Urlaub mit Abstand Camping als Alternative

Die Deutschen glauben offenbar verstärkt daran, dass Camping eine gute Alternative zu Pauschalreisen sind. Im Landkreis Osterholz ist davon bislang allerdings nur wenig zu spüren.
16.03.2021, 05:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Peter von Döllen und Irene Niehaus

Landkreis Osterholz. Keiner weiß so recht, ob und in welchem Umfang Reisen dieses Jahr möglich sein werden. Doch insgeheim hoffen viele Menschen darauf. Während manche abwarten, buchen andere. Das Risiko scheint gering, bieten die Anbieter doch verstärkt Storno- und Umbuchungsmöglichkeiten. Ein Trend scheint sich aber schon herauszuschälen: Campingurlaub hat durch die Pandemie offenbar viele neue Anhänger gefunden. Man wohne quasi in den eigenen vier Wänden, sagt André Dietz. Und: Camper befinden sich an der frischen Luft. Die Gefahr einer Ansteckung wird deshalb anscheinend geringer eingeschätzt als in einem Hotel. An beliebten Orten, beispielsweise an den Küsten oder in den Bergen werden deshalb die Stellplätze jetzt schon knapp.

Die Anbieter in der Region merken davon allerdings offenbar wenig. Die Campingplätze Meyerdierks Viehspecken und Heidehof sind fast reine Dauercampingplätze. Dort kann man deshalb zur Beliebtheit bei Urlaubern nichts sagen. Auch der Campingplatz Meyer in Teufelsmoor vermietet überwiegend Dauerplätze. Es gibt aber auch Plätze für Gäste, die eine kürzere Zeit ihr Zelt aufschlagen oder ihren Wohnwagen aufstellen. „Bisher haben wir aber kaum Vorbestellungen“, sagt Nicole Meyer auf Nachfrage. Für die erste Jahreshälfte gebe es bisher keine Buchungen. Anfragen für Juli und später trudelten jetzt langsam ein. Nicole Meyer glaubt, das die Leute noch nicht kurzfristig planen. Ostern falle schon raus, glaubt sie. Und die Teufelsmoorregion ist auch kein klassisches Gebiet für Jahresurlaube. Da spielen die Küsten und andere Orte mit ihrer touristischen Infrastruktur in einer anderen Liga.

Mit 2020 sehr zufrieden

Sie hofften jetzt auf Änderungen, Lockerungen, die mehr Reisen ermöglichen. Im vergangenen Jahr sei der Besuch im Sommer gut gewesen. „Wir hatten ein tolles Jahr“, bilanziert Meyer. Vielleicht komme es nun wieder so. Sie würde sich natürlich freuen.

Bei Ralf und Diana Barten-Soujon in Neu Helgoland in Worpswede gibt es allerdings derzeit schon so viele Anfragen wie noch nie – dabei steht noch nicht mal fest, wann die Saison losgehen kann. Es seien bereits mehr Buchungen als im Frühjahr vergangenen Jahres per Mail eingetrudelt, berichtet Diana Barten-Soujon. Ausgebucht sei der Platz auch für den Sommer aber noch nicht.

Normalerweise beginnt die Saison auf dem Campingplatz an der Hamme am 1. April. Doch ob das klappt, ist wegen der Pandemie-Beschränkungen noch ungewiss. Allerdings zeigt sich bei einem schwierigen Start ein erster Hoffnungsschimmer. Nach Signalen aus Berlin hält Ralf Soujon erste Corona-Lockerungen bei der Außengastronomie für möglich. Dann kann er vielleicht Ostern zumindest seinen Biergarten wieder öffnen.

Unterdessen laufen die Vorbereitungen auf dem Worpsweder Campingplatz wie gewohnt. Das Ehepaar und seine Helfer renovieren, bauen um und gestalten die Plätze neu. Soujon berichtet, dass die Stromversorgung verbessert wurde und es mehr Steckdosen gibt. Wegen der Unmengen an Maulwurfshaufen ließen die Betreiber zuvor das Gelände von Fachleuten umpflügen und einebnen, damit die Wohnwagen wieder auf gerader Fläche stehen können. Sie legten zudem einen neuen Wasseranschluss auf dem von der Gemeinde gepachteten Areal. Weil das Gelände wegen seiner Flusslage stark der Witterung ausgesetzt sei, hätten Holz und Stein wieder Moos angesetzt, das nach jeder Winterpause entfernt wird, erzählt Soujon.

Corona als Verstärker

Auf den Saisonstart freut sich der 60-Jährige. Er vermutet, dass die Camper auch in diesem Jahr verstärkt in Deutschland bleiben werden. Im vergangenen Sommer hatte er nach eigenen Angaben 20 bis 25 Prozent mehr Übernachtungen. Grundsätzlich erlebe Camping aber schon seit einiger Zeit einen Boom, Corona habe ihn nur verstärkt. „Solange die Corona-Krise besteht, werden die Zahlen höher sein als in durchschnittlichen Jahren, danach werden sie wieder runtergehen, dann aber höher bleiben als vor Corona“, mutmaßt Soujon.

Auch Ronald Trenke spürt den Aufwind beim Camping. Sein Angel-Laden „Freizeit und Camping“ in Westerbeck ist auch wegen des Campingzubehörs beliebt – über die Grenzen des Landkreises Osterholz, wie Trenke sagt. Angefangen von Zelten über Schlafsäcke bis hin zu Lampen und Kochern reiche das Angebot – also alles, was benötigt wird. Im vergangenen Jahr lief laut Trenke vor allem Zubehör für Wohnmobile sehr gut. Hier sieht Trenke einen Boom. Im Bereich Zelten war es eher ruhig. Trenke führt das auf die ausgefallenen Musik-Festivals zurück.

Derzeit hat das Geschäft noch geschlossen. Aber über den Onlineshop laufe der Verkauf weiter. Kunden riefen aber auch an und holten sich die Sachen dann ab. Ronald Trenke nutzte die Zeit und hat das Geschäft umgebaut und umsortiert. Das Geschäft sei nun attraktiver, verspricht er.

Auch André Dietz spürt den Aufwind. Er vermietet in Ritterhude Wohnmobile und hat schon viele Reservierungen für das Jahr vorliegen, wie er sagt. Aber noch gebe es viele freie Zeiten. Ausgebucht sei er noch nicht. Aber Dietz rät zu frühen Reservierungen. Gegenüber Zelturlaubern seien Wohnmobilisten ein wenig im Vorteil. Sie könnten nicht nur die Campingplätze ansteuern. Vielmehr gebe es immer mehr Stellplätze für Wohnmobile. „Man ist mit einem Wohnmobil einfach autark und hat alles dabei“, sagt er. Möglicherweise fühlen sich die Menschen dann sicherer. Beim Camping könne jedenfalls genügend Abstand zu Mitmenschen gut gewahrt werden.

Info

Zur Sache

Camping in Zahlen

Pincamp, das Campingportal des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) hat aufgrund seiner Zugriffe das Campingjahr 2020 ausgewertet. Fazit: Wegen ausfallender Flüge und Reiseeinschränkungen steigen immer mehr Urlauber auf Zelt oder Wohnmobil um. Die Zahl der Übernachtungen ging zwar gegenüber 2019 ebenfalls zurück. Der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD) geht aber davon aus, dass die Zahlen nur wenig gegenüber 2019 zurückliegen und vermutlich nur fünf Prozent verloren haben. Der BVCD erwartet ein Ergebnis von mehr als 34 Millionen Camping-Übernachtungen 2020. Deutschland liegt laut Pincamp weiter auf Platz eins der beliebtesten Campingländer, hat seinen Vorsprung weiter ausgebaut. Niedersachsen rangiert bundesweit auf Platz fünf in der Lieblingsskala der Pincamp-Nutzer. Am beliebtesten ist Bayern.

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