Forum will am 9. Februar über kurdische Volksgruppe informieren Die Yeziden stellen sich vor

Von Peter Otto
04.02.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Otto

Osterholz-Scharmbeck. In Osterholz-Scharmbeck leben derzeit etwa 50 yezidische Familien mit rund 200 Mitgliedern. Im gesamten Landkreis gibt es weitere 120 Yeziden. Wer sind die Yeziden, woher kommen sie, und wie leben sie? Darüber will das Yezidische Forum aufklären. Zu diesem Zweck wollen die Yeziden im Landkreis Osterholz in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung und dem Fachdienst Migration der Diakonie einen Diskussionsabend am 9. Februar im Gemeindesaal der St. Willehadi-Kirche ausrichten. Motto: "Die Yeziden unter uns."

In einem Referat wird der Vorsitzende des Yezidischen Forums Oldenburg, Elias Yanc, erläutern, wer die Yeziden sind und woran sie glauben. Vorab berichtete Haneul Agirman gemeinsam mit der Migrationsbeauftragten des Diakonischen Werkes, Sabina Kadura, und Carsten Leonhard von der Evangelischen Erwachsenenbildung im Landkreis Osterholz schon einmal über die Yesiden. Es handele sich dabei um eine eigene Gesellschaft innerhalb der kurdischen Völkergemeinschaft. Ihre Kultur habe sich im Nahen Osten entwickelt und sei uralt. Sie reiche weit in die vorchristliche Zeit zurück. Ihr Ursprung liege wohl im heutigen Irak. Die Yeziden hätten in der Folgezeit besonders unter den Muslimen zu leiden gehabt. Dort wo der Islam die beherrschende Religion war, hätten die Mohamedaner andere Religionen wie die Christen drangsaliert, so auch die Yeziden. Anders allerdings als die Christen hätten die Yeziden ihren Glauben niemals missionarisch nach außen vertreten. "Yezide ist man von Geburt her, man kann

es nicht werden", erklärte Haneul Agirman. In der Türkei seien die Yeziden unbeliebt. Man verfolge sie dort hasserfüllt als "Teufelsanbeter". Dabei glaubten sie wie Juden, Christen und Moslems an einen Gott.

Ihr Glaubensbuch, das der Bibel, dem Talmut oder Koran entspreche, sei das "Mashef-Res". Die dort verzeichneten vier Glaubenssymbole seien Sonne, Feuer, Erde und Luft. Sie stünden für Licht und Frieden, Freiheit und Leben. Der Pfauenvogel "Tawis Melek" verbinde als göttlicher Bote die Menschen mit der Gottheit. Die Scheichs seien die geistlichen Vertreter dieser Gemeinschaft, die Pirs richteten die Feste aus, wie beispielsweise den "roten Mittwoch" im Frühling oder das Herbstfest Chamyi. Die einfachen Glieder der Völkergruppe seien die Mirid. Yeziden heirateten untereinander, wobei auch hier bisher - wie im Islam - die Väter die Partner für ihre Kinder aussuchten. Dies habe sich inzwischen aber unter den über 100 000 in Deutschland lebenden Yeziden geändert, betonte Agirman. Viele von ihnen hätten sich mittlerweile eingebürgert. Die meisten wohnten in Nordwestdeutschland, weshalb auch das kulturelle Zentrum der Yeziden in Oldenburg ansässig sei.

Die Politik habe angeregt, die Menschen in Deutschland über diese kurdische Volksgruppe aufzuklären, berichtete Carsten Leonhard. "Und auch wir waren der Meinung, dies sei ein lohnendes Thema." Sabina Kadura möchte den Wunsch der hier ansässigen Yeziden unterstützen, ein Haus als Ort für einen Deutsch-Yezidischen Verein und als Treffpunkt besonders für Jugendliche zu finden. Am Mittwoch, 9. Februar, wollen die Yeziden sich im Gemeindesaal St. Willehadi, Am Kirchenplatz 3, um 19 Uhr vorstellen. Dabei werden kurdische Speisen gereicht, und Haneul Agirman wird auf der Saz, einer 6-saitigen Gitarre, kurdische Musik spielen.

Sabina Kadura weist darauf hin, dass diese Veranstaltung nichts mit der am 28. Februar im Haus der Kulturen stattfindenden Vortragsreihe "Lines" zu tun habe, die sich vorwiegend an Pädagogen wende.

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