Experten zapfen Grundwasser in Gärten an

Brunnenbauer haben Aufträge ohne Ende

Nach der Hitzewelle haben Gartenbrunnen Hochkonjunktur. Die Brunnenbauer in der Region können sich vor Aufträgen kaum retten.
28.06.2018, 07:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke
Brunnenbauer haben Aufträge ohne Ende

Die Borgfelder Firma Bremer Grundwasser.de spült das Brunnenrohr fünf bis zehn Meter tief in die Erde. Das Wasser dafür bringt sie eigens in einer Wanne mit.

Christian Kosak

Lilienthal. Die Hitzewelle ist vorbei. Fünf, sechs Wochen strahlte die Sonne vom Himmel, Gärten drohten auszudörren. Dann kam das Verbot des Wasser- und Abwasserverbandes Osterholz (WAV), Rasen und Beete mit dem kostbaren Trinkwasser zu sprengen (wir berichteten). Es gibt eine Alternative: Gartenbrunnen mit Pumpen, die Grundwasser aus dem Boden saugen. Das spricht sich in heißen Phasen schnell herum. Die Nachfrage ist steil nach oben geschossen, die Brunnenbauer kommen mit der Arbeit kaum noch hinterher. "Fünf bis sechs Wochen Wartezeit, das hatten wir noch nie", klagt Reinhard Rohdenburg, Geschäftsführer der R&R Pumpentechnik GmbH in Fischerhude. "Wenn die Sonne knallt, stehen die Telefone nicht mehr still. Man kann doch auch Brunnen bauen, wenn es regnet."

Torsten Szameitat, Inhaber des Unternehmens Bremer Grundwasser.de an der Borgfelder Heerstraße, kennt das Problem: "Wir kriegen jeden Tag bis zu hundert Anrufe." Vor ein paar Tagen hat Bremer Grundwasser allein in Lilienthal drei Gartenbrunnen gebohrt. Außerdem waren die Brunnenbauer in Oberneuland unterwegs.

Reinhard Rohdenburg und sein Geschäftsführer-Kollege Bernd Raasch werben für die Gartenbrunnen. Es gehe ihnen nicht um Werbung in eigener Sache, schwören sie. Die brauchen sie nach eigenen Angaben momentan gar nicht, im Gegenteil. Momentan kann sich der zertifizierte Fachbetrieb an der Grenze zur Gemeinde Grasberg nach ihrer Schilderung kaum retten vor Aufträgen. Zum Bewässern von Gärten und Rasenflächen sei das Trinkwasser viel zu schade, findet Rohdenburg. "Trinkwasser ist unser wichtigstes Gut, ein Grundnahrungsmittel." Das betonen auch die Osterholzer Stadtwerke immer wieder.

Grundwasser nicht schadstofffrei

Um das Grundwasser anzuzapfen, bohrt die R&R Pumpentechnik GmbH acht bis zehn Meter tief. "Wenn man tiefer geht als fünf bis sechs Meter, ist die Gefahr, dass das Wasser Nitrate und andere landwirtschaftliche Rückstände enthält, geringer", erklärt Reinhard Rohdenburg. Schadstofffrei ist das Grundwasser aber keineswegs. Es enthält Eisen und Mangan, chemische Elemente, die in den Wasserwerken herausgefiltert werden. "Es handelt sich um Nutzwasser, auf gar keinen Fall um Trinkwasser", warnt Rohdenburg. Es eignet sich dazu, Gärten zu sprengen, aber nicht für Planschbecken und Swimming Pools. Genau das bestätigt Torsten Szameitat, der Chef des Unternehmens Bremer Grundwasser.

Wichtig sei eine Quarzkies-Schüttung ganz unten in der Erde um den etwa zwei Meter langen Filter herum, erklärt Rohdenburg. Das erhöhe die Lebensdauer des Filters, steigere die Saugleistung und halte Schwebstoffe fern. Rohdenburg rät dazu, eine Pumpe mit genug Druck für zwei, drei oder vier Sprenger zu wählen. Dann fließt das Wasser über einen Verteiler gleichzeitig in zwei oder mehrere Schläuche. Das spare Stromkosten und sei umweltschonender, sagt der Experte. Sein Unternehmen installiert auch größere Brunnen und Feldberegnungsanlagen für Landwirte. "Feuerlöschbrunnen machen wir auch."

Der Bremer-Grundwasser-Inhaber Torsten Szameitat rät dazu, beim Pumpenkauf auf Qualität zu achten und keine Billigpumpen zu wählen. Sein Unternehmen ist seit zwölf Jahren im Geschäft. Es spült die langen Brunnenrohre mit Wasser in den Gartenboden ein, in der Regel fünf bis zehn Meter tief, je nach Untergrund: "Bis wir auf Sand stoßen." Das Wasser zum Spülen bringe die Firma mit, sagt Szameteit. "Wir stellen eine Vorratswanne daneben. Wir können auch in Beeten und an Terrassen spülen, alles sehr sauber." Eine Kiesschüttung um den Filter herum sei auch beim Borgfelder Unternehmen Standard, betont der Inhaber.

Gute Pumpe bis acht Meter

Brunnen für saugende Pumpen kosten bei den Firmen um die 300 Euro, die Borgfelder bieten ihn für 269 Euro als Festpreis an. Dazu kommt der Preis der Pumpe, rund 300 Euro. Uwe Helmke, Geschäftsführer der HG Anlagentechnik an der Ottersteiner Straße in Grasberg empfiehlt die kostengünstige Variante mit saugenden Pumpen aber nur bis zu einer Tiefe von acht Metern. "Bei acht Metern ist mit guten Pumpen Schluss", sagt Helmke. "Tiefer als acht Meter kann man nicht ansaugen. Da spielt die Physik nicht mit." Die Alternative wäre nach seinen Worten ein größerer Brunnen mit einer Pumpe in einer Tiefe von zwölf bis 20 Metern. Der würde dann aber gleich 2500 bis 3000 Euro kosten. Von fünf Meter tiefen Brunnen hält Helmke gar nichts: "Wenn in trockenen Jahren der Grundwasserspiegel sinkt, zieht der Filter Luft, und es kommt kein Wasser." Er rät auch von nicht gebohrten, nur mit Wasser eingespülten Brunnen ab. Gebohrte Brunnen hielten 20 Jahre oder länger, bei gespülten Brunnen könne nach sieben, acht Jahren Schluss sein.

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