Privates Projekt will Verbindung zwischen den Dörfern Tarmstedt, Wilstedt, Buchholz und Quelkhorn verbessern Die erste Mitfahrerbank ist fertig

Buchholz. Das Projekt Mitfahrerbänke in der Samtgemeinde Tarmstedt nimmt Gestalt an. Der Buchholzer Pensionär Jochen Franke hat die Sache in die Hand genommen und schon mal ein Musterstück gebaut.
07.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Buchholz. Das Projekt Mitfahrerbänke in der Samtgemeinde Tarmstedt nimmt Gestalt an. Der Buchholzer Pensionär Jochen Franke hat die Sache in die Hand genommen und schon mal ein Musterstück gebaut. In seiner Werkstatt lagern aber bereits Teile für weitere sechs Mitfahrerbänke.

Schon länger beschäftige er sich mit dieser Idee, sagt Franke. Die sei in einem Dorf in der Eifel entwickelt worden und habe sich mittlerweile in der Region etabliert. Auch der Seniorenbeirat der Samtgemeinde Tarmstedt hat schon über Mitfahrerbänke nachgedacht. Die neue Form der Mobilität auf dem Lande nach dem Prinzip „Platz nehmen, warten und starten“ sei schlicht aus der Not heraus geboren worden, betont Franke. Die Nahverkehrsverbindungen vieler Dörfer der Samtgemeinde Tarmstedt bestünden weitgehend nur aus Schülerverkehren und seien daher unbefriedigend. Die Verbindung der Dörfer Buchholz, Wilstedt, Tarmstedt untereinander sei geradezu katastrophal schlecht. Eine Verbindung von Tarmstedt über die Kreisgrenze nach Quelkhorn zum dort verkehrenden Bürgerbus mit Anschluss an die Bahnhöfe Sagehorn und Ottersberg gebe es überhaupt nicht.

Das Konzept einer Mitfahrerlinie von Quelkhorn über Buchholz und Wilstedt nach Tarmstedt und umgekehrt soll Abhilfe schaffen. Wer mitgenommen werden will, setzt sich auf die knallrote Mitfahrerbank und wartet auf ein Auto, das ihn mitnimmt. Jede Mitfahrerbank ist deutlich als solche gekennzeichnet und mit umklappbaren Fahrtzielschildern bestückt. „Wenn sich der Pilotversuch bewährt, könnten später ja noch weitere Bänke in anderen Ortschaften aufgestellt werden“, sagt Vorwerks Bürgermeister Thomas Müller. Der Gemeinderat befürworte das Konzept jedenfalls. „Einstimmig“, betont Müller.

Auch in Bülstedt tut sich was

Auch in Bülstedt gibt es Bestrebungen, die Mobilität zu verbessern. „Bei uns gibt es praktisch keinen öffentlichen Personennahverkehr“, sagt Anne Christoph vom Bündnis Energiewende Bülstedt. Daher plane die Initiative, Mitfahrerbänke in Richtung Wilstedt und Westertimke aufzustellen. Mit den Nachbargemeinden stehe man in Kontakt, ebenso mit der Gemeinde Bülstedt. „Alle sehen das positiv“, so Christoph. Nach der Kommunalwahl rechne sie mit konkreten Beschlüssen. „Ich finde, wir sollten das ausprobieren“, sagt Rüdiger Hillmer, Bülstedts stellvertretender Bürgermeister.

Sponsoren gefunden

Jochen Franke plant, zunächst insgesamt sieben Bänke mit den entsprechenden Richtungsschildern aufzustellen. Die handwerklichen Arbeiten erledigt er kostenlos, und fürs Material hat er Sponsoren gefunden. „Gemeinden und Privatleuten entstehen keine Kosten, auch nicht für die Pflege der Bänke“, betont er, und umgekehrt dürfe natürlich keine Miete für die Stellplätze der Bänke erhoben werden. Franke denkt an eine Laufzeit von zunächst zwei Jahren. In dieser Zeit möchte er auch ein Verfahren entwickeln, „mit dem wir die Nachhaltigkeit der Mitfahrerbank ermitteln können“. Um das Projekt breiter zu verankern, wünscht sich Franke Schirmherren für die Mitfahrerlinie. „Ich könnte mir vorstellen, dass Bürgermeister der anliegenden Gemeinden in dieser wichtigen Sache eine ideelle Rolle übernehmen.“

Die Standorte stehen noch nicht fest. In Tarmstedt würde Franke die Mitfahrerbank am liebsten vor dem Haus der Tafel aufstellen, in Wilstedt kämen die Haltestellen am Altenheim und bei Brünings sowie auch der Parkplatz gegenüber vom Kaufhaus Borgfeldt in Frage. In seinem Heimatdorf Buchholz denkt Franke an die Bushaltestelle Mahnken, an den Glockenturm und eine Stelle gegenüber seinem Wohnhaus an der Dipshorner Straße, in Quelkhorn sei eine Stelle beim Reiterhof Henke ideal.

Bei aller Euphorie über die Verbesserung der Mobilität auf dem Lande bleibt aber doch eine Frage: Was ist, wenn sich Kinder auf die Mitfahrerbank setzen? Wie schützt man Kinder vor Pädophilen? „Das ist in der Tat eine ganz wichtige Frage", sagt Franke. Eine Antwort habe er nicht, das Thema sei "schwierig bis gar nicht zu händeln". Auf jeden Fall müssten Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen. Eine Lösung hat auch Rüdiger Hillmer nicht parat. Er sagt: "Diese Gefahr, dass Kinder von Fremden angesprochen und vielleicht auch mitgenommen werden, haben wir im Prinzip an jeder Bushaltestelle."

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