Wie Politik funktioniert

Die Jugend hat das Wort

Freizeit, Verkehrssicherheit und Mobilität, Digitalisierung sowie Umweltschutz - das sind Themen, die Jugendliche in Beverstedt interessieren und die sie im Jugendforum diskutieren wollen.
16.01.2018, 16:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Grotheer

Beverstedt. Jugendlichen mehr Mitspracherecht in der Kommunalpolitik einräumen, die Kommunalverwaltung transparenter darstellen und der Politikverdrossenheit junger Leute entgegenwirken – das alles sind Gründe für die Gründung eines Jugendforums. In der Gemeinde Beverstedt gibt es ein solches Forum seit 2015.An diesem Mittwoch startet in Beverstedt die vierte Auflage des Forums.

Mit der Veranstaltung erfülle man aber auch gesetzliche Vorgaben, sagt Detlev Fänger, Fachdienstleiter der Jugend- und Familienförderung der Gemeinde Beverstedt. „Der Paragraf 36 des niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes wurde 2010 reformiert und besagt, dass Gemeinden und Samtgemeinden Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die deren Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen sollen“, so Fänger. Dazu sollten geeignete Verfahren entwickelt und organisiert werden. In Beverstedt sei die Anfrage nach jugendlicher Mitbestimmung aus der Politik gekommen. Möglichkeiten gebe es verschiedene, so werden bundesweit Jugendparlamente, Jugendtage und eben auch Jugendforen angeboten. In Beverstedt fiel die Entscheidung auf das Forum, das einmal jährlich vor den Zeugnisferien im Rathaus stattfindet.

„Dabei geht es um Demokratieprozesse und die Frage, wie funktioniert Politik“, so Detlev Fänger, der die Veranstaltung gemeinsam mit Kerstin John und weiteren Kollegen organisiert. Erwartet werden rund 100 Schüler der Oberschule und des Gymnasiums Waldschule mit ihren Lehrern sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung. Auch drei Schülervertreter der KGS Hambergen, die Bürgermeisterin der Gemeinde Ritterhude sowie Gäste der Stadt Cuxhaven und der Gemeinde Worpswede werden dabei sein.

Diskutiert werden Themen, die aus den Reihen der Schüler kommen. Ihre Wünsche an die Gemeinde konnten Jugendliche in den letzten Wochen auf Fragebögen vermerken, die vom sogenannten Multiplikatorenteam ausgewertet wurden. Auf der Tagesordnung stehen nun die Themen Freizeit, Verkehrssicherheit und Mobilität, Digitalisierung sowie Umweltschutz. Jeweils eine Gruppe des zwölfköpfigen Multiplikatorenteams stellt eines der Themengebiete in der großen Runde vor.

„Ich mache hier mit, damit ich Anregungen geben kann für Dinge, die mir in meinem Ort und in meiner Schule nicht gefallen, damit etwas verändert wird“, sagt der 13-jährige Ben Borcherts aus Lunestedt. Er ist, wie einige seiner Mitstreiter, Jugendortsvorsteher in seiner Ortschaft und vertritt auch in dieser Funktion die Interessen der Kinder und Jugendlichen. Die Anregung zur Schaffung dieses Amtes kam aus dem zweiten Jugendforum. Der 18-jährige Jan Ehlers ist ebenfalls Jugendortsvorsteher in Lunestedt und bereits zum dritten Mal Mitglied des Multiplikatorenteams. Er mache mit, um das Gehör von Leuten zu bekommen, die tatsächlich zuständig seien, sagt er und meint damit beispielsweise die Ansprechpartner in Bus- und Bahnangelegenheiten, die zum Teil Gäste des Jugendforums sind.

„Wir können etwas bewegen“, begründet der 12-jährige Leon Russ aus Hollen seine Teilnahme. Auch er ist Jugendortsvorsteher. Kjell-Lucca Reichardt aus Stubben ist der Meinung, dass Jugendliche es verdient haben, von größeren Problemen oder Projekten zu erfahren. „Ich habe Spaß daran, etwas für Jugendliche zu tun“, sagt der 18-jährige Jugendortsvorsteher und sieht im Jugendforum ein wichtiges Medium, um Kontakte zwischen Jugendlichen, der Politik und anderen Ansprechpartnern umzusetzen.

Die Mitglieder des Multiplikatorenteams müssen einiges an Zeit in ihr Engagement investieren, allein an fünf Abenden finden Treffen statt, um die große Sitzung vorzubereiten. „Wir sind keine Wunscherfüllungsmaschine und verstehen das Jugendforum nicht als Trichter, in den oben die Wünsche hineingeworfen werden und die unten maßgeschneidert wieder herauskommen“, stellt Detlev Fänger klar. Es gehe vielmehr um gelebte Demokratie. Und die trage auch Früchte: So konnte nach Diskussion im Jugendforum bereits der Preis für Jugendliche für das Anrufsammeltaxi (AST) gesenkt werden. In Heerstedt ist ein Basketballplatz entstanden und die Spielplatzchecker haben ein Konzept für Verbesserungen und Veränderungen auf den Spielplätzen der Gemeinden erarbeitet, das Stück für Stück umgesetzt wird.

In diesem Jahr soll über den Sportplatz neben der großen Turnhalle in Beverstedt und dessen Nutzung ebenso gesprochen werden wie über fehlende und defekte Fahrkartenautomaten an Bahnhöfen und den Wunsch nach einer Reithalle in Beverstedt. Auch die Vermüllung der Gemeinde, der durch das Aufstellen zusätzlicher Mülleimer, die gegebenenfalls durch Müllpaten betreut werden könnten, entgegengewirkt werden soll, steht auf der Agenda. Ein ausbaufähiger Hotspot sowie die fehlende mobile Version der Homepage der Gemeinde Beverstedt sollen ebenfalls diskutiert werden. Moderiert wird das Jugendforum von Carsten Bunk, Hochschullehrer an der Fachhochschule Emden.

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