Grünes Licht für „Teststrecke“

Blühende Streifen für Bienen und Schmetterlinge

Sabine Alpers von den Grasberger Grünen wollte schon länger das Projekt Blühstreifen ausprobieren. Jetzt bekam sie grünes Licht für eine „Teststrecke“.
14.06.2017, 17:29
Lesedauer: 3 Min
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Blühende Streifen für Bienen und Schmetterlinge
Von Undine Zeidler
Blühende Streifen für Bienen und Schmetterlinge

Insektenfutter und Augenschmaus soll es auch bald in Grasberger Grünstreifen geben: Sabine Alpers testet dort das Projekt Blühstreifen.

Hannelore Johannesdotter

Grasberg. Noch gleichen sie grünen Winzlingen, diese kleinen Blütenblätter. Als Paare schieben sie sich aus der Erde, jedes kaum drei Millimeter groß. Für Sabine Alpers sind sie groß genug. Sie hockt am Straßenrand vor ihrem Grundstück an der Grasdorfer Straße und freut sich, dass die Saat aufgeht. Vor wenigen Tagen erst hatte sie die Samen erst auf dem rund 100 Meter langen Grünstreifen verstreut. Sie nennt es ihre „Teststrecke“.

Nicht nur, dass hier der Prototyp für künftige Grasberger Blühstreifen heranwächst. Sie testet auf dem Streifen auch das Saatgut verschiedener Anbieter, von Baumarkt bis zertifiziert, damit schon bald auf ausgewählten Grasberger Wiesen und Randstreifen üppiges Futter für Schmetterlinge und Co heranwachsen kann. Dafür setzten sich die Grasberger Grünen ein und hoffen, dass viele Grasberger mitmachen werden, denn es soll nach Alpers Willen eine „Gemeinschaftsarbeit“ werden.

Die Vision von den Blumenwiesen beschäftigt Sabine Alpers schon eine Weile. Gestartet ist sie mit der Idee, dass die Grünstreifen in den Grasberger Außenbereichen bunt werden sollten. Alpers schlug im Frühling vor, dies könne in Form von Patenschaften vor den eigenen Grundstücken geschehen, so wie die ersten Blumen jetzt bei ihr heranwachsen. Denn eines war für Sabine Alpers von vorn herein klar, die Gemeinde sollte das Projekt kein zusätzliches Geld kosten. „Da wollte die Gemeinde erst nicht so recht ran.“ Fragen nach Haftung standen im Raum und was geschehe, wenn jemand keine Lust mehr habe, seine Blumenwiese zu pflegen. Danach verschwand das Thema irgendwie von der Tagesordnung, bis Alpers nun aus dem Rathaus erfuhr: „Ihr habt grünes Licht für die Teststrecke.“

„Grundsätzlich ist der Gedanke schön“, kommentiert Bürgermeisterin Marion Schorfmann auf Nachfrage dieser Zeitung das Blühstreifen-Projekt. Nachdem sich die Verwaltung mit Verantwortlichen des Landkreises Osterholz über die Thematik unterhalten hatte, war klar: Erst einmal sollte es eine Teststrecke geben, diese aber „bitte nicht direkt neben der Fahrbahn“. Sicherheit geht vor. Zwischen hohen Blumen und Gräsern könne schnell ein Tier auf die Fahrbahn laufen und der Bewuchs könne weitere Tiere anlocken, so Schorfmann. Ein Grünstreifen zwischen Graben und Radweg, so wie bei Sabine Alpers in der Grasdorfer Straße kam hingegen bestens infrage dafür.

Außerdem benannte die Verwaltung Grasbergs weitere Grünflächen, die im Rahmen von Patenschaften in Blumenwiesen umgewandelt werden können. Diese wollen die Grünen sich nun anschauen. Egal wo später Margeriten, Mohnblumen, Glockenblumen und Gräser ihre Blüten und Halme im Wind wiegen, Marion Schorfmann betont: „Mir ist wichtig, dass das die Nachbarn auch wollen.“ Und es brauche jemanden, der die Pflege solch einer Wiese in die Hand nehme. So sieht es auch Sabine Alpers von den Grünen und hofft auf Grasberger, die Patenschaften für solcherart Blumenwiesen übernehmen. Eine könnte beispielsweise hinterm Findorffhof heranwachsen. Alpers sagt: „Die würde mir persönlich am Herzen liegen.“ Auch als kleine Entschädigung für den Wegfall des Spielplatzes im Grünen Winkel. „Mal sehen, ob die Bürger das auch so sehen“, ist sie gespannt.

Die Grüne will nun bei den Grasbergern werben: „Wer hat Lust, mit uns eine Fläche zu bestellen?“ Welcher Samen auf die Wiese soll, danach hat sie lange gesucht. Und möglichst einfach soll alles ablaufen. Sie hat sich für eine Blühmischung entschieden, bei der es genügt, die bisherige Wiese bis auf die Grasnabe abzumähen, den Boden leicht aufzuharken, den Samen zu verstreuen und bei großen Flächen zuwalzen. „Das ist relativ pflegeleicht“, sagt sie, „und gelingt auch auf magerem Boden.“ Mehr Arbeit mache solch ein Blühstreifen in der Summe auch nicht. Im Gegenteil: Wer Rasen kurz hält, müsse in einem feuchten Sommer aller drei Wochen mähen. Beim Blühstreifen reicht einmal im Herbst. Sie schmunzelt: „Genau genommen ist es weniger Arbeit.“ Und hilft nicht nur, Futter und Unterschlupf für Insekten zu schaffen, sonder auch die Artenvielfalt der Wiesenblumen zu bewahren. Das muss übrigens nicht nur im öffentlichen Raum und an Straßenrändern stattfinden, führt Marion Schorfmann die Idee weiter. Jeder könne daheim in seinem Garten auch einen Streifen seines Rasens oder eines Beetes in solch ein blühendes Insektenparadies verwandeln.

„Ein Blühstreifen macht nicht mehr Arbeit als Rasen. Im Gegenteil.“ Sabine Alpers
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