Werner Mörig führte gestern am Tag des offenen Denkmals über den Rechtenflether Gartenfriedhof Die Ruhestätte des Marschendichters

Zum Tag des offenen Denkmals hatten in der Samtgemeinde Hagen gestern gleich mehrere historisch bedeutsame Stätten geöffnet. Auf dem unter Schutz stehenden Rechtenflether Gartenfriedhof wurde eine Führung angeboten.
09.09.2013, 00:00
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Von Andrea Grotheer

Zum Tag des offenen Denkmals hatten in der Samtgemeinde Hagen gestern gleich mehrere historisch bedeutsame Stätten geöffnet. Auf dem unter Schutz stehenden Rechtenflether Gartenfriedhof wurde eine Führung angeboten.

Werner Mörig ist Friedhofsbeauftragter der Samtgemeinde Hagen und ein alteingesessener Rechtenflether. 1977 hat der heute 75-Jährige das Bestattungsunternehmen seines Vaters übernommen. Er kennt fast jeden in der Weserortschaft, und man kennt ihn. Zum Tag des offenen Denkmals am gestrigen Sonntag übernahm Mörig die Führungen über den unter Denkmalschutz stehenden Rechtenflether Gartenfriedhof; dort liegt unter anderem auch der berühmte Marschendichter und Sohn Rechtenfleths, Hermann Allmers, begraben.

Bereits um 1850 hatte der Dichter den Anstoß gegeben, in seinem Heimatdorf einen Friedhof anzulegen. Das Grundstück stellte er der Gemeinde für den damals geringen Preis von 600 Reichsmark zur Verfügung. Von diesem Kaufpreis finanzierte Hermann Allmers den Bau des Torhauses im Eingangsbereich; die Gemeinde bekam den Friedhof damit quasi geschenkt. Angelegt wurde der Friedhof, im Volksmund auch Clushamm genannt, im Jahre 1852. Über die Denkmalspflege ließ die Samtgemeinde Hagen den Gottesacker in der Zeit von 2002 bis 2004 restaurieren.

Des Dichters letzter Wille

Der Marschendichter wurde dort, seinem letzten Willen folgend, im Jahre 1902 bestattet. „Hermann Allmers verfügte, dass nach seiner Bestattung Sand, der durch das Gewölbe hinter die Tür seiner Gruft geleitet wurde, diese für immer verschließen sollte“, erzählt Werner Mörig. Es soll sich um Wesersand gehandelt haben, der zum Trocknen auf der Diele seines Wohnhauses gelagert haben soll. Auch der Schlüssel wurde hinter die Tür geworfen und das Schlüsselloch mit Zement verschlossen.

Anders bei den fünf weiteren Gruften auf dem malerisch gelegenen Friedhof, die zum Teil heute noch begehbar sind: Im Jahre 1854 entstand die Gruft der wohlhabenden Familie Buse, 1866 die der Familie Otten und 1880 die mit Skulpturen verzierte Begräbnisstätte der Familie Meinecke. „In den tieferen Gruften stand das Wasser manchmal bis zu 50 Zentimeter hoch“, erzählt Werner Mörig. Wegen des hohen Wasserstands im Marschboden war eine Erdbestattung schwierig, und aus diesem Grund entstanden die Hochgräber, in denen die vermögenden Bürger in Zinksärgen bestattet wurden.

Um 1860 ließ Johann Hermann Joppert, ein Vetter von Hermann Allmers, die Grabkapelle errichten, in der ein Marmor-Relief des Bildhauers Johann Steinhäuser zu bewundern ist. Noch bis 1979, bevor die neue Kapelle entstand, wurde das Mausoleum bei Trauerfeiern genutzt; es bot Platz für gerade mal 15 Gäste. Ihre letzte Ruhe fanden dort Hermann Joppert, seine Frau Alrike und seine Tochter Johanne, die nur zwei Jahre alt wurde. In der Gruft, die über ein paar schmiedeeiserne Stufen zu erreichen ist, befindet sich außerdem der Sarg von Conrad Meyer, geschmückt mit grün gestrichenen Rosen aus Blech: „Man weiß bis heute nicht, wer dieser Conrad Meyer war“, erzählt Werner Mörig.

Über die wahrscheinliche Todesursache von Hermann Joppert wiederum erzähle sich die ältere Generation folgende Geschichte: Joppert soll mit der Sense Roggen gemäht und dabei kräftig geschwitzt haben; er sei in den Keller gegangen, habe etwas Kaltes getrunken und einen Herzschlag erlitten, weiß Werner Mörig.

Heute sei die letzte Ruhe auf dem Rechtenflether Friedhof nicht mehr nur Einheimischen vorbehalten: „Jeder kann hier eine Grabstelle erwerben“, sagt der Friedhofsbeauftragte.

Der Tag des offenen Denkmals findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im September statt. Historische Stätten und Bauten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, öffnen dann ihre Türen, um den Besuchern am Denkmaltag „Geschichte zum Anfassen“ zu bieten. In der Samtgemeinde Hagen konnten gestern neben dem Rechtenflether Gartenfriedhof auch das Hermann-Allmers-Haus – der ehemalige Wohnsitz des Marschendichters – sowie die Villa Osterndorff in Offenwarden besichtigt werden. Dort lud das „Café Salon 1900“ zur Kaffeepause ein, und im Außenbereich konnten die Besucher auf dem Antik- und Trödelmarkt nach Schätzen stöbern.

Geöffnet hatten ferner auch das Niedersachsenhaus in Bramstedt, in dem aktuell eine Schreibmaschinen-Ausstellung zu sehen ist, sowie die „Alte Schule“ in Wulsbüttel mit ihrer Kaffeemühlen-Ausstellung. In der Burg zu Hagen schließlich hatte das Landfrauencafé geöffnet; Jutta Siegmeyer hielt dort einen Vortrag über die Restaurierung der Hagener Burg von 1986 bis 1988.

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