Probleme mit dem Buchsbaumzünsler

Kleine Raupe sorgt im Kreis Osterholz für großen Ärger

Die Berichte aus Süddeutschland über den Buchsbaumzünsler sind alles andere als gut. Nun ist er im Norden angekommen. Doch ein Fachmann macht Hoffnung.
19.08.2020, 05:36
Lesedauer: 4 Min
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Kleine Raupe sorgt im Kreis Osterholz für großen Ärger
Von Brigitte Lange

Seit einigen Tagen gibt es unter den Kunden der Raisa in Osterholz-Scharmbeck fast nur ein Thema: „Jeder Zweite, der kommt, hat Probleme mit dem Buchsbaumzünsler“, berichtet Raisa-Mitarbeiterin Marion Schmidt. Als jüngst eine ihrer Kolleginnen einem Kunden die möglichen Mittel erklärte, mit der er diese Raupe vielleicht aus seinem Buchs kriegen könnte, habe sich um die beiden sogar eine kleine Menschentraube gebildet.

„Aus dem Nichts ist der Buchsbaumzünsler nicht bei uns aufgetaucht“, sagt Sicco Brons von der gleichnamigen Baumschule in Ritterhude. Seit gut zwei Jahren hätten seine Kunden bereits mit ihm zu tun. Das stimmt mit den Beobachtungen der Raisa-Mitarbeiter überein. Im vorigen Jahr seien die ersten Kunden wegen der Raupe zu ihnen gekommen und wollten Algenkalk. „Jetzt wollen alle spritzen“, so Schmidt.

„Der Buchsbaumzünsler breitet sich immer mehr aus“, bestätigt Brons. Die Raupe ist aus Ostasien eingeschleppt und 2007 erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Seitdem wandert sie von Süddeutschland aus kommend, wo sie für einen Kahlschlag unter den Buchsbäumen gesorgt hat, weiter gen Norden. Die steigenden Temperaturen machen es möglich. „Die Raupe hat keine natürlichen Fressfeinde“, sagt Brons. Die seien dem Einwanderer nicht ins Land gefolgt. Und da der Buchsbaumzünsler in zwei Generationen im Jahr auftrete, vermehre er sich rasch: „Das potenziert sich.“

Im Ritterhuder Rathaus-Garten ist Buchs ein gestalterisches Element und eventuell befallen. „Wir sind von einer Bürgerin darauf hingewiesen worden“, bestätigt Verwaltungsmitarbeiterin Sabine Sameluck. Sie habe sich daraufhin die Pflanzen angeschaut. Tatsächlich sitze eine Raupe drin. Ob es sich um den gefürchteten Zünsler handelt, könne sie nicht sagen. Sicher erkennen würde sie nur den Falter und der sei nachtaktiv. Die Gemeinde ziehe nun einen Fachmann hinzu, um zu klären, ob es sich tatsächlich um den Buchsbaumzünsler handelt. Sollte er es sein, müssten sie gucken, wie sie gegen ihn vorgehen. „Wir spritzen eigentlich nicht im Gemeindegebiet“, sagt Sameluck. „Das sehe ich sehr kritisch.“ Im schlimmsten Fall müssten sie den Buchs entfernen und eine Alternativ-Pflanze setzen.

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„Das passende Mittel zu finden, ist schwierig“, meint Gartenbau-Experte Sicco Brons. Eine Möglichkeit sei, „Bacillus thuringiensis“ anzuwenden. Ein natürliches Insektizid, das von den Raupen beim Fressen aufgenommen werden muss. Präparate mit diesem Insektizid, wie etwa Dipel und Xentari, führten rasch nach der Spritzung zu einem Fraßstopp und zum späteren Absterben der Raupen.

Frieder Lüße, im Fachbereich Stadtplanung und Bauen für alles Grün der Kreisstadt zuständig, würde im ersten Schritt noch zurückhaltender vorgehen. Sei der Befall nicht so stark, würde er die Raupen absammeln. Unterstützend würde er die Büsche mit einem Hausmittel, das Seife enthält, abspritzen und so die Raupen quasi von der Pflanze abwaschen. Ob das funktioniert, musste er bisher nicht testen. „Wir haben Buchs nur an zwei Verkehrskreiseln gepflanzt und dort habe ich keinen Befallen gesehen“, teilt er der Redaktion auf Nachfrage mit. Ähnlich lautet die Antwort der Samtgemeinde Hambergen: Kein Befall auf ihren eigenen Flächen.

Die Raupe des Buchsbaumzünslers ist nicht die einzige, die ganze Büsche und Bäume kahl frisst. In der Regel überstehen dies die Pflanzen. Das Problem mit dem Buchsbaumzünsler sei seine extrem starke Vermehrung, erklärt Heinrich Beltz. Er ist Versuchsleiter bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Bad Zwischenahn, die mit der Niedersächsischen Gartenakademie zusammenarbeitet. Einen Buchs der Größe zwei mal einen Meter hätten 150 Raupen in zwei Wochen kahl gefressen. Er sterbe ab: „Die Raupe geht bis an die Rinde.“ Zehn Raupen seien dagegen für einen solchen Busch keine Gefahr. Wie gegen den Zünsler vorgegangen werde, hänge daher von der Stärke des Befalls ab.

Als der Buchsbaumzünsler eingeschleppt wurde, habe er sich erst in Süddeutschland explosionsartig mit erheblichen Folgen ausgebreitet. „Inzwischen haben auch wir hier Buchsbaumzünsler“, sagt Beltz. Nur dass er sich im Nordwesten nicht so schnell zu vermehren scheine. Er kenne viele Gärten, in denen die Raupe bereits im Buchs sitze und das seit Jahren, ohne dass der Buchs absterbe. „Natürlich gibt es auch bei uns Gärten, in denen der Bestand explodiert“, räumt Beltz ein. Er vermutet allerdings, dass in diesen Gärten kaum Singvögel sind.

Denn dass der Buchsbaumzünsler keine Fressfeinde habe, stimme inzwischen nicht mehr, sagt der Experte: „Ich habe selbst beobachtet, wie Vögel und Wespen sich die Raupen holen.“ Er rät daher, die Feinde der Raupe zu unterstützen. Außerdem solle man den Buchs im Blick behalten, die entdeckten Raupen absammeln und abspülen. Ein starker Rückschnitt sei mitunter angebracht. Wenn das nicht helfe, könne mit Bacillus thuringiensis gearbeitet werden. Nur eins empfiehlt Beltz nicht: Algenkalk. „Alle Tests, die wir damit gemacht haben, zeigten keine Wirkung.“

Aufgeben will Beltz den Buchs auf keinen Fall. Dort, wo er gute Bedingungen vorfinde, solle er gepflanzt werden. „Da macht er Sinn.“ Eine echte Alternative gebe es zudem nicht. Auch weil es keine Pflanze gibt, die nicht von Schädlingen befallen wird.

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