Der Henriettenhof wurde vor mehr als 300 Jahren in Axstedt erbaut – Gerhard Sennlaub erzählt die Geschichte

Dem Westwind getrotzt

Axstedt. Eigentlich ist der Henriettenhof nichts Besonderes. Er steht zwar mehr als 310 Jahre in der Gemeinde Axstedt, aber alte Höfe gibt es viele.
01.02.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen
Dem Westwind getrotzt

Der Henriettenhof steht bereits mehr als 300 Jahre in der Gemeinde Axstedt, bewohnt wird er immer noch.

Peter von Döllen

Axstedt. Eigentlich ist der Henriettenhof nichts Besonderes. Er steht zwar mehr als 310 Jahre in der Gemeinde Axstedt, aber alte Höfe gibt es viele. Die meisten wurden ähnlich gebaut. Doch der Henriettenhof ist immer noch bewohnt. Und einer seiner Eigentümer, Gerhard Sennlaub, hat die Geschichte des Hofes und der zugehörigen Personen recherchiert. Sennlaub hat seine Erkenntnisse in einem Buch veröffentlicht. Im vergangenen Jahr hat er es unter dem Titel „Axstedt und sein Henriettenhof“ neu herausgegeben. Es ist nicht nur die Geschichte des Hofes. Es ist auch ein Ausflug durch die Geschichte der Gemeinde.

Heute bewohnen Andreas und Mendy Arp den historischen Hof. Das Paar hatte ihn 2007 von Sennlaub gekauft. Im Sommer zogen sie damals aus ihrer Studentenbude in Bremen nach Axstedt. Aus Respekt vor dem Haupthaus schliefen sie die erste Woche im Gästehaus. „Wir haben lange nach etwas Passendem gesucht“, sagt Mendy Arp. Der Tipp kam von den Eltern, die in der Zeitung eine Anzeige entdeckt hatten. „Eigentlich überstieg der Preis unsere Möglichkeiten“, erzählt die Künstlerin. Bei der Besichtigung stellten sie allerdings fest, dass der Henriettenhof genau das war, was sie suchten. Die Scheune wurde zum Atelier umgebaut. wDer Verkaufsprospekt beschrieb den Hof: „Zur Linken beginnt der Gartenbereich mit Rasenfläche und über 100 Jahre altem Baumbestand, der sich bis weit hinter die Gebäude erstreckt. Gegenüber der Einfahrt liegt das 1992 kernsanierte und gut isolierte Haupthaus mit seiner ebenerdigen und 240 Quadratmeter großen Wohn- beziehungsweise Bürofläche. Das Gebäude ist mit ausgemauertem Fachwerk und Reetdach geschmückt. Die äußere Hülle des Hauses ist denkmalgeschützt, während man im Innenbereich freie Hand für die Gestaltung hat.“

Die ursprüngliche Struktur des Bauernhauses ist noch erkennbar. Die Grundidee historischer Bauernhäuser war es, möglichst Wohnung, Arbeitsplatz, Viehstall und Erntestapel unter einem Dach oder möglichst in einem Raum zu vereinigen. Sie enthielten eine Feuerstelle ohne Rauchabzug. Weil die Häuser ständig voller Rauch waren, nannte man sie später auch Rauchhaus. Ungefähr an dieser ursprünglichen Feuerstelle verbreitet heute ein Kachelofen mollige Wärme.

Laut Sennlaub wurde das Ursprungshaus 1706 durch Jacob Betjemann gebaut. Sicher ist das aber nicht. „Wer sich um das Jahr 1700 dem Geestdorf Axstedt von Osten nähert, muss die Jacke enger knöpfen. Kein Baum, kein Strauch bietet Schutz vor dem meist blasenden Westwind“, schreibt Sennlaub über Axstedt. 1732 wurde das Haus wohl verlängert. Das entspricht dem Datum, das über der Tür steht. 50 Männer soll es damals in Axstedt gegeben haben. Vermutlich waren alle als Nachbarschaftshilfe daran beteiligt.

Die Beschreibung, wie sich das Leben und der Alltag in und um das Bauernhaus abspielte, nimmt einen großen Platz im Buch ein. Sie erklären, warum das Haus so und nicht anders geplant und gebaut wurde. Es sind diese Strukturen, die es bis zum heutigen Tage begleitet haben.

In der Folge erlebt der Hof mehrere Besitzer und zahlreiche Kriege. Axstedt gehört im Laufe der Zeit unterschiedlichen Herrschern. 1802 geht der Hof erstmals in den Besitz einer anderen Familie über. Claus Wohltmann ist der Glückliche. Bis 1875 häufen sich die allerdings Schulden an. Dann erbt Heidewig Roesler den Hof. Doch auch sie kann den weiteren Verfall nicht aufhalten. Vor dem Ersten Weltkrieg soll das Haus praktisch noch in seinem Urzustand gewesen sein. Die Zeit scheint spurlos an ihm vorbei gegangen sein.

Erst jetzt beginnt die Tochter Henrietta Frederica Hansen, die nach Deutschland gezogen war, in den Hof zu investieren. Das Gesicht verändert sich spürbar. Weitere Generationen kümmern sich um den Hof. Insgesamt sind es vier Frauen der Familie, die den Hof bis 1992 mehr oder weniger erhalten. Aus einem ihrer Vornamen stammt auch die Hofbezeichnung.

Dann kauften Gerhard und Magdalena Sennlaub 1992 den Henriettenhof. Bevor sie einziehen konnten, war eine größere Sanierung nötig. Unter anderem wurde der Boden ausgekoffert, Teile der Holzkonstruktion erneuert und das Dach saniert. Der Kaminofen wich einem Kachelofen. Sennlaubs wohnten bis zum erneuten Verkauf auf dem Henriettenhof.

Andreas und Mendy Arp haben den Hof übernommen und werden ihn nach und nach weiter verändern. Mendy Arp ist Künstlerin und benutzt die frühere Scheune als Atelier. Regelmäßig öffnet sie die Tür bei der Creartour und gewährt Interessierten ein Blick in ihre Arbeit. Wer weiß, wie lange das Gehöft noch bewohnt bleibt. Ein Ende ist derzeit nicht absehbar.

Das Buch „Axstedt und sein Henriettenhof“ ist nur beim Autor erhältlich. Mehr Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.gerhardsennlaub-ug.de.

„Wir haben lange nach etwas Passendem gesucht.“ Mendy Arp, Künstlerin
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