Schüler und Lehrer der BBS berichten über Facebook, seine Vor- und Nachteile und welche Plattformen sie sonst nutzen „Das Internet vergisst nichts“

Bilder und Videos teilen, Nachrichten versenden, seine Meinung kundtun, persönliche Statusmeldungen veröffentlichen – das alles ist Facebook. Ein soziales Netzwerk, das sich nahezu ohne Konkurrenz seit einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut. Allein in Deutschland gibt es nach Angaben von Analysefirmen rund 25 Millionen Nutzer. Analysten berichten allerdings auch, dass die Plattform seit Anfang des Jahres mehr Abmeldungen als gewöhnlich zu verzeichnen hat und auch die Anzahl der aktiven Nutzer leicht zurückgegangen ist. Den Berichten zufolge verliert Facebook in den USA, aber auch in Deutschland vor allem junge Nutzer, die auf andere Angebote umsteigen. Was ist dran an den Trendmeldungen? Wir haben Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) nach ihrer Facebook-Nutzung und möglichen Alternativen befragt.
29.08.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Friebel

Bilder und Videos teilen, Nachrichten versenden, seine Meinung kundtun, persönliche Statusmeldungen veröffentlichen – das alles ist Facebook. Ein soziales Netzwerk, das sich nahezu ohne Konkurrenz seit einigen Jahren großer Beliebtheit erfreut. Allein in Deutschland gibt es nach Angaben von Analysefirmen rund 25 Millionen Nutzer. Analysten berichten allerdings auch, dass die Plattform seit Anfang des Jahres mehr Abmeldungen als gewöhnlich zu verzeichnen hat und auch die Anzahl der aktiven Nutzer leicht zurückgegangen ist. Den Berichten zufolge verliert Facebook in den USA, aber auch in Deutschland vor allem junge Nutzer, die auf andere Angebote umsteigen. Was ist dran an den Trendmeldungen? Wir haben Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) nach ihrer Facebook-Nutzung und möglichen Alternativen befragt.

Özgür Tasyer, Wolfgang Wüsthof und Mirco Prigge sind ebenso wie alle ihre Klassenkameraden aus der elften Klasse der Berufsfachschule Schwerpunkt Informationstechnik bei Facebook registriert. Außerdem nutzen sie den Nachrichtenservice „What´s app“, mit dem kostenlose Kurznachrichten auf dem Smartphone verschickt werden können. „Ich habe außerdem vor kurzem Instagram neu für mich entdeckt“, erzählt Wolfgang Wüsthof. „Es bietet dem Nutzer die Möglichkeit, Fotos und Videos aus seinem Leben zu teilen.“

Auch Instagram ist für die Nutzung auf dem Smartphone vorgesehen. Die geposteten Fotos werden mit kurzen Bildunterschriften versehen und können von den Mitnutzern eingesehen werden. „Ich selbst poste nicht so viel“, sagt der 17-Jährige. „Ich nutze es eigentlich nur, weil meine Freunde auch da sind und so kann ich sehen, was sie so machen.“ Das gleiche gelte für Facebook. „Allerdings posten meine Freunde bei Facebook andere Sachen als bei Instagram und so bleibe ich immer auf dem neuesten Stand.“ Auch Özgür Tasyer postet nur selten etwas auf Facebook. „Meistens gucke ich nur, was die anderen so machen“, erzählt er. Ähnlich sieht es bei Mirco Prigge aus: „Wenn ich etwas poste, dann am ehesten ein Foto.“

Mit Aufkommen des Phänomens Facebook hat auch der Begriff Freundschaft eine andere Bedeutung bekommen. Im sozialen Netzwerk werden auch solche als Freunde bezeichnet, die der Nutzer eigentlich nicht einmal kennt - ein Klick und ein neuer Freund ist „geaddet“, was so viel wie hinzugefügt bedeutet. „Leute, die ich nicht kenne, adde ich auch nicht“, betont Özgür.

„Die Freunde haben sich im Laufe der Zeit angehäuft. Die meisten kenne ich eigentlich gar nicht“, berichtet Mirco. „Das fing an mit Leuten, die ich vom sehen kannte oder auf Partys kennengelernt habe. Teilweise weiß ich gar nicht, wer das ist, aber ich habe auch keine Lust, sie zu löschen.“ Das sei das seltsame an Facebook, gibt Wolfgang Wüsthof zu bedenken: „Man added Leute, die einen eigentlich gar nicht interessieren.“

Auch die Privatsphäre auf der Plattform ist ein diskutiertes Thema. Mittlerweile ist es an der Tagesordnung, dass Hunderte von Nutzern Einblick in persönliche Fotos anderer haben. „Ich poste hauptsächlich Bilder von Feiern“, sagt Mirco Prigge. „Ich mache mir aber keine Gedanken, dass das irgendwer sieht, weil nichts dabei ist, was irgendwie fragwürdig ist.“

Klassenlehrer Ralf Salih beurteilt die Thematik deutlich kritischer. „Ich habe mich bewusst gegen Facebook entschieden, weil ich glaube, dass es unheimlich zeitintensiv ist. Außerdem muss man nicht rund um die Uhr zu erreichen sein“, gibt er zu bedenken. „Ich finde es erschreckend, dass man das komplette Leben mancher Leute im Internet einsehen kann. Es geht nicht jeden etwas an, was ich mache und wo ich gerade bin.“ Der Mensch mache sich transparent und die Privatsphäre leide darunter. „Das Leben verändert sich und das Internet vergisst nichts“, fügt der Bereichsleiter der IT–Berufe, Fritz Böhm, hinzu. „Gerade Jugendliche machen viele Veränderungen durch und im Internet bleibt das alte Leben gespeichert.“ Hinzu komme, dass der Server von Facebook in Amerika sei: „Damit besteht kein deutsches Datenschutzrecht. Das ist nicht ganz unproblematisch.“ Als positiven Aspekt von sozialen Netzwerken sehen die Lehrer die Möglichkeit, sich zukünftigen Arbeitgebern zu präsentieren. Allerdings sei Facebook für diese Art der Selbstdarstellung nicht unbedingt geeignet. Ralf Salih glaubt, dass Facebook im Laufe der Zeit überholt sein wird: „Irgendwann ist es hip, nicht mehr dabei zu sein.“ Auch Elis Ertem hat sich gegen Facebook entschieden. „Ich bin einfach nicht der Typ für soziale Netzwerke“, sagt die Zwölftklässlerin. „Man braucht kein Facebook, um Freunde zu haben. Ich habe ihre Telefonnummern, das reicht mir völlig. Ich brauche niemanden bei Facebook, den ich eigentlich überhaupt nicht kenne.“ Ihr Smartphone nutzt die 17-Jährige hingegen viel. Vor allem für den Nachrichtenservice „What´s app“. Ihre Klassenkameradin Lilja Thordarson ist ebenfalls keine große Anhängerin von Facebook. „Ich bin zwar angemeldet, aber ich nutze es nur über mein Handy“, erzählt sie. „Ich habe mich eigentlich auch nur registriert, um vor einem Schwedenaustausch mit meinem Austauschschüler kommunizieren zu können.“ Gepostet hat Lilja noch nie etwas. „Da sehe ich keinen Sinn drin.“ Wichtiger sei es ihr, sich mit ihren Freunden über die Plattform Nachrichten zu schreiben.

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