Umgehungsstraße "B 74 neu"

Christina Jantz sichert Unterstützung zu

Es gibt Vorplanungen zur Umgehungsstraße "B 74 neu". Und die SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Jantz sichert ihre Unterstützung in Berlin zu.
27.06.2015, 00:00
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Christina Jantz sichert Unterstützung zu
Von Brigitte Lange
Christina Jantz sichert Unterstützung zu

SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Jantz hat zum Ortstermin nach Scharmbeckstotel (und nach Ritterhude) geladen.

Brigitte Lange

Aller Augen sind aufs Bundesverkehrsministerium gerichtet: Von dort erhoffen sich der Landkreis Osterholz, die Stadt Osterholz-Scharmbeck und die Gemeinde Ritterhude positive Nachrichten.

Seit Monaten liegen dort die Unterlagen für die Linienbestimmung der Umgehungsstraße „B 74 neu“. Krankheitsbedingt konnten sie noch nicht bearbeitet werden, erfuhr die Kreisverwaltung. Ist dieser Arbeitsschritt jedoch erledigt, sind die Vorplanung zum Planfeststellungsverfahren der Trasse abgeschlossen, teilte Richard Eckermann, Baudezernent des Landkreises, der SPD-Bundestagsabgeordneten Christina Jantz beim Ortstermin mit. „So weit waren wir noch nie“, sagte Landrat Bernd Lütjen.

Jantz ließ bei dem Treffen an der B74 keinen Zweifel daran, wie wichtig ihr die Realisierung der Straße ist. Sie sprach von dem Druck, der sich durch die Verkehrsentwicklung der vergangenen Jahre und entsprechender Zukunftsprognosen aufgebaut habe. „Nun müssen wir dem Ministerium Wind unter den Flügeln machen, damit wir die Linienbestimmung kurzfristig bekommen“, schlussfolgerte sie. Die Zeit dränge: Im Herbst dieses Jahres beginnen die Debatten über den neuen Bundesverkehrswegeplan und die Frage, welche Vorhaben auf die Prioritätenliste kommen.

Nach einem mehr als drei Jahrzehnte währenden Kampf für die Umgehungsstraße, die etwa in Höhe der Niederender Straße von der K 8 durch die Hammeniederung zur B 74 bei Osterholz-Scharmbeck zwischen Schmolke und Thölken schneiden soll, verbreiteten Eckermann und Lütjen mehr als nur Zweckoptimismus. Aus der Antwort auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Herbert Behrens (Die Linke) hatten sie erfahren, dass die am Verfahren beteiligten Bundesministerien keine weiteren Unterlagen einfordern würden; sie mit der Vorarbeit zufrieden sind.

„Auch das Bundesumweltministerium hat das Schreiben gezeichnet“, sagte Eckermann. Das sei sehr positiv: Dieses Ministerium hatte einen früheren Vorstoß ausgebremst. „Damals waren dem Ressort die Naturaspekte nicht ausreichend behandelt worden“, erinnerte er. Heißt: Die Auswirkungen, die die Trasse auf das EU-Vogelschutzgebiet haben würde, durch dessen Randbereich die Umgehungsstraße führen soll. „Ja, die Trassenführung hat Nachteile für die Hammeniederung, aber es gibt zu ihr keine zumutbare Alternative“, so Eckermann weiter. Alle anderen Varianten würden in der Doppelkreuzung in Ihlpohl münden. Spätestens wenn der Anschluss der A 281 und der Wesertunnel auf Bremer Seite kämen, würde das Verkehrsaufkommen für diese Doppelkreuzung zu groß werden, mutmaßte Jörg Fanelli-Falcke, Erster Stadtrat von Osterholz-Scharmbeck.

Das haben die Fachleute in den entsprechenden Ressorts wohl ebenfalls so eingeschätzt: Sie stimmten einer Ausnahmeprüfung für die Trasse zu. Diese hat der Landkreis im aktuellen Verfahren zusammen mit der ebenfalls geforderten FFH-Verträglichkeitsprüfung erstellt. Die Kosten von rund 103.000 Euro hat der Kreis bislang übernommen. Eine freiwillige Leistung, da es sich bei der circa 4,6 Kilometer langen Trasse um eine Bundesstraße handelt. Der Kreis habe damit demonstriert, wie wichtig ihm die Umgehungsstraße als Entlastung für die Anwohner der B 74 und die Berufspendler ist. „Wir haben einen klaren Auftrag vom Kreistag“, erklärte Lütjen.

Wie dringend notwendig eine Entlastung der Strecke ist, belegt der Landkreis mit Verkehrszahlen. Zahlen, die die Kritiker der Trasse unter anderem mit Verweis auf den demografischen Wandel infrage stellen.

Eckermann bestätigte, dass die Bevölkerung im Kreis in den vergangenen zehn Jahren um etwa ein Prozent zurückgegangen sei. „Das Verkehrsaufkommen wird aber nicht weniger“, sagte er. Es werde vielmehr von einem Plus von 13 Prozent ausgegangen. Grund seien die immer flexibleren Arbeitszeiten der Pendler und die bis ins hohe Alter hinein mobile Bevölkerung.

Aktuell gehen Experten davon aus, dass sich das Verkehrsaufkommen ohne Umgehungsstraße beispielsweise in Scharmbeckstotel von bis zu 22.500 Fahrzeugen (gezählt in 2009) auf knapp 24.000 (in 2025) steigern wird. Auf der Stader Landstraße in Ritterhude geht es um einen Anstieg von mehr als 15.000 (in 2009) auf 18.500 Fahrzeuge. Auch für den Ortseingang Riesstraße wurde eine Steigerung um 600 Fahrzeuge auf über 10.000 berechnet. Und bei Tietjens Hütte würden statt 9000 Fahrzeugen (in 2009) etwa 9400 in 2025 fahren.

Die neue B 74 Trasse würde diese Strecken um bis zu 56 Prozent entlasten, teilten Lütjen und Eckermann der Abgeordneten mit. „Der Nutzen wäre enorm“, kommentierte Jantz. Bürgermeisterin Susanne Geils ist angesichts dieses Sachstandes überzeugt, dass der Bund diesmal dem Projekt zustimmen wird. „Aber im Herbst 2015 wird es mit dem Bau noch nicht losgehen“, dämpfte Bernd Lütjen die Erwartungen. „Vor uns liegt noch ein langer Weg.“

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