sind so früh unterwegs, damit wir besser hören können“, so der Dozent der Kinderakademie, der auf die Stimmen von Mönchsgrasmücke, Buchfink und Hohltaube aufmerksam machte.

Der erste Stopp fand bei Baum Nummer sechs statt, der einem der vielen im Butendieker Gehölz beheimateten Spechte Unterschlupf gewährt. Es ist das alte Holz, das den verschiedenen Spechtarten Wohnraum und Nahrung bietet. So auch dem Mittelspecht, der vielleicht aus dem Bürgerpark nach Lilienthal auswanderte, wie Siedenschnur vermutete. Zu dieser frühen Zeit versorgte das Vogelpaar in luftiger Höhe in der Spechthöhle seine vier bis fünf Jungen.

Bei Mittelspechts war gerade „Frühstückspause“, als die Kinderakademie durch das Gehölz streifte und damit gute Gelegenheit den seltenen Vogel zu beobachten. Nur für ein Paar Mittelspechte bietet das Butendieker Gehölz Raum, so Siedenschnur, denn hier sind auch Grün- und Buntspechte zu Hause. „Getrommelt“ wurde an diesem Morgen nur vom Buntspecht.

Vögel können besser gucken

„Nicht die Arme hochreißen beim Rausholen der Ferngläser, damit verscheuchen wir die Vögel“, bat Michael Siedenschnur die Teilnehmer, und wies darauf hin, dass Vögel fünf- bis sechsmal besser gucken können als Menschen. Kurze Aufregung herrschte im Wald als Linea (10) ein Eichhörnchen vor der Spechthöhle bemerkte. „Eichhörnchen sind zwar niedliche Tiere, fressen aber Vögel“, klärte Michael Siedenschnur auf. Da aber Mittelspechte als äußerst wehrhaft und aggressiv gelten, bestand an diesem Morgen keine akute Gefahr.

Der Blick durch Fernglas und Spektiv und zur Orientierung immer mal wieder in die Vogelbestimmungsliteratur war an diesem Morgen die typische Vorgehensweise. „Da ist einer“, freuten sich Eltern und Kinder, die durch ihre Ferngläser wie gebannt auf die bewohnte Spechthöhle blickten. In wenigen Tagen schon sind die jungen Vögel bereit zum Ausfliegen, vermutete der Dozent.

In der Natur herrscht ein dauernder Kampf ums Überleben, und Vogelbeobachter sollten den Tieren das Leben nicht noch schwerer machen. Aus diesem Grund bat der Vogelkundler und -liebhaber Siedenschnur, nicht zu nah an den Baumstamm mit der bewohnten Spechthöhle zu treten. Langsam zog die Kälte in Hände und Füße und das frühe Aufstehen machte sich bei dem einen oder anderen Teilnehmer bemerkbar. Trotzdem herrschte andächtiges Schweigen beim Hören auf die Vogelstimmen. Den schönsten Gesang ließ die Amsel, die Siedenschnur als den musikalischsten Vogel bezeichnete, hören.

Weiter ging es mit dem Fahrrad durch das Gehölz in die Wümmewiesen, denn hier wartete mit dem Blaukehlchen die zweite Attraktion des frühen Morgens. Vor Tagen beobachtete der Vogelkundler den seltenen Vogel im hohen Gras. „Vielleicht ist es schon etwas zu spät für den Gesang des Blaukehlchens, das am kräftigsten direkt nach Sonnenaufgang singt“, so Siedenschnur. Aber die Mitglieder der Exkursion hatten auch hier Glück, sie konnten nicht nur ein Exemplar beobachten, sondern auch hören.

Dann machte der auffrischende Wind das Hören der Vogelstimmen schwieriger, die Exkursionsmitglieder nach zwei Stunden aufmerksamen Beobachtens um viele interessante Informationen reicher, aber durchgefroren.

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