Beverstedt bekommt die Glasfaser Buhlen um die Kundengunst

In der Gemeinde Beverstedt möchten die Telekommunikationsanbieter den Breitbandausbau mit Glasfaserkabel vorantreiben. CDU und FDP fürchten, dass die kleineren Ortschaften auf der Strecke bleiben.
23.02.2018, 18:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulf Buschmann

Beverstedt. Bleiben die kleinen Ortschaften auf der Strecke? Gibt es so etwas wie eine Unwucht? Die Befürchtung hegen die Fraktionen von CDU und FDP im Beverstedter Rat, wenn es um den Ausbau der digitalen Infrastruktur für das schnelle Internet geht. Deshalb haben sie sich bereits im Dezember dafür stark gemacht, dass die Gemeinde den ihr möglichen Beitrag dazu leistet – der sieht den Einbau von Leerrohren in die Straßen in sogenannten unterversorgten Gebieten vor. Zeige ein Versorgungsunternehmen kein Interesse und es finden in den jeweils betroffenen Gebieten Erdarbeiten statt, so das Ansinnen der Kommunalpolitiker, „soll die Verwaltung mit der (…) auszuführenden Firma Kontakt aufnehmen und selbst einen Auftrag erteilen“, heißt es im Antrag. Diesem Wunsch stimmte die Mehrheit am Mittwochabend im Bau- und Umweltausschuss zu. Da es bei der Vorlage lediglich um kleine Änderungen ging, wird die Gemeinde in Zukunft so verfahren, wie von den Kommunalpolitikern gewünscht.

Mit seinem Beschluss hat der Bau- und Umweltausschuss zum richtigen Zeitpunkt im Rahmen seiner Möglichkeiten die Weichen gestellt. Denn der Ausbau des Glasfasernetzes ist seit kurzem in aller Munde. Am Donnerstag, also nur einen Tag nach dem Ausschuss-Votum, haben die Deutsche Glasfaser und die Gemeinde einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Das Unternehmen möchte laut seiner Mitteilung „in Beverstedt, Lunestedt, Stubben, Bokel, Wachholz und Wehldorf flächendeckend ein modernes Glasfasernetz bauen“.

4000 Haushalte im Fokus

Um die Gunst der Kunden buhlt indes nicht nur die Deutsche Glasfaser. Auch die Oldenburger EWE sitzt in den Startlöchern. Der Konzern möchte die Gemeinde Beverstedt laut seiner Mitteilung „in die Gigabitgesellschaft“ bringen. Danach sollen die Ortschaften Beverstedt, Wachholz, Bokel, Stubben und Lunestedt mit direkten Glasfaser-Hausanschlüssen ausgestattet werden. Von den Ausbaumaßnahmen profitieren laut EWE knapp 4000 Haushalte und Betriebe. Vorbedingungen, so der Konzern, gebe es keine.

Sowohl die EWE als auch die Deutsche Glasfaser versprechen ihren potenziellen Kunden, die ultramodernen Breitbandverbindungen bis ins Haus hinein zu verlegen. Die Fachleute sprechen von FTTH-Anschlüssen. FTTH steht für „Fibre To The Home“. Damit sind Geschwindigkeiten bis zu einem Gigabit möglich. Die Anbieter versprechen zudem eine stabile Übertragung von E-Mail, Fotos und nicht zuletzt Fernsehen- und Video on Demand von Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime oder Maxdome.

Der Weg dorthin ist bei beiden Konkurrenten unterschiedlich. So locken die Oldenburger mit satten Preisnachlässen in Verbindung mit ihren Produkten und der Möglichkeit, seinen Anschluss vorzubestellen. Die Deutsche Glasfaser hingegen startet eine Nachfragebündelung: Mit einer Informationskampagne möchten die Verantwortlichen erreichen, dass sich in einem festgelegten Zeitraum mindestens 40 Prozent der Haushalte für die Deutsche Glasfaser entscheiden. Erst dann rücken die Baukolonnen an. Dass die beiden Unternehmen die Gemeinde Beverstedt für sich entdeckt haben, kommt nicht von ungefähr. Schon seit einigen Monaten konzentrieren sich die großen Telekommunikations-Unternehmen zunehmend auf das Thema Glasfaser. So hat sich Vodafone den Deutschen Landkreistag (DLT) als Partner geangelt. Beide luden in der vergangenen Woche zu einem Kongress nach Berlin ein. „Das hat sich enorm entwickelt“, resümiert denn auch Peer Beyersdorff, Geschäftsführer des Breitband-Kompetenz-Zentrum Niedersachsen in Heilshorn.

Auch der größte Anbieter, die Deutsche Telekom, verstärkt das Engagement in diesem Bereich. Im Nordwesten ist gar geplant, dass sich das Magenta-Unternehmen, an dem der Bund noch immer mit einem Drittel beteiligt ist, und die EWE zusammentun. Um jeweils Zugriff auf die Glasfaser-Infrastruktur des anderen zu bekommen, sollen die Aktivitäten in einem neuen gemeinsamen Unternehmen gebündelt werden.

Das Glasfaser-Ziel aller Akteure bringt Beyersdorff auf den Punkt: „Man muss sehen, dass man das für alle in die Fläche kriegt.“ Dies forderte ebenso Reinhard Sager, Landrat des Kreises Ostholstein und DLT-Präsident in Berlin – „damit Deutschland nicht den Anschluss an eine Welt verpasst, in der der Digitalisierung immer größere Bedeutung zukommt.“ Hintergrund: Im europäischen Vergleich hängt Deutschland bei der Glasfaser-Infrastruktur hinterher. Laut einer Erhebung des FTTH-Council Europe kommt die Bundesrepublik auf einen Ausbaugrad von 2,3 Prozent. Zum Vergleich: Lettland liegt mit 50,6 Prozent weit an der Spitze. Selbst die ärmsten EU-Mitgliedstaaten, Rumänien und Bulgarien, liegen mit 34,9 und 28 Prozent weit vor Deutschland.

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