Boreas Quartett Bremen begeistert mit Werken vom Mittelalter bis Neuzeit

Die wunderbare Vielfalt der Blockflöte

Lilienthal. Nein, das Publikum will sie nicht gehen lassen. Es applaudiert in der voll besetzten Klosterkirche, bis die vier jungen Flötisten noch einmal in den Altarraum zurückkehren.
20.10.2015, 00:00
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Die wunderbare Vielfalt der Blockflöte
Von Undine Zeidler
Die wunderbare Vielfalt der Blockflöte

Das Boreas Quartett aus Bremen bescherte dem Publikum in der Klosterkirche bisweilen ungewohnte, aber mitreißenden Flötentöne.

Hans-Henning Hasselberg

Nein, das Publikum will sie nicht gehen lassen. Es applaudiert in der voll besetzten Klosterkirche, bis die vier jungen Flötisten noch einmal in den Altarraum zurückkehren. Fröhlich und so charmant, wie sie zuvor durch das Konzert geführt hatte, verkündet Elisabeth Champollion: „Wir haben ganz zufällig noch etwas für Sie dabei.“ Englische Theatermusik. Mit diesem mittelalterlichen Teppich, gewoben aus warmen Klängen, verabschiedet sich das Boreas Quartett Bremen nach seinem Konzert „Il Flauto Magico“. Magisches bot dieser Abend wahrlich. Auf rund 40 verschiedenen Blockflöten interpretierten Elisabeth Champollion, Georg Fritz, Julia Fritz und Luise Manske Werke aus dem Mittelalter bis zur Gegenwart.

Als Namensgeber haben die Bremer Flötisten Boreas gewählt, den Gott des Nordwindes – und wie der Wind, so wechselten auch sie Tonlagen, Richtungen und Intensitäten. Mit einem schlichten Lied eröffnete Julia Fritz das Konzert. Diese Fantasie „Une jeune fillette“ hat Eustache du Caurroy (1549-1609) geschrieben, und auch Hans Leo Haßler (1564-1612) hat die Volksweise „Ich gieng einmal spatieren“ bearbeitet. Fritz wiegte sich in der weichen Melodie und neigte sich ihren Partnern zu. Gleich einer Blüte, entfalteten sie dieses Lied Note um Note zu einem mehrstimmigen Gesang.

Schon im zweiten Stück drehte der Wind mit „Fade control“ von Fulvio Caldini in das Jahr 1990. Von Elisabeth Champollion erfuhren die Zuhörer, dass dieses Werk der sogenannten „Minmal Music“ zugeordnet sei. Champollion versprach „kleinste musikalische Zellen, die erst vereinzelt erklingen“, die „sich verdichten“ und „in einem ausbruchsartigen Gefüge münden“ und all das in einem „perkussiven“ Setting. Selbstredend, dass dafür nicht unbedingt eine der Nachbauten der originalen Renaissance-Blockflöten passte. Aber Blockflöte geht auch anders: eckig als neuzeitliche Bass-Blockflöte. Die Töne werden von Klappen erzeugt, und wie die Form so die Komposition. Mechanistisch, ruckartig reihten sich die Töne aneinander. Mal klangen sie wie gezupfte Saiten, mal rhythmisierten sie wie ein Xylofon – und mündeten schlussendlich doch in verbundenen Liedbögen.

Vertrautes und Modernes: Das Quartett Boreas mischt leichthändig und wird dafür international geschätzt. Jetzt auch in Lilienthal. Egal ob für Auszüge aus Johann Sebastian Bachs (1685-1750) „Kunst der Fuge“ oder für die „Besorgnis der Sperlinge“, einer Komposition für eine Soloflötistin von Farzia Fallah aus dem Jahr 2013/14. Bei diesem Werk wurde am deutlichsten, warum Elisabeth Champollion eingangs von der Klosterkirche als fünftem Spieler geschwärmt hatte. Julia Fritz stieß ihren Atem mal scharf in die Flöte oder beugte sich stöhnend mit ihr zum Boden. Innerer Kampf wechselte mit akustischer Zuversicht.

Mit vier Blockflöten verwandelte Boreas die ganze Kirche zu einer raumfüllenden Klanginstallation. Das Publikum dankte mit viel Applaus für solche Virtuosität.

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