"Für wie bescheuert hält uns die ASO?"

Bürger schimpfen über höhere Müllgebühren

Landkreis Osterholz. Die Müllabfuhr leert die grauen Hausmülltonnen nur noch alle 14 Tage; im Auftrag des Landkreises hat die Abfall Service Osterholz GmbH (ASO) die Zahl der Regelentleerungen pro Jahr für Zwei-Personen-Haushalte von 21 auf 14 reduziert - und die Gebühr pro Leerung von 2,67 auf 3,05 Euro erhöht.
09.02.2010, 08:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke
Bürger schimpfen über höhere Müllgebühren

Mit 14 Leerungen im Jahr kommen wir nicht aus“, sagt der Lilienthaler Ulrich Oetjen. Bisher hat er die graue Hausm

Hasselberg

Landkreis Osterholz. Die Müllabfuhr leert die grauen Hausmülltonnen nur noch alle 14 Tage; im Auftrag des Landkreises hat die Abfall Service Osterholz GmbH (ASO) die Zahl der Regelentleerungen pro Jahr für Zwei-Personen-Haushalte von 21 auf 14 reduziert - und die Gebühr pro Leerung von 2,67 auf 3,05 Euro erhöht. Der Lilienthaler Ulrich Oetjen rechnete nach und kam auf eine Preiserhöhung um zirka 30 Prozent. 'Für wie bescheuert hält uns die ASO?', schimpft der Worpsweder Helge Lippa.

Lippa fühlt sich betrogen. Er spricht von Wucher und davon, dass die kreiseigene ASO ihr Monopol 'schändlich' ausnutze. Moderater bleibt der Lilienthaler Ulrich Oetjen, doch auch er formuliert seine Kritik deutlich: Für weniger Leistung werde der Bürger stärker zur Kasse gebeten: Die Zahl der Leerungen sinke um ein Drittel, und die Gebühr werde erhöht - das sei eine verdeckte Preiserhöhung.

Oetjen schwant, dass er künftig noch mehr draufzahlen muss, denn: 'Wir werden mit den 14 Regelentleerungen im Jahr nicht hinkommen. Bisher haben wir die Tonne alle drei Wochen rausgestellt. Jetzt werden wird gezwungen, sie alle zwei Wochen an die Straße zu stellen, obwohl sie nicht voll ist.' Den Hausmüll alle vier Wochen abfahren zu lassen, sei nicht möglich, sagt der Lilienthaler: 'Irgendwo ist es mit dem Sparen zu Ende.'

Ganz 'schummerig vor Augen' wird auch dem Osterholz-Scharmbecker Henning Lange, wenn er sich die Entwicklung der Müllgebühren seit 2003 ansieht. Er hat ausgerechnet, dass die Kosten für die Leerung einer 120-Liter-Tonnen in seinem Zwei-Personen-Haushalt zwischen 2003 und 2004 um 34 Prozent gestiegen sind und sich von 2009 auf 2010 ein Sprung von 44,9 Prozent ergeben hat. Kalkuliert hat der Kreisstädter mit jeweils zwölf Leerungen der Restmülltonne pro Jahr. Ausgeklammert hat er die neu eingeführte Biotonne, die zusätzlich kostet.

'Ich bin immer wieder erstaunt, mit welcher Dreistigkeit die ASO uns Bürger belastet', schreibt Lange. Mit der allgemeinen Preissteigerung sei die Anhebung der Müllgebühren jedenfalls nicht zu begründen.

Werner Schauer, zuständiger Dezernent im Osterholzer Kreishaus, versteht die Aufregung nicht. 'Die Gebühren sind seit 2005 gleichgeblieben. Wir haben sie nicht um einen Cent erhöht, obwohl die Kosten bei weitem nicht gedeckt wurden. Sowohl die Löhne als auch die Spritkosten sind kräftig gestiegen. Dazu kommt die Anhebung der Mehrwertsteuer.' Die große Koalition aus CDU und SPD hatte die Steuer zum Jahresbeginn 2007 um drei Prozent erhöht. Tatsache ist: Bei den Müllgebühren schreibt der Kreis seit Jahren rote Zahlen. Binnen drei Jahren war die Millionengrenze erreicht; mittlerweile klafft nach Schauers Worten eine Lücke von zwei Millionen Euro zwischen Einnahmen und Ausgaben. '

Umstellung bringt Ersparnis

Weil die Erhebung von Gebühren zu den hoheitlichen Aufgaben gehört, ist der Landkreis für die Kalkulation verantwortlich und nicht die von ihm mit dem Müllgeschäft beauftragte ASO. 'Mit der jetzigen Kalkulation steigt das Gesamtaufkommen an Gebühren um 3,5 Prozent', sagt Schauer. 'Durch die Umstellung auf 14-tägliche Leerung der Hausmülltonnen sparen wir 900000 Euro, die voll und ganz den Gebührenzahlern zugute kommen.' Ohne diese Maßnahme wäre nach Schauers Worten eine wesentlich stärkere Gebührenerhöhung fällig gewesen. Im regionalen Vergleich seien die Osterholzer Müllgebühren 'exorbitant niedrig'.

Bisher standen jedem Haushalt zwölf Liter Müll pro Person und Woche zu. Jetzt sind es nur noch acht Liter. Die Müllmenge sei gesunken, sagt Schauer, auf durchschnittlich 10,5 Liter pro Person. 'Wir wissen das, wir erfassen ja alles.' Fast niemand stelle die Mülltonne heute jede Woche an die Straße. Durchschnittlich nähmen die Haushalte im Kreisgebiet pro Jahr 15 Leerungen in Anspruch.

Außerdem gebe es jetzt die Biotonne. Analysen der ASO zeigten, dass in den grauen Tonnen 'gut 25 Prozent Biomüll' wie Kaffeefilter und Essensreste landeten, betont Schauer. Wer mit der 14-täglichen Leerung nicht auskomme, könne ja eine Biotonne bestellen, rät der Kreisdezernent. Doch die ist nicht kostenlos. Für die Tonne mit dem braunen Deckel wird eine Zusatzgebühr fällig.

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