Schulbusverkehr „Da ist viel Vertrauen verloren gegangen“

Weil es nach Betreiberwechsel wochenlang nicht rund gelaufen war, sind die Mitglieder im Verkehrsausschuss des Kreistags noch immer nicht zufrieden mit dem Schülertransport.
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„Da ist viel Vertrauen verloren gegangen“
Von Bernhard Komesker

Landkreis Osterholz. Der Schulbusverkehr in Hambergen, Ritterhude, Osterholz-Scharmbeck und Schwanewede bekommt von der Kreisverwaltung derzeit die Schulnote befriedigend. Weil es mit dem Betreiberwechsel zum Schuljahresbeginn wochenlang mangelhaft bis ungenügend gelaufen war, sind die Mitglieder im Verkehrsausschuss des Kreistags jetzt auch längst noch nicht zufrieden.

Der Dezernent Dominik Vinbruck erklärte, Weser-Ems-Bus habe einen empfindlichen Imageschaden und spürbare Vertragsstrafen hinnehmen müssen, nachdem es seit August reihenweise zu Busausfällen und auch erheblichen Verspätungen gekommen war. Das Unternehmen hatte die Ausschreibung für die Zeit bis 2027 gewonnen, aber dann Ende Juli einen wichtigen Subunternehmer verloren, ohne gleich Ersatz zu finden. „Was wir da erlebt haben, das müssen wir nicht wieder haben“, so Vinbrucks Fazit. Durch enge Kontrollen und massiven Druck sei der Zustand inzwischen stabil, jedoch noch nicht gut.

Die Ausschussvorsitzende Brunhilde Rühl (CDU) sagte: „Am Anfang war es wirklich katastrophal, aber Weser-Ems-Bus hat sich seit den Herbstferien spürbar angestrengt.“ Es gebe inzwischen Bereiche im Kreisgebiet, in denen sei das Bus-Angebot besser als vor dem Betreiberwechsel, behauptete die Christdemokratin. Aber das war den übrigen Ausschussmitgliedern zu freundlich formuliert.

Rühls Garlstedter Parteikollegin Marie Jordan sah keinen Grund zum Jubeln. Sie hat nicht vergessen, dass ein ortsunkundiger Schulbusfahrer ihre Tochter im Herbst nach der vierten Stunde „irgendwo in der Pampa“ habe aussteigen lassen, sechs Kilometer vom Elternhaus entfernt. „Tagelang fuhr überhaupt kein Bus; da ist viel Vertrauen verloren gegangen.“ Es müsse nun darum gehen, dieses Vertrauen wieder aufzubauen, so Jordan. Denkbar sei ein Schreiben an die Schülerticket-Inhaber, das nützliche Tipps und Telefonnummern zum Thema Schulbusse enthält.

Vinbruck nickte: „Das haben wir auf dem Zettel.“ Es sei zwar wichtig, dass der Landkreis von etwaigen Mängeln erfährt; er sehe aber auch das Unternehmen gefordert, auf die Betroffenen zuzugehen; so habe es ja beispielsweise auch Fahrtkostenerstattungen gegeben. Jürgen Ahlers (Bürgerfraktion) bemerkte, wenn Lehrer in Ihlpohl und Platjenwerbe, wie geschehen, auf eigene Faust Ersatzbusse ordern müssen, dann habe auch die Kontrolle beim Landkreis als Aufgabenträger versagt.

Das aber wies Dezernent Vinbruck zurück: Mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen sei das Geschäft an Profis übertragen worden. Es habe keinerlei Grund zu der Annahme gegeben, Weser-Ems-Bus könnte der Aufgabe nicht gewachsen sein; die Deutsche-Bahn-Tochter sei im ganzen Nordwesten unterwegs. Gutes Personal sei nun mal schwer zu finden, das Problem hätte jeder andere Anbieter ebenfalls gehabt, behauptete Vinbruck. „So ein Übergang ist immer kritisch.“ So seien zum Beispiel interessierte Fahrer noch bei ihrem alten Arbeitgeber vertraglich gebunden gewesen.

Bernd Rugen (Linke) ließ nicht locker. Aus seiner Sicht sei die Situation noch immer nicht befriedigend; neben den Fahrgästen seien auch die Angestellten die Leidtragenden: „Wir müssen dem weiter nachgehen und darauf pochen, das der Verkehr vernünftig läuft.“ Es könne nicht sein, dass ein Busfahrer den eigenen Haltestellenfahrplan nicht an Bord habe und sonst eigentlich nur im Büro arbeite. Rugen sagte, er finde es verständlich, wenn ein Betreiber, der bei der Ausschreibung leer ausgegangen war, den neuen Mitbewerber die Suppe alleine auslöffeln lasse. „Wer weiß, ob wir mit den Altverträgen nicht besser dastünden.“

Dominik Vinbruck erwiderte, die Frage stelle sich nicht. Vergabe- und europarechtlich habe neu ausgeschrieben werden müssen. Der Vorteil sei, dass fehlende Qualität nun auch ganz anders sanktioniert werden könne. „Weser-Ems-Bus muss zum Beispiel auch die Tarifverträge anwenden.“ Ob das für die Subunternehmer ebenfalls gilt, sagte Vinbruck nicht. Er betonte, es sei durchaus nicht verständlich, falls alter und neuer Betreiber ihre Animositäten auf dem Rücken der Fahrgäste austrügen. „Man schadet sich nur selbst, wenn man dem Mitbewerber nicht helfen will - und sich dafür natürlich angemessen bezahlen lässt.“

Der Grünen-Abgeordnete André Hilbers aber teilte die Meinung Rugens. „Wenn einer drei Tage vorher abspringt, dann muss er doch triftige Gründe haben“, grübelte er. Auf die Nachfrage unserer Zeitung beim ehemaligen Konzessionsnehmer sagte Geschäftsführer Hinrich von Rahden, sein Haus sei im Sommer nicht abgesprungen, sodass die DB-Tochter im Regen stand. Von Rahden hält das im Hinblick auf die Größenordnungen für eine Schutzbehauptung. Außerdem fahre von Rahden ja nun auch für Weser-Ems-Bus. „Es hat bei ZVBN und Kreisverwaltung nur der Wille gefehlt. Im Landkreis Cuxhaven läuft es doch auch.“

André Hilbers erfuhr von Vinbruck auf Nachfrage, die Vertragsstrafen gingen an den ZVBN, der dadurch einen geringen Landkreis-Anteil erhebe. Hilbers sah bei alledem auch die ökologischen Folgen der Misere. Schließlich sind die Schulbusse im Landkreis auch Linienbusse: „Wir wollen eine Mobilitätswende erreichen, wie sollen wir da jemanden zum Umsteigen auf Bus und Bahn bewegen?“

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