Der Modellfall Wittstedt

D er Tierschutzverein Tierasyl Heimatlos in Wittstedt ist nicht im Dachverband des Tierschutzbundes Deutschland organisiert. Wäre er eines der 69 eingetragenen Mitglieder, müsste der Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen, Dieter Ruhnke, seine Zahlen korrigieren.
27.02.2016, 00:00
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Der Modellfall Wittstedt
Von Brigitte Lange

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er Tierschutzverein Tierasyl Heimatlos in Wittstedt ist nicht im Dachverband des Tierschutzbundes Deutschland organisiert. Wäre er eines der 69 eingetragenen Mitglieder, müsste der Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen, Dieter Ruhnke, seine Zahlen korrigieren. Statt fünf wären es dann sechs Vereine, die für ihre Aufnahme von Fundtieren eine kostendeckende Vereinbarung mit Kommunen ausgehandelt hätten. Denn, so teilt Holger Rasch, Vorstandsmitglied des Vereins Tierasyl Heimatlos, der Redaktion mit: „Wir haben die Kosten gut im Griff.“

Das im Landkreis Cuxhaven liegende Tierheim nimmt auch Tiere aus den Osterholzer Gemeinden Hambergen, Ritterhude und Schwanewede auf. Diese Kommunen haben mit dem Tierheimbetreiber, dem Tierschutzverein Tierasyl Heimatlos, einen entsprechenden Vertrag geschlossen. In erster Linie ist das Tierheim in Wittstedt aber für die Tiere gedacht, die in Geestland, Loxstedt, Schiffdorf, Hagen und Beverstedt aufgegriffen werden. Diesen Kommunen gehört nicht nur das Tierheim-Gebäude – in dem zusätzlich eine Tierpension untergebracht und dessen Obergeschoss vermietet ist –, sie sind auch Mitglieder des Vereins Tierasyl Heimatlos. In dessen Vorstand arbeiten ehrenamtliche Tierschützer Hand in Hand mit Vertretern aus Politik und Verwaltungen, wie Holger Rasch.

„Das ist schon eine besondere Situation“, räumt der Verwaltungsfachmann ein. Eine, die aus der Not geboren wurde: Als ihr früherer Tierheim-Betreiber als Vertragspartner wegbrach, mussten die fünf Gemeinden eine Lösung für die Fundtiere finden. „Wir standen sehr unter Druck“, erinnert sich Rasch: „Aber ein eigenes kommunales Tierheim zu gründen, war illusorisch.“ Nicht alle Aufgaben, die in einer Auffangstation anfallen, gehörten in die Zuständigkeit einer Kommune. Auch wären die Kosten – zum Beispiel für die dann hauptamtlichen Mitarbeiter – hoch gewesen. Zu hoch für die Gemeinden. Im Verein Tierasyl Heimatlos hätten sie schließlich einen Partner gefunden. Laut Rasch, der Beginn einer Erfolgsgeschichte. „Dadurch, dass die Mitgliedsgemeinden und die Tierschützer in einem Gremium sitzen, sind alle unmittelbar an der Entscheidungsfindung beteiligt – auch die Tierschützer.“ Das sei sonst die Ausnahme, würden die Vereine doch meist nur als ausführende Vertragspartner oder Bittsteller auftreten.

Durch diese enge Zusammenarbeit habe sich über die Jahre ein besonderes gegenseitiges Verständnis entwickelt, berichtet Rasch. Im Verein hätten sich Menschen, mit einem sehr großen Herzen für Tiere und sehr viel Engagement, mit Menschen zusammen getan, deren täglich Brot es sei, mit Zahlen, Etats und Verträgen sowie Behörden umzugehen. „Wir sind ein Modellfall; leider ein sehr seltener; aber ich glaube, dass er beispielgebend für viele andere sein könnte“, sagt er. Und noch eine Besonderheit zeichnet das Tierheim aus: Für die Aufnahme und Versorgung sowie die gegebenenfalls notwendige tierärztliche Versorgung der Tiere (2014 waren es 47 Hunde, 204 Katzen und 30 Kleintiere) wird keine jährliche Pauschale gefordert. Rasch: „Wir erheben Sätze, die je Tier gezahlt werden müssen.“

Für die Vertragspartner sind dies zurzeit 357 Euro je Hund, 135 Euro je Katze und 53 Euro je Kleintier. Für die Samtgemeinde Hambergen kamen so im vorigen Jahr 2700 Euro für Fundtiere zusammen; für Ritterhude waren es unterm Strich etwa 1000 Euro. „Für diesen Betrag können wir keinesfalls selbst eine Auffangstation betreiben“, erklärt Ingo Laschat vom Ordnungsamt Hambergen. Auch Ritterhudes Bürgermeisterin Susanne Geils ist froh über diese Lösung. Zuvor hätten sie Probleme gehabt, ihre Fundtiere unterzubringen. Es habe kaum Kapazitäten gegeben.

TEL

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