Landkreis Osterholz wartet ab Linke drängen auf Lüftungsanlagen

Die Osterholzer Linken wollen Schulen mit einfachen Lüftungsanlagen ausstatten lassen. Chemiker des Max-Planck-Institus hätten mit einer Mainzer Gesamtschule gezeigt, wie es geht. Die Verwaltung wartet noch ab.
30.11.2020, 06:12
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Linke drängen auf Lüftungsanlagen
Von Bernhard Komesker

Landkreis Osterholz. Vor ungefähr 20 Jahren hat das niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) die Innenluft von Klassenzimmern auf Kohlendioxid, Feinstaub und Allergene untersuchen lassen. Die groß angelegte Studie bildete die Basis für etliche schulische Erlasse und Richtlinien. Im September noch ließ das Kultusministerium verlauten, nicht technische Anlagen, sondern „handhabbare Lösungen“ wie fünfminütiges Stoßlüften alle 20 Minuten seien das Mittel der Wahl, um die infektiösen Aerosole aus den Schulgebäuden zu vertreiben. Für die Osterholzer Kreisverwaltung war das bindend und so erteilte sie Luftfiltern und Luftreinigern - zumindest bisher - eine Absage. Inzwischen aber, so die Dezernentin Heike Schumacher im Schulausschuss, deute sich in Hannover ein Sinneswandel an.

Der Landkreis rechne in Kürze mit einer aktuellen Stellungnahme des NLGA zum Thema Lufthygiene in Schulen. Die Verwaltung werde die Abgeordneten umgehend informieren, sobald etwas Offizielles vorliege. Wilfried Pallasch (Bürgerfraktion) wirkte erleichtert und erklärte, das werde aber auch Zeit. Der Abgeordnete sieht sich als Opfer eines Expertenstreits: „Es kann doch nicht sein, dass das eine Frage des Glaubensbekenntnisses ist.“ Politik und Verwaltung bräuchten unabhängigen Expertenrat, wie nützlich mobile oder stationäre Luftreinigungstechnik wirklich sei. „Wenn die Dinger gut sind, dann müssen wir sie uns besorgen“, mahnte Pallasch.

Bernd Rugen von der Linkspartei winkte ab und kündigte einen Antrag an, wie er kürzlich bereits im Bremer Beirat Östliche Vorstadt mit großer Mehrheit beschlossen worden sei. Demnach gebe es schnelle, günstige und einfache Hilfe aus Baumarktmaterialien. Das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie veröffentlichte Ende Oktober unter dem Titel „Lüftung leicht gemacht“ die Erkenntnisse eines Versuchs an der Integrierten Gesamtschule Bretzenheim, den das Kultusministerium Rheinland-Pfalz für nachahmenswert hält. Die dort installierte Absauganlage entfernte nach den Darstellungen der Forscher 90 Prozent der potenziell Corona-haltigen Aerosole aus der Raumluft. Info mit Bauanleitung unter www.mpic.de

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