Serie "Mit dem Rad ins Grüne" Teil 6 Borgfelds grüne Seite an der Wümme

Lilienthal/Borgfeld . Diesen Schlenker gönnen wir uns. Wir wollen wissen, wie es sich auf der neuen Wümmebrücke fahren lässt. Sowohl Brücke als auch Radweg sind in allerbestem Zustand und sind angenehmer Auftakt einer Tour durch die Stadtteile Borgfeld und Oberneuland.
30.06.2010, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Göckeritz

Lilienthal/Borgfeld . Diesen Schlenker gönnen wir uns. Schließlich wollen wir wissen, wie es sich auf der neuen Wümmebrücke von Trupe nach Borgfeld fahren lässt. Die Antwort fällt eindeutig aus. Sowohl Brücke als auch Radweg sind in allerbestem Zustand und sorgen für den angenehmen Auftakt einer Tour durch die Stadtteile Borgfeld und Oberneuland.

Die Taschen sind gepackt, die Mineralwasserflaschen gut gefüllt und die Reifen beim Start am Borgfelder Landhaus gut aufgepumpt. Der kurze Weg hinüber über die Wümme würde über die Hauptstraße führen. Doch der kurze Abstecher durch das alte Dorf Trupe und zur neuen Brücke lohnt allemal. Unter hohen Bäumen geht es in Richtung Entlastungsstraße, und nach wenigen hundert Metern liegt das neue Brückenbauwerk vor uns. Hier treffen Moderne und Borgfelder Geschichte das erste Mal aufeinander. An dieser Stelle stand bis vor wenigen Jahren die ehemalige Jan-Reiners-Brücke. Der Name erinnert an Zeiten, als über die Querung eine Kleinbahn mit dem Namen Jan Reiners über die Wümme schaukelte - eine Kleinbahn, die Bremen mit Lilienthal und Tarmstedt in der Zeit von 1900 bis 1954 verband.

Erinnerungen an Jan Reiners

Die Kleinbahn transportierte Wirtschaftsgüter und Pendler, bekannt war sie auch als Ausflugsbahn vieler Bremer zu den Kaffeehäusern in Lilienthal. Unsere Tour führt über die Wümme, wo sich Ebbe und Flut auswirken und an einem kleinen stählernen Denkmal vorbei, das an die Jan-Reiners-Brücke und den Zug erinnert, in Richtung Borgfelder Deich. Rechterhand geht es auf dem Deich in Richtung Kuhsiel, geradeaus in Richtung neues Borgfeld. Dort, in Borgfeld-West, ist die Antwort der Bremer Politiker und Planer auf die Landflucht in Richtung niedersächsisches Umland aus nächster Nähe zu sehen. Einzel- und Reihenhäuser sind auf die Bedürfnisse junger Familien zugeschnitten und haben wie schon im älteren Baugebiet Borgfeld-Ost ganz offensichtlich deren Interesse gefunden. Die Bevölkerungszahl Borgfelds hat sich innerhalb kurzer Zeit auf 8000 Menschen verdoppelt.

Vorbei an neuen Häusern führt unser Weg über den Hamfhofsweg an der Endstation der Straßenbahnlinie 4 vorbei und auf den Überweg an der Borgfelder Allee ins alte Borgfeld. Am Marktplatz haben die Borgfelder eine alte Linde gepflanzt, wenig später taucht auf der rechten Seite die Borgfelder Kirche auf. Schräg gegenüber ein kleiner Park, an dessen Eingang eine Büste an den ehemaligen und bodenständigen Bremer Bürgermeister WilhelmKaisen erinnert. Dies ist auch der Ort im 775 Jahre alten Borgfeld, wo die Bürger im Mittelalter ihre Abgaben abliefern mussten und wo eine Gastwirtschaft stand, die insbesondere bei den Bootsfahrern auf der Wümme sehr beliebt war.

Doch die Wümme lassen wir links liegen. Am Ortsamt mit Heimatarchiv und der Polizeistation biegen wir rechts ab und radeln in gemächlichem Tempo an der Grundschule und am Gemeindehaus vorbei. Die alte Borgfelder Grundschule hat übrigens ein blaues Klassenzimmer: einen Teich an der nahen Wümme. Nach wenigen hundert Metern biegen wir in die Katrepeler Landstraße ein und kommen an einem Anwesen vorbei, in dem Nachkommen des letzten deutschen Kaisers leben. Gleich nebenan bietet ein Biolandwirt gesundes Fleisch und mehr aus grüner Produktion an. Man könnte hier einen kleinen Halt einlegen und sich für die weitere Tour noch einmal stärken. Andererseits - mit vollem Magen fährt es sich bekanntlich weniger gut. Also belassen wir es bei einem Schluck aus der Pulle und biegen am Ende der Landstraße nach links auf den Holler Deich ein. Die Aussicht ist schlicht überwältigend.

Hier breiten sich die Wümmewiesen in ihrer ganzen Pracht aus, und man hat schnell eine Ahnung und einen Eindruck davon, warum am Rande Borgfelds das größte bremische Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Irgendwo auf der linken Seite fließt die Wümme, die in der Lüneburger Heide entspringt und bei Ritterhude in die Hamme mündet. An diesem Stück zeigen sich der Fluss und seine Landschaft sicherlich von ihrer schönsten Seite. Wer mehr über das ökologisch wertvolle Gebiet erfahren möchte: Eine Informations- und Aussichtsplattform verrät mehr.

Wir steigen wieder auf und rollen auf gutem Asphalt weiter in Richtung Oberneuland zur Hodenberger Diele, eine Gastwirtschaft im besten Sinne. Gleichzeitig für uns der Abschied vom Hodenberger Deich und dem hohen Himmel über den Wümmewiesen. Wir sind am Wendepunkt unserer Tour durch Borgfeld und Oberneuland angekommen und radeln nun die Hodenberger Straße entlang nach Oberneuland - an Parks und Gärten vorbei zur Oberneulander Kirche. Gleich nebenan liegt das Bistro und Restaurant Oberneulander's mit einer Terrasse und viel Platz zum Abstellen der Fahrräder.

Auf dem Rückweg in Richtung Borgfeld fahren wir an Muhles Park, Höpkens Ruh und Heinekens Park entlang. An der Einmündung zur Upper Borg biegen wir rechts ab und rollen in Richtung Borgfeld. Ein Abstecher ist indes Pflicht. Am Rethfeldsfleet hat der Altbürgermeister Wilhelm Kaisen auf einer Hofstelle gelebt. Ein kleines Museum vermittelt einen guten Eindruck, warum Bremens erster Mann als außerordentlich bodenständig galt. Zurück geht es wieder über die Upper Borg in Richtung Katrepeler Landstraße. Für den Weg zum Borgfelder Landhaus wählen wir die Route über die alte Borgfelder Wümmebrücke. Noch einmal geht der Blick über das Wasser und die weite Wiesenlandschaft, bevor sich der Kreis nach einer kurzen Fahrt auf der Warfer Landstraße zum Landhaus schließt.

Streckenlänge:rund 18 Kilometer

Schwierigkeit:keine, auch für Senioren bestens geeignet, für Kinder wegen der Länge der Tour weniger

Straßen und Wege:in gutem Zustand

Einkehrmöglichkeiten:

Borgfelder Landhaus, Warfer Landstraße, Telefon 0421/ 277 71 47, geöffnet montags bis sonnabends, 12 bis 0 Uhr, sonntags 12 bis 22 Uhr

Magnolia, Borgfelder Heerstraße, Telefon 0421/ 207 09 90, geöffnet montags bis freitags, 12 bis 15 Uhr sowie 18 bis 24 Uhr, sonnabends und sonntags 12 bis 24 Uhr

Confetti's, Borgfelder Heerstraße 57, Ruf 0421 / 27 22 12, geöffnet von 11 bis 23 Uhr

Borgfelder Landwirtschaft, Borgfelder Landstraße 11, Ruf 0421 / 27 35 66, geöffnet, montags und freitags ab 16 Uhr, dienstags, sonnabends und sonntags ab 11 Uhr, mittwochs und donnerstags Ruhetage

Zum Dorfkrug, Borgfelder Landstraße, Telefon 0421 / 27 55 88, geöffnet montags, sonnabends und sonntags ab 11 Uhr, mittwochs, donnerstags und freitags ab 18 Uhr, dienstags Ruhetag;

Hodenberger Diele, am Hodenberger Deich, Telefon 0421 / 25 33 93, geöffnet täglich ab 10 Uhr, dienstags Ruhetag

Oberneulanders, Oberneulander Landstraße 43, Telefon 0421 / 364 85 37, geöffnet täglich von 11 bis 24 Uhr

Herman'Post, Oberneulander Landstraße 165, Telefon 0421 / 25 17 37, geöffnet 12 bis 14.30 Uhr und 17.30 bis 22 Uhr, montags Ruhetag.

 

 

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