Ab April 2014 sind in Landesforsten nur Stahlkugeln erlaubt

Bleifreie Jagd stößt bei Jägern auf Bedenken

Landkreis Osterholz. Im Heidhof-Forst in Brundorf und in den Wäldern der Försterei Hallah in Giehle darf bald nur noch mit bleifreier Munition gejagt werden. Die beiden Revierförstereien im Landkreis Osterholz gehören zu den Landesforsten Niedersachsen und in deren Wäldern ist Jagen mit Blei ab 1. April 2014 verboten. Niedersachsens Forstminister Christian Meyer verspricht sich "weitere Verbesserungen für den Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz". Bleivergiftungen von Greifvögeln, zunehmende Bleibelastungen auf bejagten Flächen und Bleireste im Wildbret hätten zum Handeln gezwungen. "Mit dem Verzicht auf bleifreie Munition übernehmen die niedersächsischen Landesforsten eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung einer ökologisch verträglichen Jagd", so der Minister.
21.06.2013, 05:00
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Von Gabriela Keller
Bleifreie Jagd stößt bei Jägern auf Bedenken

Hans-Jürgen Gieschen

Wilhelm Schütte

Landkreis Osterholz. Im Heidhof-Forst in Brundorf und in den Wäldern der Försterei Hallah in Giehle darf bald nur noch mit bleifreier Munition gejagt werden. Die beiden Revierförstereien im Landkreis Osterholz gehören zu den Landesforsten Niedersachsen und in deren Wäldern ist Jagen mit Blei ab 1. April 2014 verboten. Niedersachsens Forstminister Christian Meyer verspricht sich "weitere Verbesserungen für den Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz". Bleivergiftungen von Greifvögeln, zunehmende Bleibelastungen auf bejagten Flächen und Bleireste im Wildbret hätten zum Handeln gezwungen. "Mit dem Verzicht auf bleifreie Munition übernehmen die niedersächsischen Landesforsten eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung einer ökologisch verträglichen Jagd", so der Minister.

Jäger im Landkreis Osterholz indes sind skeptisch und verunsichert. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Osterholz hält den Schritt für übereilt. "Da wird eine Hysterie geschürt und vorgeprescht. Dabei sind die Forschungsergebnisse noch gar nicht klar", meint Hans-Jürgen Gieschen. Er beruft sich auf Informationen, die kürzlich bei der Mitgliederversammlung der Landesjägerschaft Niedersachsen in Osterholz-Scharmbeck zur Sprache kamen. "Danach steht die Bleibelastung von Wild im Vergleich mit anderen Lebensmitteln ziemlich weit unten in der Rangliste."

Auch Kreisjägermeister Heiko Ehing meint: "Bei der Bleibelastung wurde viel hochgespielt." Untersucht worden seien Tiere, die noch nicht aufgebrochen waren. "Da gab es Blei im Körper." Bei genauerer Betrachtung habe sich aber herausgestellt: "Das Blei steckte nicht im Fleisch, sondern in Stücken, die ausgeweidet und damit gar nicht in den Verzehr gekommen wären."

Die Jäger sehen noch andere offene Fragen und Probleme. Bleifreie Munition aus Zink oder Kupfer habe ein anderes Abprallverhalten als eine Bleikugel, gibt der Vorsitzende der Kreisjägerschaft zu bedenken. "Blei zersplittert, wenn es auf einen Widerstand trifft, eine bleifreie Kugel nicht. Sie kann den Tierkörper durchschlagen." Wenn sie dann auf einen Baum treffe und abpralle, könne das dem Waidmann gefährlich werden. "Die Gefährdung für die Jäger ist bei bleifreier Munition größer", meint Gieschen. Ein Problem, das auch Herbert Poppe. Leiter des Hegerings 3 in Schwanewede-Neuenkirchen, sieht."Bleimunition zerlegt sich im Tierkörper, die Splitter fallen nach dem Austritt schnell zu Boden. Die Flugbahn einer Stahlkugel aber ist unberechenbar", sagt Poppe.

Was den Jägern Sorge macht, ist die Wirkung auf das Tier, das sie im Visier haben. "Wir wissen nicht, wie sich eine Stahlkugel im Körper des Wildes verhält", so Poppe. "Das Tier sollte nach dem Schuss in unmittelbarer Nähe zum Erliegen kommen. Das entspricht einer artgerechten Jagd". Die Befürchtung der Jäger: Bei bleifreien Geschossen, die im Körper nicht zersplittern und Organe nicht sofort zerstören, müsse sich das Tier vor seinen Tod länger quälen. "Das ist kein waidgerechtes Jagen", sagt der Hegering-Leiter. Weil es aus Jägersicht noch zu wenig gesicherte Erkenntnisse mit der Wirkung der bleifreien Munition gibt, hält Poppe die geplante Einführung zum 1. April 2014 für verfrüht. "Für uns kommt das sehr schnell. Wir brauchen mehr Zeit, um Erfahrungen zusammeln."

Reiner Baumgart, Sprecher für die Region Nordost bei den Niedersächsischen Landesforsten, kann die Bedenken der Jäger nicht nachvollziehen. In mehreren Untersuchungen seien das Abprallverhalten und die Tötungssicherheit von bleifreier und bleihaltiger Munition verglichen worden. Mit dem Ergebnis: "Die Studien haben eindeutig belegt, dass es keine signifikanten Unterschiede gibt."

Heidhof-Förster Bernd Wiedenroth in Brundorf hat mit der Einführung der bleifreien Munition keine Probleme. "Die Entscheidung ist gut", findet. er. Schließlich sei Blei "hochgiftig". Er denkt dabei vor allem an den Tierschutz. "Das Blei reichert sich bis zum Ende der Nahrungskette an, das ist aus Forschungen bekannt. Das gilt auch für das Wildbret."Nach dem Willen von Forstminister Christian Meyer soll in Zukunft nicht nur in den Landesforsten bleifrei angesagt sein. "Mein Ziel ist es, dass mittelfristig in ganz Niedersachsen ausschließlich bleifrei gejagt wird."

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