Wildblumen-Projekt der Initiative „Osterholz-Scharmbeck summt“ stößt auf große Resonanz

Blühende Beete für die Biene

Osterholz-Scharmbeck. Auf den Tischen im Rathaussaal lagen „Bomben“. Samenbomben, die auf Frei- und Grünflächen geworfen werden, um für bunte Blumenwiesen zu sorgen.
26.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Auf den Tischen im Rathaussaal lagen „Bomben“. Samenbomben, die auf Frei- und Grünflächen geworfen werden, um für bunte Blumenwiesen zu sorgen. Der Imkerverein und die Stadt Osterholz-Scharmbeck wollen Bienen und Hummeln indes vor allem mit sogenannten Wildblumenmatten neuen Lebensraum schenken. Für ihr Projekt „Osterholz-Scharmbeck summt“ konnte Initiatorin Maja Langsdorff denn auch in diesem Jahr zahlreiche Landkreisbewohner begeistern. Einige wurden jetzt im Rathaus geehrt.

Bienen leben schon seit rund 100 Millionen Jahren auf der Erde. Zwei Drittel unserer Nahrungsmittel würde es ohne sie nicht geben. Doch „Maja“ ist in Not. Pestizide, Varroamilbe und Monokulturen auf den Feldern nehmen ihr die Lebensgrundlagen. Das 2010 in Berlin gestartete Projekt „Deutschland summt“ weist auf die bedrohliche Lage der Bienen und Hummeln hin. Im vergangenen Jahr hat sich die Kreisstadt der Initiative angeschlossen.

Die Idee, auch die Gartenstadt am Teufelsmoor summen zu lassen, hatte die damalige Kreisvorsitzende der hiesigen Imker, Maja Langsdorff. Unterstützung fand sie beim damaligen Bürgermeister Martin Wagener und seinem Nachfolger Torsten Rohde. Dessen Stellvertreterin Martina de Wolff betonte am Donnerstag im kleinen Rathaussaal, dass Natur- und Umweltschutz eine zunehmend wichtigere Rolle auch in der Politik der Kreisstadt spielten.

Eingeladen zu der „kleinen Feierstunde“ hatte Maja Langsdorff die Gewinner des diesjährigen Wildblumenmatten-Projekts von „Osterholz-Scharmbeck summt“. Die Kreisstadt-Imkerin bezeichnete sie als menschliche Blühsponsoren und Summpaten. Weil sie in ihren Gärten Wildblumenwiesen verlegt hätten, sozusagen Mini-Lebensräume voller wertvoller Blühpflanzen für heimische Insekten.

Insgesamt sind in diesem Jahr 419 Quadratmeter des Landkreises mit Wildblumenmatten bepflanzt worden. Von Schulklassen, Kindertagesstätten und über 70 Einzelpersonen. Ihre Namen fanden sich auf Zetteln in einer Lostrommel wieder; Kinder der Osterholz-Scharmbecker Kita Berliner Straße ermittelten die Gewinner des Summ-Projekts 2015: Birgit Autrata, Familie Niederhausen, Marc und Britta Westrich, Katharina Kück, Klaus Oberer, Gaby Duschl-Vogt und Andree Heinrichs. Darüber hinaus gingen Preise an die Kindertagesstätten Löhnhorst und Berliner Straße, an die Grundschulen Seebergen und Hambergen sowie an die Heideschule Schwanewede und die Findorffschule. Die Gewinner konnten Gutscheine für Beerensträucher, für einen Imkerlehrgang oder einen Großeinkauf im Bio-Markt entgegen nehmen; außerdem Insektenhotels und illustrierte Naturführer. Gesponsert wurden die Preise von örtlichen Geschäften, Vereinen und Verlagen. Martina de Wolff lobte ausdrücklich die Arbeit von Maja Langsdorff und dem Wildbienenexperten Oliver Kwetschlich. Sie hätten großes persönliches Engagement gezeigt und den Erfolg von „Osterholz-Scharmbeck summt“ erst möglich gemacht.

Projekt in Eigenregie

Tatsächlich ist es ihnen zu verdanken, dass die Aktion zugunsten von Biene, Hummel und Co. auch ohne feste Trägerschaft in die zweite Runde gehen konnte. Die Berliner „Stiftung für Mensch und Umwelt“, die hinter der Initiative „Deutschland summt“ steht, will die Trägerschaft künftig zwar ausschließlich Natur-, Artenschutz- und Umweltorganisationen übertragen. In der Kreisstadt wäre aus Sicht der Stiftung die Biologische Station der ideale Partner gewesen. Dort aber winkte man aufgrund großer Arbeitsbelastung ab. Deshalb standen Maja Langsdorff und Oliver Kwetschlich vor der Aufgabe, das Summ-Projekt in Eigenregie zu realisieren. Dafür benötigten sie die Unterstützung von Gartenbesitzern, Naturfreunden und Umweltschützern. Die Resonanz, so Langsdorff, sei erfreulich groß gewesen. Die Gewinner des Wildblumenmatten-Projekts konnten sich derweil an der musikalischen Umrahmung der Feierstunde im Rathaus erfreuen. Dafür sorgte die zehnjährige Juliane Fischer aus Ohlenstedt mit ihrer Geige. Sie hatte den Erntefest-Talentwettbewerb 2015 gewonnen.

Etliche triste Fleckchen Erde in der Kreisstadt könnten im nächsten Frühjahr übrigens ebenfalls aufblühen. Dafür hätten dann die Samenbomben für die Teilnehmer der Feierstunde im Rathaussaal gesorgt. „Bomben“-Erfinder Richard Reynolds aus London machte damit in den 1970-er Jahren das „Guerilla Gardening“ bekannt. Aus gegen die Monokulturen des Spießbürgertums und für eine bunte Stadt.

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